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Schafe werden nackig gemacht

Schüler der Regenbogenschule Döbeln haben dem Scherer zugeschaut. Sie verarbeiten ein Fell im Unterricht.

Von Tina Soltysiak

Mit geübtem Griff bedient Schäfer Christian Münch die Handmaschine und befreit die Moor- und Heidschnucken in Klosterbuch von ihrem Fell. Einige Schafe zeigen sich bockig, schlagen mit den Hufen nach ihm. Interessiert beobachten die Schüler der Regenschule Döbeln diese schweißtreibende Arbeit aus gebührendem Abstand.

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Die Jugendlichen haben einen Ausflug zum Archehof unternommen. Im Unterricht beschäftigen sie sich bereits seit geraumer Zeit mit dem Thema Wolle. Und zwar in der Theorie und in der Praxis. „Seit einem Jahr gibt es ein Woll-Projekt an unserer Schule“, erzählt die Lehrerin für Musik und Textil Ina Hedrich. Dabei lernen die Schüler den Werdegang der Wolle von der Schur bis zum Endprodukt. Deshalb haben sie gestern auch eines der Felle mitgenommen. „Das wird gezupft, gewaschen und anschließend weiterverarbeitet“, erzählt die Pädagogin. Dabei können die Kinder kreativ werden. Chris ist in der Färbegruppe. „Wir rühren Farbe an, gelb, grün, blau, rot, orange und färben damit die Felle“, sagt der 16-Jährige. Dafür wird noch Farbpulver verwendet. „Die Kinder müssen beim Abwiegen auch Mathematik anwenden, sodass der Werkstufenunterricht mehrere Fächer miteinander verbindet“, erklärt Ina Hedrich. Werkunterricht wird dabei ebenso einbezogen. Dort wurden Webrahmen und Handspindeln angefertigt. Die Wolle wird bis zum letzten Büschel verarbeitet. Es sind schon Handytaschen entstanden. Aus dem neuen Schaffell soll ein großer Wandbehang entstehen. Jürgen Pohl, der Besitzer des Archehofes, dem auch die 37 Schafe gehören, die gestern geschoren wurden, hat zum ersten Mal eine Klasse dabei zuschauen lassen. „Es ist wichtig den Jugendlichen zu zeigen, wie Landwirtschaft funktioniert“, sagt er. Schließlich ist die Schäferei eines der ältesten Gewerbe der Welt.

Schafscherer Münch ist selbst Schäfer und arbeitet seit rund vier Jahren mit Pohl zusammen. Pro Tier benötigt er zwischen vier und fünf Minuten, um das Winterfell zu entfernen. „Ich habe Routine, schere seit etwa zehn Jahren“, sagt er.

Chris und seine Klassenkameraden sind fasziniert von dem Treiben auf dem Hof. „Ich würde hier gern Praktikum machen“, sagt Chris. Er mag Tiere gern, will sie füttern und mit Hund Franko Gassi gehen.