SZ +
Merken

Schattenspiele in Königstein

Die Künstlerin Franziska Leonhardi und ihre Gruppe machen mit einem Silhouetten- Theater Musik für Gehörlose sichtbar.

Teilen
Folgen

Von Katja Schlenker

Zahlreiche Legenden ranken sich um das Leben des historischen Nikolaus, welcher in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts als Bischof von Myra im kleinasiatischen Lykien wirkte. Myra heißt heute Demre und ist ein kleiner Ort etwa 100 Kilometer südwestlich von Antalya, das in der heutigen Türkei liegt. Und auch Franziska Leonhardi, ihr Bruder Jonas und dessen bester Freund Thomas Schmidt entdecken zusammen mit Mathematik-Professor Stefan Schmidt, seine Geschichte für sich heute wieder. Letzteren lernten sie bei einer Ausstellung in der Dresdner Städtischen Galerie kennen.

Die Nikolaus-Geschichte erzählen sie mit Hilfe eines Silhouetten-Theaters, das Franziska Leonhardi selbst entworfen hat. Der Holzkasten, welcher die Bühne einrahmt, ist von allen Seiten bespielbar und wird durch eine transparente Wand geteilt. Auf diese werden Filme projiziert, die im Hintergrund mitlaufen. „Das Besondere dabei ist, dass das Stück in Gebärdensprache bzw. -poesie gesetzt ist und wir selbst nicht sprechen“, erklärt Franziska Leonhardi.

Ein Jahr durch Amerika gereist

Das ist der Gruppe rund um die bildende Künstlerin sehr wichtig. „Wir möchten Musik für Gehörlose visualisieren“, sagt die 30-Jährige. „Und über Bilder kommunizieren.“ Aus diesem Grund lernt sie derzeit selbst die Gebärdensprache. Bei der Aufführung steht ihr Thomas zur Seite. Er assistiert Franziska Leonhardi beim Erzählen der Geschichte des heiligen Nikolaus. Ihr Bruder Jonas ist der Techniker und sorgt für die Effekte im Hintergrund. Er filmt während der Vorstellung und projiziert die Bilder auf die Bühne. Stefan Schmidt sorgt für die musikalische Unterhaltung. Er spielt am Klavier, wobei er viel improvisiert.

Im vergangenen Jahr reiste die Gruppe mit der kleinen Theaterbühne durch die Vereinigten Staaten von Amerika. „Dort testeten wir die Reaktionen der Einwohner auf unser Theater“, erzählt Franziska Leonhardi. In Las Vegas spielten sie, im Death Valley stellten sie die beschauliche Bühne auf und in Tombstone, einer Wildwest-Stadt, platzierten sie das Theater auf eine Veranda – sehr zu Erheiterung des einheimischen Publikums. Was bleibt, sind die Erlebnisse in der Welt jenseits des großen Teiches.

Zum Kirchentag, der Anfang Juni in Dresden stattfand, konnten sie ebenfalls zahlreiche Besucher anlocken. Zusammen mit 300 Sängern und 50 Instrumentalisten gestalteten sie das Paulus-Oratorium von Felix Mendelssohn-Bartholdy am Königsufer. Damit alle ihre Darbietung sehen konnten, wurde sie auf eine große Leinwand projiziert.

Hoffen auf gutes Wetter

Am Wochenende kommt das Silhouetten-Theater nun zum Königsteiner Weihnachtsmarkt. Am Sonnabend spielen sie um 16.30Uhr die Geschichte des heiligen Nikolaus aus Myra nach. Nur regnen darf es nicht. Da – abgesehen vom Kasten drumherum – alles aus Papier und Pappe ist, würde das Bühnenbild kaputt gehen.