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Scheffer-Pleite: 70 Jobs sind jetzt in Gefahr

Insolvenz. Immer weniger Aufträge und erhebliche Verluste ließen denBautzener Fassadenbauerin die Krise schlittern.

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Von Heiko Engel

Der Fassadenbauer Scheffer ist zahlungsunfähig. Betroffen sind alle 120 Mitarbeiter, in Bautzen 70 und im westfälischen Sassenberg 50. Das Unternehmen hatte erst 2004 ein neues Gebäude im Bautzener Industriegebiet Salzenforst bezogen. Scheffer ist zurzeit an zwölf Großprojekten beteiligt. Ob die Arbeiten fortgeführt werden, hänge von den Verhandlungen mit Auftraggebern ab, informierte Firmensprecher Rolf Dieter Ahlert. Er machte einen Auftragseinbruch, Forderungsausfälle und die schlechte Zahlungsmoral einer Reihe von Kunden für die Krise verantwortlich. Bereits 2004 ist Ahlert zufolge ein erheblicher Verlust zu verzeichnen gewesen, weiter verschärft habe sich die Situation in den vergangenen Monaten.

Bautzener und Sassenberger müssen jetzt um ihre Arbeitsplätze bangen. „Wir versuchen eine Nachfolgeregelung zu finden, bei der ein Teil der Arbeitsplätze gerettet wird. Aber alle zu erhalten, wird nicht gehen“, sagte Ahlert. Bis Ende Juni soll zusammen mit Banken, Insolvenzverwalter und der Familie Scheffer ein Überlebensplan erarbeitet werden. Wie viele Jobs am Ende übrig bleiben, könne er nicht sagen, so der Firmensprecher.

„Ich bin überrascht worden“, kommentierte Betriebsratsvorsitzender Klaus Kubitz die Pleite-Meldung. „Das war ein Schock.“ Trotzdem, es werde normal gearbeitet. „Alles läuft erst einmal weiter“, sagte der Betriebsratschef zur SZ. In den kommenden Woche gehe es um die Absicherung der Kollegen.

Die Krise des Fassadenbauers begann laut Ahlert vergangenes Jahr. „2003 haben wir Gewinn gemacht, waren ganz gut aufgestellt.“ Scheffer stattete Fußballstadien, Flughäfen und Fußballarenen mit Glasfassaden aus. Dann begann sich die Abwärtsspirale immer schneller zu drehen, die Misere verschärfte sich. „Für die Scheffer-Fassadentechnik war der Auftragseingang 2004 bereits um rund ein Drittel zurückgegangen“, sagte Ahlert. Erstes Signal, dass Scheffer ins Schlingern kommen könnte, waren Entlassungen.

Das Unternehmen strich letztes Jahr in Bautzen elf und in Sassenberg 21 Stellen. Weil das nicht den gewünschten Erfolg brachte, wurde ein neuer Rettungsplan entwickelt. Umgesetzt werden sollte er dieses Frühjahr, eine Bürgschaft der Landesregierungen von Sachsen und Nordrhein-Westfalen sollte ihn absichern. Für die Banken wäre die Bürgschaft eine „zusätzliche Sicherheit“ gewesen, so Ahlert. Aber die Rechnung ging nicht auf. Der Auftragseingang verringerte sich „entgegen der Annahmen“ noch einmal erheblich. „Ein Licht am Ende des Tunnels“, sagte der Firmensprecher, „ist nicht zu erkennen.“

Bautzens Finanzbürgermeister Michael Böhmer hofft auf eine Lösung, die den Fortbestand der Firma und der Arbeitsplätze sichert. „Die Stadt hat rechtlich leider keine Möglichkeit, in das laufende Verfahren einzugreifen. Im Rahmen sich bietender Möglichkeiten sind wir aber jederzeit bereit, das Unternehmen zu unterstützen“, erklärte Böhmer der SZ.Auf ein Wort