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Warum die Wälder in diesem Jahr noch mehr leiden werden

Im Landkreis könnte es die dreifache Menge Schadholz geben. Ein Schädling spielt dabei die Hauptrolle.

Noch immer liegt oder steht mehr als ein Drittel des von Borkenkäfern geschädigten Holzes aus dem vergangenen Jahr in den Wäldern. Schon bald könnte das Baumsterben seine Fortsetzung finden.
Noch immer liegt oder steht mehr als ein Drittel des von Borkenkäfern geschädigten Holzes aus dem vergangenen Jahr in den Wäldern. Schon bald könnte das Baumsterben seine Fortsetzung finden. © André Schulze

Schon im vergangenen Jahr schlugen die Forstfachleute die Hände über dem Kopf zusammen. Der Borkenkäfer hatte ganze Landstriche befallen und für Kahlschläge in den Wäldern gesorgt. Doch in diesem Jahr dürfte alles noch viel schlimmer werden.

Neue Borkenkäferplage nur eine Frage der Zeit

Die in den ersten Wochen eines neuen Jahres regelmäßig anstehende Winterbodensuche hat bisher keine auffälligen Werte hervorgebracht. So ist ab dem Frühjahr mit einer "normalen" Ausbreitung der üblichen Schädlinge zu rechnen. "Dies", betont Peter Wilde, "ist aber unser kleinstes Problem. Denn wir werden es wie in den beiden Vorjahren wieder verstärkt mit den rindenbrütenden Schadinsekten zu tun bekommen."

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Was der Sachgebietsleiter Waldschutz/Forstbetrieb des Landkreises meint, ist vor allem der Borkenkäfer. Verschiedene Arten des Insekts haben sich auf Fichten, Kiefern und Lärchen spezialisiert. Der bisherige Verlauf des Winters spiele dem Käfer in die Karten. "Wenn die Temperaturen mehrere Tage über 16,5 Grad Celsius liegen, legt er wieder richtig los."

Eine Million Festmeter Schadholz wird erwartet

So kommt es ganz entscheidend auf die Witterung in den nächsten Wochen an, um die Herbstpopulation 2019 noch einigermaßen auszudünnen. "Wir hoffen auf kalte, nasse Tage", so Wilde. Doch angesichts des Klimawandels und der Erfahrungen aus den vergangenen Jahren ist damit kaum zu rechnen.

Vielmehr dürfte ein Szenario eintreten, das es in diesem Umfang bisher noch nicht gab. Der Fachmann aus dem Landratsamt erläutert das anhand der Schadholzmengen. "In der Saison 2018/19 wurden im Landkreis Görlitz rund 90.000 Festmeter festgestellt. Seit Mai 2019 hat sich die Menge für die laufende Saison auf etwa 330.000 Festmeter erhöht. Das entspricht einer geschädigten Waldfläche von 1.000 Hektar." Was immerhin die Größe von 1.400 Fußballfeldern ist.

Nur 200.000 Festmeter davon konnten bisher aufgearbeitet werden. 130.000 Festmeter stehen oder liegen noch im Wald. "Aus diesen Erfahrungen  heraus müssen wir in der Saison 2020/21 mit der Verdreifachung des Schadholzaufkommens rechnen. Das wären dann rund eine Million Festmeter", beschreibt Wilde die ungünstigste Prognose.

Im Landkreis Bautzen ist die Situation nicht besser: 2017/18 verursachte der Käfer hier nur 3.000 Festmeter Schadholz, 2018/19 waren es dann 90.000 Festmeter und jetzt sind bis Ende des Jahres 225.000 Festmeter Fichten-Schadholz und 47.000 Festmeter Kiefern-Schadholz angefallen. Thomas Sobczyk vom Kreisforstamt Bautzen sagt: „Die Kiefernwälder sind komplett durchseucht. Das hatten wir so noch nicht.“

Schadholzabsatz könnte zum Erliegen kommen

Allerdings wird mit den zunehmenden Mengen auch die Vermarktung des Holzes immer schwieriger. Im Moment läuft der Abverkauf an die Sägewerke noch zu Niedrigpreisen. Sollte auch das zum Erliegen kommen, müssen die verbleibenden Stämme mit Pflanzenschutzmitteln behandelt werden, damit sie nicht zur Brutstätte für weitere Borkenkäfergenerationen werden.

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So frisst sich der Borkenkäfer durch den Wald. © Kreisforstamt

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