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Schandmäuler auf Burg Oybin

Deutschlands bekannteste Folk-Rock-Band hat ihr neuestes Musikvideo im Gebirge gedreht. Und: sie kommen wieder.

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Von Sophie Herwig

In den romantischen Ruinen von Burg und Kloster Oybin donnern Mittelalterklänge durch die massiven Mauern. Rauch wabert über den Bergfriedhof. Und mittendrin die Band Schandmaul auf Videodreh für die erste Singleauskopplung des neuen Albums. Perfekt geeignet ist sie, die Kulisse der Burg- und Klosterruine Oybin. Für eine Band, die mittelalterliche Instrumente für moderne Rockmusik nutzt und darauf märchenhafte Texte singt. „Unendlich“ heißt die neue Platte der Münchner Formation um Thomas Lindner. Auch die Band ist unendlich erfolgreich. Sie ist in der Welt des Folk-Rock so populär wie eine große Samstagabend-Show im Fernsehen. Seit Januar ist das neue Album auf dem Markt und erreichte bereits Platz zwei der deutschen Album-Charts. Der Mix ist bunt: Folk, Rock und Mittelalterklänge. Erstmals ist mit „Bunt und nicht braun“ auch eine eindeutige politische Botschaft der Gruppe auf dem Album zu finden. Schandmaul schrieb diesen Song, um mit einigen rechtsextremen Vorurteilen über sich aufzuräumen.

Die erste Single „Euch zum Geleit“ wurde vorab ausgekoppelt und im November 2013 auf Burg und Kloster Oybin verfilmt. Das Lied handelt vom Abschied nehmen, schönen Erinnerungen an geliebte Menschen und beruht gleichzeitig auf einem wahren Erlebnis. Gitarrist Martin Duckstein beschreibt darin die Beerdigung einer alten Freundin. Sie hatte vor ihrem Tod verfügt, dass der Pfarrer während des Begräbnisses einen Brief von ihr vorlesen sollte. „Macht euch keinen Kopf, weint nicht, das Leben ist schön“ hatte sie geschrieben.

Und schön ist auch die Kulisse zum Videodreh. „Es sollte etwas besonderes sein, das ein wenig die Unendlichkeit symbolisiert“, sagt Martin Duckstein. „Die alte Kirche des Klosters mit dem freien Blick nach oben in die Wolken war perfekt.“ Live und in echt habe die Münchner die Kulisse noch viel mehr beeindruckt.

Man erkennt sie wieder, die bekannten Felsformationen, rund um die Ruinen des Klosters, zwischen denen im Musikvideo zu „Euch zum Geleit“ Männer mit langen Haaren und Frauen in Samtkleidern auf ihren Instrumenten spielen. Wie in Caspar David Friedrichs Gemälde vom Wanderer über dem Nebelmeer, steht Thomas Lindner im Video auf den Felsen des Oybins und schaut über das Zittauer Gebirge. Tatsächlich hätten viele Fans nachgefragt, wo das Video gedreht wurde oder Oybin direkt erkannt, erzählt Martin Duckstein. Neben den Drehtagen im Zittauer Gebirge, wurde auch in der Sächsischen Schweiz gedreht. Schandmaul würde gern wiederkommen, sagt die Band. „Wir haben schon beschlossen, hier einmal Familienurlaub zu machen, um mehr Zeit für die Landschaft zu haben“, schwärmt Martin Duckstein.

Als sich die Band 1998 in der Nähe von München gründete, brauchten alle sechs Bandmusiker noch „seriöse“ Berufe fürs Überleben. Inzwischen füllt Schandmaul locker große Konzertsäle, wie den im Alten Schlachthof in Dresden. Zum Beispiel auch wieder am Donnerstag, dem 3. April. Im SZ-Treffpunkt gibt es dafür schon jetzt für 36 Euro Karten im Vorverkauf.

Link zum Musikvideo: sz-link.de/Schandmaul