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Das Drama um die Eibauer Schafe

Wiederholt musste die Bundespolizei Tiere von den Bahngleisen treiben. Die Geschichte der ausgebüxten Wolleträger ist eine traurige.

Zweimal innerhalb weniger Wochen musste die Bundespolizei in Eibau Schafe von den Gleisen holen. Die Gemeinde beschäftigen die Tiere schon länger.
Zweimal innerhalb weniger Wochen musste die Bundespolizei in Eibau Schafe von den Gleisen holen. Die Gemeinde beschäftigen die Tiere schon länger. © Bundespolizei

Schafe auf den Gleisen bei Eibau - so lautete die Meldung vor wenigen Tagen. Die Bundespolizei, die für die Sicherheit an Bahnanlagen zuständig ist, fand etwa 20 Schafe vor und trieb sie weg von den Gleisen. Bereits wenige Wochen zuvor, am 28. Februar war ein Dutzend freilaufender Schafe an der Bahnstrecke bei Eibau unterwegs gewesen. Die Bundespolizei scheuchte auch da die Tiere von den Schienen weg und meldete den Vorfall dem Kreisveterinäramt.

Beinahe möchte man schmunzeln, wenn man sich die Uniformierten vorstellt, die Schafe von den Gleisen treiben. Doch es ist kein Spaß. Denn die Tiere stammen offenbar immer von demselben Hof. Und dort geht es ihnen nicht gut, sagt Bürgermeister Michael Görke (parteilos). Die Probleme, dass sie abhauen und auf Straßen oder Schienen unterwegs sind, gebe es seit Jahren. Der Tierhalter wird nun erneut aufgesucht und auf seine Halterpflichten hingewiesen, ließ die Bundespolizei zum aktuellsten Vorfall wissen. 

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Seit Jahren Probleme

Auf die Pflichten hinweisen - das wird wohl nicht ausreichen, sagt hingegen Bürgermeister Görke. Er hat in seinem Gemeindeamt schon eine ganze Akte mit allerhand Schriftverkehr zu den Tieren beziehungsweise ihrem Halter. "Seit 2006 geht der ganze Ärger", erzählt er.

Jedenfalls gibt es seitdem Schriftverkehr darüber. Meldungen von Anwohnern, Schriftverkehr mit dem Landratsamt, Schreiben der Polizei finden sich in dem rund 50 Seiten dicken Ordner, den die Mitarbeiter im Ordnungsamt angelegt haben. Laut den Unterlagen war im Winter 2006 erstmals beim Veterinäramt gemeldet worden, dass es Beschwerden zur Haltung von Schafen auf dem betreffenden Hof gibt.

Die Tiere stünden bei Minusgraden im Schnee, hätten nichts zu fressen, so die Vorwürfe von Eibauer Bürgern damals. Eine Notiz in den Akten besagt, dass das Veterinäramt vor Ort geprüft habe, aber keine Verstöße gegen das Tierschutzgesetz feststellen konnte. Auch in den Folgejahren ist das der Fall gewesen: Es gab Prüfungen, die aber nichts ergeben haben. 

Für den Bürgermeister, Nachbarn und Einwohner ist das unverständlich. "Es ist fürchterlich", erzählt eine Frau, die in der Umgebung wohnt. "Die Schafe brüllen den ganzen Tag." Sie hätten wohl Hunger, stünden auch im Sommer bei größter Hitze ohne Unterstand draußen in der Sonne und hätten dann oft auch kein Wasser. Beinahe muss die Frau weinen, als sie über die Zustände spricht.

"Das geht an die Psyche. Wenn man sich nicht um die Tiere kümmert, wozu hält man dann welche?" Die Antwort, die nur der Besitzer geben könnte, bleibt der Mann schuldig. Er ist für die SZ trotz mehrmaliger Versuche nicht für ein Gespräch anzutreffen. 

Anwohner wenden sich regelmäßig hilfesuchend an die Gemeinde. Die Schafe trampeln in den Gärten herum, richten Schäden an, fressen Pflanzen ab. Mancher hat Angst um Kinder und Enkel, wenn sie im Garten spielen. Und immer wieder laufen die Tiere auch auf die Straße - sogar die vielbefahrene B96 - und werden zur Gefahr für den Verkehr. Diese ganzen Vorfälle hat die Gemeinde gesammelt, notiert und abgeheftet. Seit bald 15 Jahren. 

Sie seien nicht richtig eingezäunt, geht aus der Einschätzung des Bürgerpolizisten hervor. Deshalb könnten sie teilweise ungehindert vom Grundstück marschieren. Mitunter seien sie auch angepflockt, würden sich aber häufiger losreißen und mitsamt Kette und Pflock losspazieren.

Gemeinde sammelt Schafe ein

Für das Landratsamt ist der Fall klar: Geht von den Tieren eine Gefahr aus, müsse die Gemeinde mit ihrer Polizeiverordnung eingreifen, teilt die Behörde in Görlitz auf Nachfrage mit. "Das machen wir ja", entgegnet Bürgermeister Görke. Mit gewisser Regelmäßigkeit würden die Gemeindemitarbeiter ausrücken, um die Schafe zum Beispiel von der Straße zu holen.

"Die Bauhofleute sind auch schon losgefahren und haben die Tiere mit dem Transporter eingesammelt", schildert der Bürgermeister. Auch das ist dokumentiert in der Schafe-Akte. Die Gemeinde hat den Mann sogar darauf hingewiesen, dass er doch Fördermittel beantragen könnte für einen richtigen Zaun - zum Schutz vor dem Wolf. 

Doch für das andere Problem, so Görke, ist das Landratsamt sehr wohl zuständig: Wenn es um die Gesundheit der Tiere und die Haltungsbedingungen geht. Beim Veterinäramt ist der Halter der Schafe auch bekannt. Aus einem simplen Grund: Jeder, der Nutztiere besitzt, müsse die Haltung beim Amt anmelden, erklärt Franziska Glaubitz von der Pressestelle des Landkreises auf Nachfrage. Es gebe regelmäßige Kontrollen - bei allen Tierhaltern. Dass der Mann auch schon unter Beobachtung des Amtes stand, lässt sich aus der Antwort der Kreisbehörde ebenfalls ableiten. Warum konkret und was unternommen wurde, dazu will das Veterinäramt keine Auskunft geben. 

Amt prüft vor Ort

Generell, so lässt die Behörde wissen, müsse schon viel passieren, bis das Amt ein Tier seinem  Halter wegnimmt. Denn das sei ein erheblicher Eingriff in die Privatrechte des Betroffenen. Dieser Schritt sei das allerletzte Mittel und dürfe nur dann angewendet werden, "wenn Gefahr für Leib und Leben der Tiere durch die Haltungsbedingungen besteht", teilt das Landratsamt mit. Das sei zum Beispiel dann der Fall, wenn die Tiere keine lebensnotwendige medizinische Versorgung erhalten oder wenn Wasser und Futter fehlen. Genau das aber hatten Einwohner ja immer wieder bemängelt und gemeldet.  

Gibt es Hinweise auf schlechte Haltungsbedingungen, würden diese in einem unangekündigten Termin vor Ort überprüft, erklärt die Kreissprecherin das Prozedere. Wenn es soweit kommt, dass das Veterinäramt Tiere wegnimmt, könnten die sogar im Schlachthof landen. Zumindest bei Nutztieren - wie es Schafe sind - sei das eine Möglichkeit, heißt es vom Landratsamt.

Auch ein Tierheim wäre aber eine Option. "Ziel ist jedoch vorrangig immer, den Tierhalter zur Einsicht und damit zur gesetzeskonformen Herstellung der Haltungsbedingungen zu bewegen", so Franziska Glaubitz vom Landratsamt. 

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