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Schatzkarte der Waldbesitzer aufgelegt

In einem aufwendigen Verfahren wurde jedes einzelne Wäldchen analysiert. Das hat nicht nur ideellen Wert.

Diese Fläche am Hammerbach in Freital-Wurgwitz ist eines von rund 45 000 Waldbiotopen in Sachsen.
Diese Fläche am Hammerbach in Freital-Wurgwitz ist eines von rund 45 000 Waldbiotopen in Sachsen. © Karl-Ludwig Oberthür
Ein Mitarbeiter vom Sachsenforst prüft ein erfasstes Biotop. 
Ein Mitarbeiter vom Sachsenforst prüft ein erfasstes Biotop.  © Sachsenforst

Die niedrig stehende Sonne schickt ihre warmen Farben in das kleine Wäldchen am Hammerteich in Freital-Wurgwitz. Die entlaubten Buchen machen es möglich. Ein Stamm ist entwurzelt und umgeknickt. Ein anderer neigt sich bedrohlich. Im Wasser des kleinen Rinnsals spiegelt sich das letzte Grün des Grases. Naturliebhabern bietet sich eine Idylle, die aber kaum jemand tatsächlich wahrnimmt. Hier führt kein Wanderweg vorbei und Bauland oder Naturschutzgebiet ist es auch nicht. Dennoch hat dieses Wäldchen einen Wert, wenn auch einen ideellen.

Was das Besondere ist, kann jetzt jeder Interessierte nachlesen. Denn der Sachsenforst hat eine aufwendige Waldbiotop-Kartierung abgeschlossen. In jahrelanger Sisyphos-Arbeit haben die Behördenmitarbeiter selbst kleinste Wäldchen im gesamten Freistaat analysiert. Auf der dazugehörigen und im Internet veröffentlichten Karte ist auch eine Fläche mit der Nummer 4947F00932 eingetragen. Unter dieser sind „Restgehölze am Hammerbach“ aufgelistet. Man kann nachlesen, dass dieses Biotop 4 740 Quadratmeter groß ist und es sich trotz des Hammerbachs um einen mäßig trockenen Standort handelt, auf dem Traubeneichen und Hainbuchen stehen. Wie für diese Fläche kann jetzt jeder sein ganz persönliches Lieblingswäldchen auf der Karte ausfindig machen und mit wenigen Klicks erkunden, was dort wächst und gedeiht und möglicherweise wertvoll ist.

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Doch dieser Service war nicht der Grund, warum der Sachsenforst so viel Aufwand mit fast jeder Baumgruppe getrieben hat. Es werden sogar wenige Quadratmeter große Altholzinseln erwähnt, wo Vögel beispielsweise viele Nisthöhlen finden. „Besitzer müssen das nicht nach Naturschutzgesetz erhalten. Aber wenn sie es schätzen, wollen sie es vielleicht weiter entwickeln“, sagt Renke Coordes, Pressesprecher vom Sachsenforst. Teilweise sind für die Biotope auch Maßnahmen aufgeführt, die erfolgen sollten. Verpflichtet sind die Waldbesitzer dazu aber nicht. So wird beispielsweise beschrieben, welche Baumarten oder Sträucher stehen gelassen werden sollten, falls dort geplant ist, etwas abzuholzen. Der Sachsenforst sieht das als einen Service für die Besitzer.

„Wälder haben eine herausragende Bedeutung für den Naturschutz“, sagt Landesforstpräsident Hubert Braun. Eine naturnahe Waldbewirtschaftung leiste einen wesentlichen Beitrag für die Biodiversität, sprich Artenvielfalt. „Wer wertvolle Lebensräume schützen will, muss diese aber auch kennen“, sagt Braun. Das werde mit der öffentlich einsehbaren Kartierung nun gewährleistet. Nur ein Viertel der Fläche der darin analysierten Biotope genießt einen Schutzstatus. Daran soll sich grundsätzlich auch nichts ändern, heißt es vom Sachsenforst. Dennoch würde man sich freuen, wenn die Besitzer die Anregungen aus der Kartierung beachten würden.

Zwölf Jahre Arbeit

Die Waldbiotopkartierung Sachsen kann im Internet unter www.wald.sachsen.de/waldbiotopkartierung-5927.html abgerufen werden. Dort muss man dann nur noch auf Kartenviewer klicken und die Karte entsprechend groß aufziehen.

Fast zwölf Prozent des Waldes in Sachsen sind nun als naturschutzfachlich wertvolles Biotop erfasst. Nur ein Viertel davon hat Schutzstatus.

Fast 45 000 Waldbiotope mit einer Fläche von über 58 400 Hektar wurden in der Kartierung erfasst.

Seit 2006 wurden die Daten von erfahrenen Forstsachverständigen erhoben. 

Quelle: Sachsenforst

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Unter Biotopen versteht man eine Lebensgemeinschaft verschiedener Arten in diesem Fall also Baumarten. Mit der Kartierung wird auch eine Berichtspflicht an die EU zu Flora-Fauna-Habitaten (FFH) erfüllt.

An den Schätzen der Waldbesitzer erfreuen sich auch viele Wanderer und Ausflügler. Mit Smartphone und gutem Empfang wäre es jetzt möglich, sich während der Touren über jedes einzelne Biotop und deren Schutzstatus zu informieren. Mindestens für Wanderführer dürfte das ein interessantes Angebot sein, das Wanderungen bereichern könnte.

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