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"Ich warte auf Lockerungen für uns Schauspieler"

Ex-Winnetou-Darsteller Jürgen Haase ist seit acht Wochen ohne Engagement. Doch zumindest hat er jetzt Zeit für ein Hobby draußen im Wald.

Zum Glück gibt es den Garten: Der Schauspieler Jürgen Haase (61) auf der Bank vor seiner Wohnung in Cossebaude. Seit acht Wochen hatte er wegen Corona keine Auftritte.
Zum Glück gibt es den Garten: Der Schauspieler Jürgen Haase (61) auf der Bank vor seiner Wohnung in Cossebaude. Seit acht Wochen hatte er wegen Corona keine Auftritte. © Norbert Millauer

Herr Haase, als freier Schauspieler sind Sie nun bereits seit acht Wochen ohne Bühnenauftritt und damit leider auch ohne Einkommen. Wie geht es Ihnen gerade in dieser Ausnahmesituation?

Natürlich nicht gut. Nicht arbeiten zu dürfen, zu Hause bleiben zu müssen und somit kein Einkommen zu haben, tut keinem Menschen gut. Doch wir können an dieser Situation leider nicht viel ändern. Ich will nicht klagen und nicht jammern. Im Grunde geht es mir im Moment noch relativ gut, ganz im Gegensatz zu vielen anderen Mitmenschen. Ich denke da z.B. an die vielen Eltern die im Homeoffice arbeiten und nebenher ihre Kinder schulisch betreuen müssen. Oder an die Menschen, die nicht zur Arbeit gehen können, weil sie ihr Vorschulkind nicht in die Kita bringen dürfen. Oder an den Verkäufer und die Kassiererin, die den ganzen Tag den Mundschutz tragen müssen. Meine Hochachtung dafür.

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Jetzt gab es eine erfreuliche Nachricht, die vom Bund geförderten Kulturinstitutionen werden Künstlern bis zu 60 Prozent ihrer Gage als Ausfallhonorar zahlen. Voraussetzung sei, dass der Vertrag bis zum 15. März geschlossen wurde. Bei Honoraren bis zu 1.000 Euro pro Veranstaltung werden 60 Prozent gezahlt, bei Gagen darüber sind es 40 Prozent. Die Höchstgrenze liegt bei 2.500 Euro. Trifft das auf Sie zu?

Das wird sich zeigen. Ich hoffe es. Wir suchen die Unterlagen dafür zusammen. Natürlich betrifft das erst einmal nur die wenigen vom Bund geförderten Veranstalter.

Jetzt gibt es die Hoffnung, dass auch die von Ländern und Kommunen geförderten Häuser zu ähnlichen Regelungen finden. Wie sieht das bei Ihnen aus?

Vor allem habe ich ja mit den Landesbühnen Sachsen in Radebeul und Rathen zu tun, von dort aber noch nichts gehört. Es gibt auch einen Paragraphen im Infektionsschutzgesetz, den Paragraph 56. Der besagt, dass man Gagenausfälle aufgrund von Pandemien als Ausfallhonorar geltend machen kann. Wir hoffen, dass er zur Anwendung kommt. Denn so geht es nicht auf Dauer: Null Gagen, aber alle Kosten laufen weiter. Zumindest das Finanzamt kam uns etwas entgegen.

Haases Sohn Moritz Stephan (30) spielt die Hauptrolle bei den berühmten Störtebeker-Festspielen in Ralswiek: den Klaus Störtebeker.  Aber erst 2021.
Haases Sohn Moritz Stephan (30) spielt die Hauptrolle bei den berühmten Störtebeker-Festspielen in Ralswiek: den Klaus Störtebeker.  Aber erst 2021. © privat
Jürgen Haase ebenfalls in Ralswiek im Jahr 2009 in  Aktion. Als Tempelritter, der nach dem Kampf von zwei Pferden über die Bühne geschleift wurde. 
Jürgen Haase ebenfalls in Ralswiek im Jahr 2009 in  Aktion. Als Tempelritter, der nach dem Kampf von zwei Pferden über die Bühne geschleift wurde.  © privat
Jürgen Haase im Jahr 2008 hoch zu Pferd in Ralswiek. Er war damals der Feldherr der dänischen Königin und Gegner Störtebekers.
Jürgen Haase im Jahr 2008 hoch zu Pferd in Ralswiek. Er war damals der Feldherr der dänischen Königin und Gegner Störtebekers. © Jens Koehler
Jürgen Haase mit seiner Deutsch Kurzhaar Jagdhündin Ari. Beide bereiten sich auf die Jagdprüfung vor.
Jürgen Haase mit seiner Deutsch Kurzhaar Jagdhündin Ari. Beide bereiten sich auf die Jagdprüfung vor. © privat

Welche Auftritte sind für Sie bislang ausgefallen?

Mehrere Vorstellungen mit meinen Kollegen Tom Pauls und Peter Kube vom Zwinger-Trio, beispielsweise in Pirna, Leipzig und Zeitz sind bereits ausgefallen. Das Programm „Gekonnte Missverständnisse“ zusammen mit Peter Kube ebenso und auch die Karl-May-Festtage und die Winnetou-Vorstellungen im Radebeuler Lößnitzgrund sind dem Virus zum Opfer gefallen. Hoffnung habe ich noch für die geplanten Vorstellungen von dem neuen Stück „Petterson und Findus“ im Theaterzelt in Rathen, welches die Landesbühnen Sachsen extra aufbauen wollen, weil derzeit die Felsenbühne Rathen komplett umgebaut wird. Für meine Rolle als Petterson wollte ich mir eigentlich extra einen Bart stehen lassen.

Wie sieht es derzeit mit künstlerischen Alternativen aus?

Da gibt es schon konkrete Pläne. Zwei Karl-May-Vereine bereiten eine Serie von Lesungen per Videoübertragung vor als eine Art Ausgleich zu den ausgefallenen Karl-May-Festen in ganz Deutschland. Da lese ich mit anderen Schauspielerkollegen Geschichten von Karl May. Die werden dann von den Karl-May-Plattformen ins Netz gestellt.

Wie geht es für Sie persönlich jetzt weiter?

Ich verfolge natürlich immer mit großer Aufmerksamkeit die neusten Entwicklungen und Entscheidungen und hoffe inständig, dass die nächsten Lockerungen auch endlich die Arbeit von uns Künstlern mit einschließen.

Derzeit nutze ich die Zeit intensiv, um meine Hündin auf die Jagdgebrauchsprüfung (hoffentlich) im Juni vorzubereiten. Diese Ausbildung ist sehr arbeitsaufwändig und verlangt viel Geduld und Übung von beiden. Eigentlich kann mein Hund schon alles – nur ich muss noch üben.

Ihr Sohn Moritz Stephan ist ja mittlerweile auch als freier Schauspieler tätig und bei den ebenfalls abgesagten Störtebeker-Festspielen in Ralswiek an der Ostsee engagiert. Wie geht es ihm jetzt?

Ich bin natürlich sehr stolz darauf, dass mein Sohn die Rolle des Klaus Störtebeker bei den berühmten Ralswieker Störtebeker-Festspielen spielen wird. Auf Grund der Absage der Festspiele hat er nun viel Zeit, sich auf die Saison 2021 vorzubereiten. Seine Hauptrolle ist ein anstrengender Job, der ihn körperlich voll fordern wird. Da ich von 2008-2011 ebenfalls ein Rollenengagement in Ralswiek hatte, weiß ich ganz genau wovon ich rede.

Geht der Staat zu hart vor in der Corona-Krise? Was ist Ihre Meinung?

Ich bin kein Virologe und es ist eine Situation ohne Beispiel, aber ich bemühe mich in diesen Tagen ein selbstständig denkender Mensch zu bleiben. Die Schäden einer Therapie dürfen nicht schlimmer sein, als die Schäden der eigentlichen Krankheit. Das ist eine Einschätzung, der ich zustimme. Und es stellen sich schon einige Fragen. Warum funktioniert es in Schweden mit einem sanfteren Herangehen ebenfalls? Wie gefährlich ist das Corona-Virus wirklich?

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Was mich besonders bewegt, ist die Frage, ob diese Angst bei den Leuten wieder verschwindet. Die Angst vor menschlicher Begegnung. Wenn aus Vorsicht niemand mehr ins Theater, Konzert oder Kino geht. Das wäre eine Katastrophe. Ich hoffe, dass  die Menschen wieder ins Theater gehen. Im Zweifel könnte man nur jeden zweiten Platz besetzen - und wir könnten so mehr Vorstellungen spielen.  Ich hoffe, dass - wenn die Theater wieder spielen dürfen - die Mundschutzpflicht aufgehoben ist - sonst wird ja jedes Drama ne Komödie.

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