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Döbeln

„Schade um den Eichberg“

An Treffpunkten wie in ihrer eigenen Jugend mangelt es nach Ansicht von Melanie Doan. Auch dafür will sie sich stark machen.

Melanie Doan ist mit ihrem Sohn Anthony gern in der Natur unterwegs. Sollte sie in den Stadtrat gewählt werden, liegen ihr besonders soziale Belange am Herzen.
Melanie Doan ist mit ihrem Sohn Anthony gern in der Natur unterwegs. Sollte sie in den Stadtrat gewählt werden, liegen ihr besonders soziale Belange am Herzen. © Dietmar Thomas

Waldheim. Sie ist Altenpflegerin und sagt, sie lebt für ihren Beruf. Melanie Doan will sich aber auch für die Jugend und die Schwächeren in ihrer Heimatstadt einsetzen. „Soziale Themen liegen mir sehr am Herzen.“ 

Deshalb hat sie sich als Kandidatin für den Stadtrat aufstellen lassen – auf der Liste der Linken. „Ich bin parteilos, aber die Ziele der Linken kann ich am besten mit meinen eigenen Vorstellungen und mit meinem Leben vereinbaren“, sagt die 34-Jährige.

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Aufgewachsen ist Melanie Doan in Waldheim. Im Jahr 2006 kehrte sie der Zschopaustadt für acht Jahre den Rücken und zog nach München – mit sehr viel Wehmut, wie sie heute bekennt. „In München habe ich meine zweite Ausbildung zur Altenpflegerin gemacht“, sagt Melanie Doan. Der Beruf der Bürokauffrau, den sie vorher gelernt hatte, sagte ihr nicht zu. „Ich wollte mit Menschen zu tun haben.“

Von vornherein habe für sie und ihren aus Roßwein stammenden Lebenspartner festgestanden, dass sie wieder zurückkommen – nach Waldheim, in ihre Heimatstadt. „Unser Sohn Anthony sollte so wie wir hier aufwachsen. Daher war klar, dass wir spätestens zum Schuleingang von Anthony wieder in Waldheim sind“, berichtet Melanie Doan. Schließlich wurde es sogar schon drei Jahre früher.

Das bereut Melanie Doan nicht. „Wir waren so gut wie jedes Wochenende in Waldheim, haben uns immer wieder hierhergezogen gefühlt.“ Der Rückzug klappte im Jahr 2013 problemlos. „Ich habe hier sofort Arbeit, eine Wohnung und einen Kita-Platz für meinen Sohn gefunden.“

Zur Politik kam Melanie Doan über ihre Mutter. Die hatte vor fünf Jahren für die Linken kandidiert, schaffte es aber nicht in den Stadtrat. „Jetzt haben mich die Fraktionsmitglieder angesprochen, ob ich mir eine Mitarbeit vorstellen könnte. Auch wenn ich mich als Quereinsteigerin sehe, will ich sehr gerne etwas für Waldheim bewegen.“

Dabei denkt sie vor allen Dingen an die Jugend. Sie möchte erreichen, dass sich junge Leute so viel wie möglich an der Entwicklung ihrer Stadt beteiligen. „Ich denke selbst sehr gerne an meine Jugendzeit zurück. Wir hatten viele Punkte, an denen wir uns treffen konnten“, sagt die Waldheimerin. Daran mangelt es heute aus ihrer Sicht. 

Sie denkt dabei beispielsweise an den Eichberg. „Zu meiner Zeit war das ein beliebter Treffpunkt“, sagt sie. Besonders gern erinnert sie sich an die Eichbergfestivals. Heute sei die Bühne verwildert, die Wege oft zugewachsen. Das ärgert sie. In einer Unterstützung des Verschönerungsvereins, der sich unter anderem um die Pflege und Erhaltung von Wanderwegen und Plätzen kümmert, sieht sie Potenzial.

Nach Ansicht von Melanie Doan müsste auch zentrumsnah etwas für die Jugendlichen entstehen, wo sie Skatboard oder Inliner fahren können. „Es gibt so viele schöne Flächen, die zum Teil ungenutzt sind.“ Sie möchte anschieben, dass mithilfe von Sponsoren und Fördermitteln dort etwas für die Jugend entsteht – naturbelassen unter der Verwendung von viel Holz beispielsweise.

Dabei will sie die Jugendlichen mit ins Boot nehmen. „Sie sollen mithelfen und ihre Ideen einbringen. Ich denke, dass da sehr viel möglich ist“, sagt sie. Auch für die Schwächeren will sie sich im Stadtrat stark machen – Beschlüsse hinterfragen, Entscheidungen überdenken. Vorstellen könnte sie sich auch ein Zukunftsforum, das es in Roßwein bereits seit mehreren Jahren gibt. „Dort könnten Ideen gebündelt werden“, so Melanie Doan.

Ihre soziale Ader führt die 34-Jährige unter anderem auf die Erfahrungen in ihrem eigenen Leben zurück. „Mein Vater stammt aus Vietnam. Er kam 1982 als Gastarbeiter nach Deutschland und lernte hier meine Mutter kennen“, erzählt die hübsche dunkelhaarige Frau.

In ihrer Kindheit sei sie wegen ihres Aussehens oft beschimpft worden. Damals habe sie das gar nicht verstehen können. Heute sagt sie: „Ich bin daran gereift und stolz auf meine asiatischen Wurzeln.“ Ihr Vater sollte nach der Wende zurück nach Vietnam, entschied sich aber für seine Familie und blieb in Waldheim.

„Mittlerweile betreibt er seit 16 Jahren seinen eigenen Asia-Imbiss am Waldheimer Niedermarkt.“ Gern denkt sie an die Besuche in der Heimat ihres Vaters zurück. Das habe sie immer wieder „geerdet“, wie sie sagt. „Die Menschen sind bescheiden und dankbar für jede Kleinigkeit. Die Kinder freuen sich schon riesig über ein kleines Bonbon.“