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Schäfer lässt Tiere verhungern

Aus der Sächsischen Schweiz floh der Mann vor den Behörden. Nun wurde er in Greifswald wieder auffällig.

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© Daniel Spittel

Von Sven Jeske

Sächsische Schweiz. Vor zwei Jahren hatte er noch sieben Restaurants in der Sächsischen Schweiz mit Lammfleisch beliefert. Jetzt wurde einem Schäfer behördlich untersagt, weiterhin Tiere zu halten. Denn bei Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern, wo er zuletzt Tiere hielt, sind Schafe verhungert. Der Fall erregte dort große Aufmerksamkeit. Auf einer Koppel unweit der Stadt Gützkow hatten am 28. Dezember Augenzeugen Schafe entdeckt, die offenbar tagelang nicht gefüttert und getränkt worden waren. Laut Polizeisprecher Axel Falkenberg lagen zwei Kadaver mit herausgerissenen Ohrmarken in einem Müllsack. Polizeibeamte hätten später zwei weitere Kadaver auf der Koppel gefunden. Ein weiteres Tier wurde von einem Beamten durch einen Schuss aus der Dienstwaffe „von seinem Todeskampf erlöst“, wie es hieß.

Die Sprecherin des Landkreises Vorpommern-Greifswald, Anke Radlof, sagte: „Erste Ergebnisse der pathologischen Untersuchungen der Kadaver beweisen, dass alle tot aufgefundenen Schafe verhungert sind. Alle waren hochgradig abgemagert und von Parasiten befallen.“

Dem Besitzer der Tiere, einem 52-jährigen Mann, der bis vor einiger Zeit noch seine Tiere an der Elbe hielt, war noch am Fundtag mündlich verboten worden, die augenscheinlich vernachlässigte, etwa 100 Tiere starke Herde weiter zu betreuen. Trotz dieser Auflage führte er sie in einer Nacht-und-Nebel-Aktion vom Fundort weg und hält sie seitdem vor den Behörden versteckt. Noch am 2. Januar hatten Beamte einige der gesuchten Schafe in einer Sandkuhle unweit des Gützkower Fährdamms ausfindig gemacht. Dort allerdings wurden sie am Tag darauf nicht mehr angetroffen.

Wo sich die etwa 100 Tiere derzeit befinden, wollte der umstrittene Schäfer nicht sagen. Stattdessen empörte er sich über die Vorgehensweise des Veterinäramtes und der Polizei. Die würden mit Kanonen auf Spatzen schießen. Er sei Schäfer seit 35 Jahren und habe seine Tiere nie vernachlässigt. Unter den bei Gützkow gesichteten Tieren seien auch sehr alte, die die nasskalte Witterung schlecht wegsteckten. Die zwei von Polizisten entdeckten Kadaver habe man in Plastiktüten verpackt, um sie bald darauf abzutransportieren. Von dem ihm mündlich erteilten Betreuungsverbot wollte der Mann zunächst nichts wissen. Seit Montag hat er es schriftlich.

Mit Herde verschwunden

Der erst vor einem Jahr in Vorpommern ansässig gewordene Schäfer ist kein unbeschriebenes Blatt. Auch in der Sächsischen Schweiz sorgte er offenbar für Ärger. Die Amtsleiterin für Verbraucherschutz im Landratsamt Pirna, Benita Plischke, erinnert sich gut: „Es gab bei uns zahlreiche tierseuchenrechtliche sowie tierschutzrechtliche Probleme mit diesem Tierhalter. Mehrere Verfügungen und auch ein Bußgeldverfahren sind hier gegen ihn anhängig. Auch wir hatten ihm damit gedroht, ihm seine Schafe wegzunehmen, wenn er unsere Auflagen nicht erfüllt.“

Dazu allerdings kam es laut Detlef Rohrmann, Vorsitzender des Sächsischen Schafzuchtverbands, nicht. „Es gab Anzeigen, weil er seinen Tieren kein Futter oder Wasser gegeben hatte. Jedes Mal, wenn man ihm dann drohte, lenkte er kurzfristig ein. Schließlich ist er verschwunden, von heute auf morgen, mit der ganzen Herde.“

Das Veterinäramt in Greifswald war übrigens gewarnt. „Wir hatten den Kollegen im Norden signalisiert, dass sie wohl Probleme mit ihm bekommen werden“, sagt Benita Plischke. In Vorpommern griffen die Behörden nun durch. Dem Schäfer wurden mehr als 200 seiner nach eigenen Angaben insgesamt gut 300 Tiere weggenommen.

Mitarbeiter des Kreisveterinäramtes und der Polizei überwachten die behördlich verfügte Aktion. Die Schafe, darunter auch Lämmer, weideten am vergangenen Dienstag im Schlosspark von Lüssow. Dort wurden sie in zwei Lkws und einen Anhänger verladen und zu einem anderen Schäfer gebracht, der die Tiere weiter betreuen wird. Wo, das ist nur der Behörde bekannt. Zuvor hatte der laut Zeugen sehr aufgebrachte Besitzer versucht, dazwischenzugehen. Polizisten erteilten ihm einen Platzverweis. (Ostseezeitung)