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Scharfenberg schützt seinen Ortskern

Eine Satzung soll das Antlitz des Ortes bewahren helfen. Wie, wollte die SZ von Ortsvorsteher Manfried Eisbein wissen.

© hübschmann

Das Ortsbild schützen. Mit diesem Anspruch hat der Ortschaftsrat in Scharfenberg nun eine Gestaltungssatzung auf den Weg gebracht. Unter den Bewohnern des Klipphausener Ortsteils ist sie nicht unumstritten. Ende vorigen Jahres wurden 150 Unterschriften gegen dieses Vorhaben gesammelt. Daraufhin wurde das Papier überarbeitet. Über die Satzung in der nun vorliegenden Form sprach SZ mit Ortsvorsteher Manfried Eisbein.

Herr Eisbein, müssen die Scharfenberger mit amtlichen Aufforderungen zum Abriss rechnen?

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Aber nein! Schon gar nicht wegen der Gestaltungssatzung, die wir als Ortschaftsrat nun dem Technischen Ausschuss zur Entscheidung vorlegen. Darin geht es um den Schutz von Ortsteilen mit sensibler Bebauung, vor allem den historischen Ortskern von Scharfenberg. An Neubaustandorten wie den drei im Flächennutzungsplan vorgesehenen Standorten zur Bebauung mit Eigenheimen ist die Satzung kein Thema,

Was genau wollen Sie schützen?

Es geht um das Ortsbild, dessen charakteristische Erscheinung erhalten bleiben soll. Deshalb soll die Gestaltungssatzung in den historisch gewachsenen Siedlungskernen die Baukultur bewahren helfen. Die Satzung grenzt das räumlich sehr genau ab. Sie soll nur für den Ortskern von Scharfenberg gelten. Das Gebiet reicht im Nordosten bis an den Elberadweg. Im Süden wird es durch den Pinnenweg und die Bergwerkstraße am Ortseingang begrenzt. Im Westen des Ortsteils erstreckt sich das Satzungsgebiet bis zum Reppnitzer Rittergut.

Was regelt die Satzung?

Wenn in diesem Gebiet Erneuerungen anstehen – etwa bei Modernisierungen oder neuen Bauvorhaben nach dem Abriss von Nebengebäuden –, sollen Bauherren regional typische Bauweisen anwenden. Damit ist die Kubatur und Gliederung der Baukörper, die Form der Fenster oder Dächer sowie das Verwenden bestimmter Baumaterialien gemeint.

Was ist demnach nicht zulässig?

Zum Beispiel grelle Fassadenfarben die nicht in warmen Erdfarben erscheinen oder glasierte blaue Dachziegel. Sinn der Satzung – der ersten dieser Art in der Gemeinde – ist es, dass die gestalterischen Ansprüche in die Bauplanung einfließen, auch um Auseinandersetzungen nach dem Ende der Bauarbeiten zu vermeiden. Wenn der Technische Ausschuss des Gemeinderates die Satzung in der kommenden Woche beschließt, wird sie in Scharfenberg Bestandteil des Genehmigungsverfahrens bei Bauvorhaben.

Nun sind die Geschmäcker verschieden. Was sagen Sie Bauherren, die bei ihrem Vorhaben eine besondere, individuelle Note geltend machen wollen?

Letztlich erfreuen sich Orte wie Scharfenberg oder das benachbarte Naustadt gerade wegen ihres typischen Antlitzes großer Beliebtheit und Anziehungskraft. Dieses Antlitz behutsam zu bewahren und nicht der Beliebigkeit preiszugeben, darin sehe ich auch einen Beitrag, um Heimatgefühl herauszubilden. Ich vergleiche das mit dem guten Service aus echtem Meissener Porzellan. Das versuche ich doch auch zu bewahren, und in seinen Bestandteilen vollständig zu erhalten.

Und wenn man sich nicht einig wird?

Das letzte Wort hat der Gemeinderat. Mit der Satzung bekommt er ein Instrument in die Hand, mit dessen Hilfe er entscheiden kann. Der Bauherr kann dagegen natürlich Klage vor dem Verwaltungsgericht erheben. Aber darum geht es doch nicht – der Sinn der Gestaltungssatzung liegt darin, Bauherren frühzeitig zu beraten. Im Übrigen sieht die Satzung auch Ausnahmen vor, wenn sie als architektonische Sonderlösungen in ihrer Qualität überzeugen. Diese müssen aber beantragt und genehmigt werden.

Viele Bauherren müssen auf die Kosten schauen – und entscheiden sich für Baumarkt-Lösungen, zum Beispiel bei Fenstern und Türen.

Das berücksichtigt die Satzung. So besteht sie nicht mehr ausschließlich auf Fenster mit Holzrahmen, außer in Fachwerkhäusern. Und wir haben Vorschläge aus der Bürgerschaft in die nun vorliegende Fassung aufgenommen. Demnach sind beispielsweise Türen und Tore in Holzbauweise empfohlen, wenn nicht funktionale Gründe wie bei Rolltoren dagegen sprechen.

Was sagt die Satzung zu den Satellitenantennen?

Das sind technische Anlagen, die in der Erscheinung eines Gebäudes nicht dominant wirken sollen. Im Übrigen bin ich davon überzeugt, dass Satellitenschüsseln eine Episode sind, so dass die weitere Entwicklung der Technik sie und ihren Anblick überflüssig werden lässt.

Gespräch Harald Daßler