merken
PLUS

Scharfe Messer gegen schmutzige Wäsche

Das traditionelle Handwerk hat schon lange keinen goldenen Boden mehr. Zumindest nicht in unserem Gebiet. SZ machte sich auf die Spur und fragte nach, wie es dem Schleiferhandwerk derzeit ergeht.Wenn Horst Lippke einmal hinter seiner Schleifmaschine sitzt, dann dauert das schon eine ganze Weile.

Von Ines Haupt

Das traditionelle Handwerk hat schon lange keinen goldenen Boden mehr. Zumindest nicht in unserem Gebiet. SZ machte sich auf die Spur und fragte nach, wie es dem Schleiferhandwerk derzeit ergeht.
Wenn Horst Lippke einmal hinter seiner Schleifmaschine sitzt, dann dauert das schon eine ganze Weile. Der Rentner ist mit seinen 76 Jahren der vermutlich älteste Schleifer aus der Region.
Bereits sein Urgroßvater fing im Oktober 1875 als Schleifermeister in Löbau an. Und auch der Opa von Horst Lippke war in der Branche tätig. Zunächst betrieb Opa Herrmann Seibt in Hochkirch seine Schleiferei und Siebmacherei, bis er sich dann in Löbau auf der Inneren Bautzener Straße niederließ. Das war in den 20er Jahren. Und Horst Lippke konnte sich damals schon für das älteste Handwerk, das aus der Bronzezeit stammt, begeistern. "Ich kenne das ja nun schon aus meiner Kindheit", sagt er. Und so kam es dann auch, dass der Ebersbacher 1939 den Beruf des Schleifers erlernte. Zehn Jahre später legte Horst Lippke schließlich noch seine Meisterprüfung ab, "denn das war damals die Grundbedingung, um überhaupt ins Gewerbe einsteigen zu können", pflichtet er bei.
Die ersten Jahre arbeitete der Schleifermeister in Bischofswerda. Erst 1956 kam er nach Löbau, denn er wollte das großväterliche Geschäft nicht in fremde Hände geben. Getreu der Tradition arbeitete er schließlich in Löbau auf der Bahnhofstraße in seiner Schleiferei. "Der Anfang war keinesfalls leicht", erinnert er sich. "Es gab weder gute Maschinen zu kaufen, noch viele Aufträge. Das entwickelte sich erst so nach und nach", so Horst Lippke. Über lange Zeit beschäftigte er einen Gesellen in der Schleiferwerkstatt. Doch das war noch in den Jahren vor der Wende, als es beim Schleifermeister noch viel zu tun gab. So schärften die beiden in einer Woche um die 300 Messer und Scheren jeglicher Art. Vor allem für größere Firmen war die Firma tätig. Ob Rasiermesser, medizinische Skalpelle, Gartenscheren oder die ganz normalen Küchenmesser, der Bedarf an scharfen Geräten war früher noch enorm. Während es für den Schleifer nach der Wende lange Zeit wenig zu tun gab - etwa 30 Schleifteile pro Woche - wächst die Nachfrage nun langsam wieder an. Manchmal sitzt Horst Lippke den ganzen Tag in der Werkstatt. Mitunter auch zum Ärger seiner Frau, denn sie kann sich über die schmutzige Wäsche gar nicht freuen. Umso mehr Freude hat sie dagegen mit den scharfen Messern im eigenen Haushalt.
Wenn der Rentner sich an die Zeiten vor der Wende erinnert, da schliff er meistens bis weit in die Nacht hinein. Denn die Scheren und Messer mussten damals schon binnen kurzer Zeit wieder scharf sein. Jetzt ist die Schleiferei für ihn mehr zum Hobby geworden. Was jedoch nach Horst Lippke aus dem Betrieb werden wird, weiß keiner genau. In seiner Familie hat er keine Nachfolger für dieses Handwerk. In diesem Jahr feiert er bereits eine 125-jährige Tradition. Und das macht den Meister doch schon einwenig stolz.
Für seine Arbeit hat Horst Lippke zehn verschiedene Schleif- und Poliermaschinen in seiner Werkstatt stehen. Die meisten stammen noch aus der Zeit um 1900. So benötigt er für die kleinen Taschenmesser Schleifscheiben, die 30 Millimeter breit sind. Seine größte Scheibe misst 600 Millimeter, und die braucht Horst Lippke um Säbel zu schärfen. Doch die meiste Arbeit hat er jetzt mit Scheren, Küchen- und Fleischermessern. Darauf legen die Kunden, die meist auch ältere Leute sind, den größten Wert. In seinem Geschäft nimmt er nicht nur Schleifarbeiten an. Er verkauft auch hochwertige Messer und Scheren, die für Qualität stehen.

Anzeige
Digitaler Infotag an der BA Riesa & Leipzig
Digitaler Infotag an der BA Riesa & Leipzig

Die Berufsakademie (BA) Sachsen in Riesa und Leipzig lädt Studieninteressierte am 13. März 2021 zum digitalen Tag der offenen Tür mit Praxispartnern ein.