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„Schatzinsel“ in Neschwitz schließt

Weil das Schreibwarengeschäft nicht genug Gewinn abwirft, konzentriert sich Anett Pötschke wieder auf ihr einstiges Metier.

© Uwe Soeder

Von Kerstin Fiedler

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Neschwitz. Die Entscheidung ist Anett Pötschke nicht leicht gefallen, denn in das Geschäft an der BHG in Neschwitz hat sie viel Kraft und viele Ideen gesteckt. Doch nun muss sie einsehen: Es reicht nicht. Am 31. Januar schließt sie. Dann wird die 38-Jährige sich zunächst einmal mehr um ihre Tochter Pauline kümmern, die ein halbes Jahr alt ist.

Die Augenoptikermeisterin hat sich schon mehrfach ausprobiert. Sie hatte sich 2004 selbstständig gemacht, erst in Großdubrau, dann in Bautzen. „Das Problem war, dass zu dieser Zeit die Gesundheitsreform griff und die Krankenkassen die Brillen nicht mehr bezuschussten“, sagt sie. Also fing sie wieder bei der Optiker-Kette Apollo an, bei der sie schon seit der Ausbildung gearbeitet hat. Erst 2015 dachte sie erneut über den immer noch nicht vergessenen Traum der Selbstständigkeit nach. Sie eröffnete den ersten mobilen Optiker-Service Sachsens unter dem Namen „Die Sehfahrer“. Als sie nach einem Büro suchte, fand sie das Geschäft in Neschwitz.

Dort konnte sie nicht nur die Optiker-Dienstleistungen anbieten, sondern erweiterte Stück für Stück die Angebote. Neben Postdienstleistungen bot sie Schreibwaren, Kopierbedarf und Zeitschriftenverkauf an. Außerdem verkaufte sie Geschenke, die sie selbst liebevoll gestaltete. Deshalb nannte sie ihr Geschäft auch „Schatzinsel“. Doch bereits im vergangenen Jahr zeichnete sich ab, dass sie Post, Laden, Optik und nun noch das Kind nicht allein schafft. Eine Vollzeit-Angestellte konnte sie sich jedoch nicht leisten, dazu wurde zu wenig gekauft.

Deshalb fasste sie den Entschluss, das Geschäft wieder zu schließen. Ganz verschwunden ist Anett Pötschke dennoch nicht. „Ich werde den mobilen Optiker-Service fortsetzen“, sagt sie. Zunächst von zu Hause aus, wo sie nun die Zeit mit Pauline genießen will. Dann ist sie bereits im Gespräch mit dem Neschwitzer Bürgermeister Gerd Schuster, ob es nicht irgendwo einen Raum im Ort gibt, wo sie auch einmal in der Woche stundenweise als Ansprechpartner vor Ort ist. „Ich weiß ja, dass es nach wie vor viele Leute gibt, die nicht mobil sind, um zum Optiker zu kommen“, sagt Anett Pötschke.

Sie wird also auch weiterhin Hausbesuche machen. Und sie wird sich nun noch mehr als bisher auf Beratungen spezialisieren, um den Klienten zu zeigen, welche Möglichkeiten sie noch haben, um ihren Augen etwas Gutes zu tun. So zum Beispiel vergrößernde Sehhilfen im Alter. Derzeit ist sie auf der Suche nach Kinderärzten, die Interesse daran haben, dass die Optikermeisterin das sogenannte Amblyopie-Screening für Kinder in ihren Praxen anbietet. Sie hat bereits das Gerät, das schon bei Kleinkindern ab sechs Monaten eine mögliche Sehschwäche anzeigt.

Und Anett Pötschke schaut weiter nach vorn. Durch Zufall erfuhr sie davon, dass in Königswartha ein Gesundheitszentrum entstehen soll, wo sich unter anderem eine Physiotherapie erweitern, eine Hebamme und Ärzte ansiedeln wollen. „Dort passe ich doch mit meinen Beratungen gut rein“, sagt sie. Momentan sieht der Zeitplan vor, dass sie im Juli/August dort beginnt. Doch bis Ende Januar startet sie noch einen Ausverkauf in der „Schatzinsel“. „Ich bin dankbar dafür, dass ich hier anfangen und Erfahrungen sammeln konnte. Ich habe mich über jeden Kunden gefreut. Doch nun beginnt ein neuer Abschnitt“, sagt sie.

www.die-sehfahrer.de