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Zum Nichtstun gezwungen

Beim SC Riesa ist Sport so gut wie gar nicht möglich. Aber die mehr als 2.500 Mitglieder halten zusammen.

Radfahren unter freiem Himmel geht derzeit - aber Mannschaftssport? Beim SC Riesa ist man froh, dass die Mitglieder zum Verein halten und ihm etwa durch den Kauf von Unterstützer-Shirts helfen - so wie es Präsidentin Annekathrin Aurich trägt.
Radfahren unter freiem Himmel geht derzeit - aber Mannschaftssport? Beim SC Riesa ist man froh, dass die Mitglieder zum Verein halten und ihm etwa durch den Kauf von Unterstützer-Shirts helfen - so wie es Präsidentin Annekathrin Aurich trägt. © SC Riesa

Riesa. Alle Sportstätten zu, die Mitglieder quasi zum Nichtstun gezwungen: Von Tag zu Tag schaut man beim SC Riesa darauf, wie sich die Lage bei den Corona-Beschränkungen entwickelt. "Es ist völlig offen, wann ein einigermaßen geregelter Trainings- und Wettkampfbetrieb wieder möglich sein wird", sagt Sebastian Lohse, Vorstandssprecher des größten Sportvereins im Kreis Meißen. Immerhin: für die Woche ab dem 4. Mai deuten sich erste Lockerungen für den Vereinssport an.

Und Mitglieder, hauptamtlich und ehrenamtlich Beschäftigte in der Geschäftsstelle, Trainer und andere Aktiven hätten ein Lob verdient. "Alle halten zusammen", sagt Lohse. Ausfälle von Mitgliedsbeiträgen habe man bisher nur in überschaubarem Rahmen zu verzeichnen. "Es herrscht Solidarität." 

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Das zeigt sich auch bei einer Aktion, die dem SC Riesa wenigstens einige zusätzliche Einnahmen bescheren soll: dem Verkauf von Unterstützter-T-Shirts. Beim Ausrüstungs-Partner Teambro wird jetzt ein T-Shirt mit SC-Logo und Wunschnamen angeboten. Für jedes verkaufte Shirt gehen zwei Euro von Teambro an den SC. "Die T-Shirts werden von unseren Mitgliedern reihenweise gekauft", sagt Lohse.

Erst am Dienstag waren 40 Shirts beim SC eingegangen, für Vorstands- und Abteilungsmitglieder sowie Trainer und Mitarbeiter.

Mit deutlich mehr als 2.500 Mitgliedern ist der SC Riesa der größte Sportverein des Landkreises Meißen. Im Sachsen-Vergleich kommt er auf Platz 13. Sport ist derzeit aber so gut wie gar nicht möglich.
Mit deutlich mehr als 2.500 Mitgliedern ist der SC Riesa der größte Sportverein des Landkreises Meißen. Im Sachsen-Vergleich kommt er auf Platz 13. Sport ist derzeit aber so gut wie gar nicht möglich. © Sebastian Schultz

Alle Mitarbeiter in Kurzarbeit

Dabei würden derzeit für jeden Einzelnen schwierige wirtschaftliche Bedingungen gelten. So sind alle Beschäftigten des SC momentan in Kurzarbeit - zwangsläufig. "Mut macht, dass auch eine derart einzigartige Krise nicht zu Egoismus und Abkehr von gemeinsamen Werten führt – im Gegenteil", sagt Lohse.

Und es besteht Hoffnung, dass sich die Zeiten bald bessern. So habe man zum 1. April einen neuen Regionaltrainer für Leichtathletik einstellen können. "Er startet seinen Beruf mit Kurzarbeit und blickt mit dem Verein gemeinsam trotzdem nach vorn", sagt der Vorstandssprecher. Der Trainer versuche, mit Videos den Sportlern in Corona-Zeiten ein Mindestmaß an Training an die Hand zu geben.

Manche Abteilungen würden versuchen, sich mit Online-Angeboten zu helfen. In großem Stil sei das aber nicht möglich, heißt es vom SC. Da draußen in Gruppen kein Sport gemacht werden dürfe, seien die Bedingungen für geordnetes und sinnvolles Training ganz schwierig. "Insbesondere natürlich in Mannschaftssportarten", sagt Lohse.

Sebastian Lohse ist Anwalt in Riesa und Vorstandssprecher beim SC Riesa.
Sebastian Lohse ist Anwalt in Riesa und Vorstandssprecher beim SC Riesa. © Sebastian Schultz

Glück im Unglück sei, dass zwei Schwierigkeiten wenigstens zeitlich zusammenfallen: die schon vor Corona geplante Schließung der Riesaer Schwimmhalle für Baumaßnahmen und die geltenden Corona-Einschränkungen. So hofft man beim SC, dass die Bauarbeiten am Hallenbad gleichzeitig mit dem erhofften Neubeginn des Sportbetriebes dem Ende zu gehen.

Die Sponsoren und Unterstützer halten dem SC Riesa auch unter erschwerten Bedingungen die Treue. "Ohne Einschränkungen", sagt der Vorstandssprecher. Bei ihnen möchte er sich besonders bedanken, ausdrücklich auch bei der Stadt Riesa. Deshalb seien die wirtschaftlichen Folgen für den Verein noch nicht existenziell - zumindest, sofern ein Ende der Krise absehbar ist. 

"Uns geht es wie vielen Wirtschaftsunternehmen – hält der 'Lockdown' in der jetzigen Form noch lange an, können wir keinerlei Aussage über die endgültigen Auswirkungen treffen", sagt Sebastian Lohse. Sorge bereite vor allem, dass die Mitarbeiter die Auswirkungen aufgrund Kurzarbeit wirtschaftlich am eigenen Leib spüren.

Man wolle sowohl im Vorstand wie auch in den einzelnen Abteilungen des SC so schnell wie möglich Schritte organisieren, um den Sportbetrieb wieder aufnehmen zu können - sobald das möglich ist.

Neustart mit Einschränkungen

Laut der aktuellen Sächsischen Corona-Schutz-Verordnung müssen Sportstätten mindestens bis zum 3. Mai 2020 definitiv geschlossen bleiben. Sehr bedauerlich, findet Landessportbund-Präsident Ulrich Franzen. "Gerade in Anbetracht der aktuellen Einschränkungen wäre der gemeinschaftliche Sport für viele ein wichtiger Ausgleich." 

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Zum Thema Coronavirus im Landkreis Meißen berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog!

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