merken
PLUS

Schädelbruch nach Schlägerei – wer ist schuld?

Zwei Sicherheitsmänner sollen in Sebnitz einen Mann schwerst verletzt haben. Das Verfahren endete überraschend.

© dpa

Von Yvonne Popp

Pirna/Sebnitz. An den 5. Mai 2016 kann sich Oliver J. kaum erinnern. Nur Bruchstücke hat er noch vor Augen. Er weiß aber, dass er nach einer Männertagstour den Abend mit Freunden auf dem „Wonnemond“-Festival in Sebnitz hatte ausklingen lassen wollen. Dort war es zu einem Zwischenfall gekommen, mit dessen Folgen der Bauunternehmer noch immer zu kämpfen hat. Nach einem Schlag ins Gesicht war er gestürzt und hatte sich schwerste Schädelverletzungen zugezogen. Seitdem leidet er an Epilepsie, hat Lähmungen im rechten Fuß, auch das Sprechen fällt ihm bis heute schwer.

Bauen und Wohnen
Wohnen Sie noch oder bauen Sie schon?
Wohnen Sie noch oder bauen Sie schon?

Hier finden Sie alles, was Sie fürs Sanieren, Renovieren oder Bauen Ihrer eigenen vier Wände brauchen.

Schuld daran soll Rico M. sein. Zusammen mit seinem Kollegen, Falk S., hatte er Oliver J. gegen 23 Uhr zum Ausgang des Festgeländes an der Tannertstraße in Sebnitz gebracht. Dort soll es dann zu einer körperlichen Auseinandersetzung zwischen ihm und dem Geschädigten gekommen sein. Ein Zeuge, der an dem Abend für den Veranstalter tätig war, sagte, dass es ein Geschubse gegeben habe. Von wem das ausgegangen war, hatte er nicht beobachtet. „Dann hörte ich, wie jemand umfiel“, schilderte der 30-Jährige. In dem Moment sei ihm auch klar gewesen, dass derjenige, der zu Boden gegangen war, nicht gleich wieder aufstehen würde. Das Geräusch des Aufschlags, so erklärte der Zeuge weiter, habe ihn schon vermuten lassen, dass sich der Mann verletzt haben muss.

Den folgenschweren Schlag räumte Rico M. zur Verhandlung am Amtsgericht Pirna ein. Allerdings, so ließ der 34-Jährige über seine Anwältin mitteilen, sei Oliver J. derjenige gewesen, der zuerst zugeschlagen hätte. Darüber hinaus machte der Deutsche keine weiteren Angaben. Ein kluger Schachzug, denn keine der Äußerungen von den zehn Zeugen stimmte mit einer anderen überein. Teilweise zeigten sich in den Aussagen vor Gericht sogar große Unterschiede zu den Angaben, die die Zeugen bei der Polizei gemacht hatten.

So wusste eine Frau, die am Tatabend ebenfalls im Eingangsbereich des Festivalgeländes tätig gewesen war, vor Gericht nichts mehr davon, dass sie damals noch während der Schlägerei eingegriffen hatte. Ein weiterer Zeuge hatte bei der Polizei behauptet, von alledem rein nichts mitbekommen zu haben, weil er just in diesem Moment die Kasse wegbringen musste. In Pirna aber sagte er: „Ich habe gesehen, wie da einer umkippt, kerzengerade.“

Bei all den Widersprüchen musste sogar die Staatsanwaltschaft zugeben, dass nicht zu widerlegen war, dass Rico M. in Notwehr gehandelt hatte, als er zurückschlug. Für M. bedeutete das Freispruch. Das Verfahren gegen seinen Kollegen, der einen anderen Festival-Besucher geschlagen haben soll, wurde gegen eine Geldauflage von 800 Euro eingestellt.