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Schalter an für die Kultur

Aus der Industriebrache Kraftwerk Mitte soll ein Kulturzentrum werden. Erste Umbauarbeiten haben begonnen.

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© André Wirsig

Von Bettina Klemm (Text) und André Wirsig (Fotos)

Die historische Schaltwarte im Kraftwerk Mitte war einst das Herz der gesamten Anlage. Von hier aus steuerten die Mitarbeiter Kraftwerke und Stromnetze in der Stadt. Vor fast 20 Jahren legten sie den letzten Schalter um auf Stillstand. Doch nun steht die Schaltwarte als Symbol für den Neuanfang.

Die historische Schaltwarte.
Die historische Schaltwarte. © André Wirsig

Für fast 100 Millionen Euro sollen in dem früheren Kraftwerk Spielstätten für die Staatsoperette und das Theater Junge Generation entstehen. In den nächsten Tagen soll die Baufirma Züblin die Aufträge dafür erhalten. Ins Kraftwerk sind aber bereits die Bauleute eingezogen. Der Eigentümer Drewag lässt Teile des einstigen Schalthauses umbauen. „Wir investieren derzeit 2,5 Millionen Euro. Anfang nächsten Jahres können die ersten Mieter einziehen“, sagt Ray Kröwing. Er ist als Gruppenleiter für die Liegenschaften der Drewag zuständig und führt die Sächsische Zeitung durch das Kraftwerk. In dem Gebäude gibt es große Räume. Vielleicht zieht dort in Kürze der Jazzclub Tonne ein. Konkrete Verhandlungen dazu laufen zumindest.

Um den Industriebau auch für Büros nutzen zu können, ist im Inneren des Gebäudes ein Lichthof entstanden. Erste Interessenten aus dem Bereich Kreativwirtschaft gebe es bereits. Drewag Geschäftsführer Reiner Zieschank schränkt allerdings ein, dass es aufgrund der hohen Investitionen nötig ist, die Räume für eine Kaltmiete von mindestens acht Euro pro Quadratmeter zu vermieten. Jetzt werde mit Firmen aus den Branchen Film, Kunst, Grafik und Medien gesprochen.

Im nächsten Jahr könnten die Arbeiten im anschließenden Gebäudeteil beginnen. „Wir werden dafür etwa eineinhalb Jahre benötigen und zwei Millionen Euro aufwenden“, sagt Kröwing. Auch diese Flächen sind für die Kreativwirtschaft vorgesehen. In dem Gebäude wird es einen Durchbruch geben, sodass eine Passage zum künftigen Theaterboulevard entsteht. Das ursprüngliche Konzept sah vor, das Gebäude parallel zur Maschinenhalle in das Theaterprojekt einzubeziehen. Das wurde jedoch aus Kostengründen verworfen. Für die anderen Abschnitte des früheren Umspannwerkes sucht die Drewag noch Nutzer. Die historische Schaltwarte soll möglichst im Original erhalten bleiben.

Weil die Drewag nicht in der Lage ist, das gesamte Kraftwerksgelände mit eigenen Mitteln zu entwickeln, sucht sie Unterstützer. Mehrere Gebäude möchte sie an Investoren verkaufen, die den Umbau selbst regeln. Neben Kultur und Kunst sollten Bildungs- und Wissenschaftseinrichtungen einziehen. Im Wohnhaus an der Ehrlichstraße gibt es seit Kurzem eine Galerie und einen Infopoint. Dort berichten Drewag, Stesad und Stadt über den aktuellen Stand.

Kultur hat auf der Industriebrache längst Einzug gehalten. So schuf die Drewag selbst ein Energiemuseum. Das einstige Bahnwerk an der Schweriner Straße wird als Veranstaltungsort genutzt. Kröwing könnte sich gut vorstellen, dass ein Käufer das benachbarte Gebäude für Ausstellungen nutzt. Der Immobilienfachmann geht allerdings davon aus, dass es vielleicht ein Jahrzehnt dauern könnte, bis das gesamte Kraftwerksgelände eine neue Nutzung erfährt. Deutlich schneller könnte die einstige Fabrikantenvilla am Wettiner Platz als Kindergarten genutzt werden.

Das Reaktanzenhaus daneben steht zum Verkauf. Dort könnten Händler und Gewerbetreibende eine 700 Quadratmeter große Fläche nutzen. Am gegenüberliegenden Grundstücksende befindet sich das frühere Sozialgebäude. Jede der drei Etagen ist etwa hundert Quadratmeter groß. Auf Visualisierungen wird das Gebäude bereits als Restaurant dargestellt. Der Anbau soll abgerissen werden. In der Ecke des Grundstücks, hinter dem künftigen Theaterneubau, ist ein Neubau geplant.