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Schätze neben neuer Gasleitung

Zwischen Mügeln und Leisnig hat Mitnetz Gas eine neue Hochdruckleitung verlegt. Entlang der Trasse wurden Archäologen fündig.

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© Volkhart Hirsekorn/LfÄ

Von Elke Görlitz

Mügeln/Leisnig. Werden neue Leitungen unter der Erde durchs Land gezogen, dann ist das für die Fachleute des Sächsischen Landesamtes für Archäologie eine gute Gelegenheit, im Erdreich nach Spuren unserer Vorfahren zu suchen. „Zwei Experten aus unserem Haus haben das Verlegen der Gasleitung von Mügeln nach Leisnig begleitet und sie sind fündig geworden“, sagt Dr. Christoph Heiermann vom Landesamt.

Vor allem haben die Archäologen Erhebungen in Flussnähe im Blick. „Denn es ist typisch, dass Siedlungen auf solchen Hügeln lagen, weil diese hochwassersicher sind“, so Heiermann. Zwei größere Fundstellen haben die Archäologen auf diese Weise aufgespürt. „Dabei handelt es sich um Siedlungsgruben, Reste von Häusern wurden nicht gefunden“, so Referatsleiter Christoph Heiermann.

Eine dieser Fundstellen liegt bei Zävertitz. Dort sind die Archäologen auf Siedlungsreste aus der Jungsteinzeit gestoßen. Dabei handele es laut Heiermann um keramische Scherben und um Feuersteinklingen, die zum Schlagen und Schneiden benutzt worden sind.

Auf einer ähnlichen Spornlage bei Wollsdorf machten die Archäologen einen ganz besonderen Fund: zwei, zwar zerscherbte, aber fast komplett erhaltene Gefäße der sogenannten Michelsberger Kultur, die räumlich weiter westlich angesiedelt war. Die Michelsberger Kultur ist nach einem Fundort in Baden-Württemberg nahe Bruchsal benannt. „Bedeutsam sind diese in Sachsen seltenen Funde, weil sie darauf hinweisen, dass die Siedler in der mittelneolithischen Phase vor etwa 6 000 Jahren Handel getrieben haben. Die Gefäße könnte man also als Importartikel bezeichnen“, sagt Dr. Christoph Heiermann. Fundschwerpunkte liegen eigentlich in Frankreich, im Rheinland und in Nordrhein-Westfalen. Die Funde deuten daraufhin, dass die Menschen sesshaft wurden.

Fachleute bezeichneten die Phase des Übergangs vom Aneignen der Nahrung durch Jagen und Sammeln zur Nahrungsproduktion als neolithische Revolution, so Heiermann, „weil die Menschen ihrer Nahrung nicht mehr hinterherzogen, sondern sesshaft geworden sind“. Nachweise dieser frühen Bauernkultur seien auf die Zeit vor 7 500 Jahren zu datieren. Besonders viele dieser Hinweise gebe es zum Beispiel im südlichen Leipziger Tagebaugebiet, wo sich größere Siedlungen befanden.

Entlang der neuen Gasleitung sind die Archäologen auch auf bronzezeitliche Funde gestoßen, die Menschen im 3. Jahrtausend v. Chr. dort hinterließen. Dabei handelt es sich laut Heiermann um kleinste Scherbenfragmente, die in einer Grube gefunden wurden.

Neue Leitung verlegt

Schließlich haben die Archäologen den Tiefbauern wieder das Feld überlassen. Denn für etwa 5 200 Haushalte und Geschäftskunden der Mitgas im Raum Oschatz-Leisnig-Mügeln soll sich die Gasversorgung weiter verbessern. Die Mitteldeutsche Netzgesellschaft Gas (Mitnetz Gas), eine Mitgas-Tochter, bindet eine 8,2  Kilometer lange Hochdruckleitung zwischen Mügeln-Zävertitz und Leisnig in ihr Hochdrucknetz ein. Das teilte Unternehmenssprecherin Cornelia Sommerfeld mit. Nach ihren Angaben hat die Trasse einen Durchmesser von 200 Millimetern bei einer Druckstufe von 16 bar. Zum Vergleich: Ein Autoreifen hat etwas mehr als 3 bar Druck und es pfeift ordentlich, wenn man das Ventil löst. „Die neue Leitung schließt sich an eine 14 Kilometer lange Hochdruckleitung an, die Mitnetz Gas bereits 2014 zwischen Mügeln-Zävertitz und Oschatz-Lonnewitz gebaut hat“, so Sommerfeld.

Teil der Baumaßnahme sei die grabenlose Querung der Autobahn A 14 zwischen den Anschlussstellen Leisnig und Döbeln Nord in Höhe von Gallschütz gewesen.