SZ +
Merken

Scheitert das Görlitzer Einkaufszentrum?

Investor Heinz Nettekoven hat offenbar finanzielle Probleme.Der Bau der Ladenpassage ist fraglicher denn je.

Teilen
Folgen

Von Daniela Pfeifferund Ingo Kramer

Die Nachrichten verdichten sich: Ladenpassagen-Investor Heinz Nettekoven steckt offenbar in finanziellen Schwierigkeiten. In Görlitz kursieren sogar schon Gerüchte, er sei pleite. Dafür aber gibt es bislang keine Belege. SZ-Informationen zufolge sollen alle elf Mitarbeiter seiner Firma Florana KG mit Sitz in Weimar zu Ende Oktober gekündigt worden sein. Schon im September hätten sie keinen Lohn mehr bekommen. Von 2010 auf 2011 hat es einen deutlichen Umsatzeinbruch gegeben. Zudem sieht die jüngste Bonitätsauskunft über die Firma längst nicht mehr so gut aus wie frühere. SZ-Informationen zufolge hat sich die Kreditwürdigkeit der Florana KG in der Tat verschlechtert und wird in einschlägigen Untersuchungen mit „überdurchschnittliches bis erhöhtes Risiko“ angegeben.

Der Investor selbst gibt sich am Telefon kurz angebunden: „Für Görlitz ist eine eigene Gesellschaft zuständig, das hat damit nichts zu tun“, erklärt der 85-Jährige. SZ-Informationen zufolge hat er in letzter Zeit mehrere Tochtergesellschaften gegründet.

In Görlitz wollte Nettekoven mit der Florana KG ursprünglich einen Einkaufstempel von etwa 16000Quadratmetern Größe bauen. In den unteren Etagen sollen auf 11000Quadratmetern Geschäfte locken, oben sind mit 5000Quadratmetern Büros, Praxen oder Dienstleister vorgesehen. Im Januar hatte der Stadtrat das 30-Millionenprojekt abgenickt, zwar noch nicht den endgültigen Baubeschluss, aber ein öffentliches Bauverfahren.

In der Zwischenzeit wurden die Pläne überarbeitet. Nun sollen es nur noch 8000 Quadratmeter Ladenfläche werden. Doch vieles blieb ungeklärt. So ist ungewiss, wie Nettekoven die zusätzlichen Büroflächen vermieten will, die durch den Erhalt der Vorderhäuser auf der Berliner Straße entstehen. Zuletzt drehte sich die Diskussion um die Frage, in welcher Höhe die Stadt diesen Kompromiss mit der Denkmalpflege finanziell fördern muss. Nettekoven brachte acht Millionen Euro ins Spiel, die Stadt hielt das für unangemessen und sprach von ein oder zwei Millionen Euro.

Doch nicht nur mit den Fördermitteln gibt es Unklarheiten, auch mit den Grundstücken. Ob er sich bereits alle nötigen gesichert hat, ist fraglich. Zuletzt war immer nur von einem die Rede. Äußerungen des Landkreises deuten darauf hin, dass sich daran kaum etwas geändert hat. Nach Angaben von Bauamtsleiter Dieter Peschel wollte Nettekoven das Grundstück Salomonstraße 18 erwerben, um darauf ein Parkhaus zu errichten. Der Landkreis wollte darin 35 Stellplätze nutzen. „Der Verkauf ist aber nicht zustande gekommen“, so Peschel. Mittlerweile warte der Kreis nicht mehr auf Nettekoven: „Ein Verkauf ist vom Tisch.“ Die beiden Häuser, die auf dem Grundstück stehen, sollen im Frühling abgerissen werden. Die Genehmigung liege schon vor. „Danach bauen wir dort selbst 35 Stellplätze“, so der Amtsleiter.

Die Görlitzer Stadtverwaltung hält sich derzeit zu den Passagen-Plänen bedeckt. Sprecherin Ina Rueth bestätigt lediglich, dass die Stadt „momentan in Absprache zu einem gemeinsamen Termin“ sei.

Einer, der Nettekoven im Ansiedlungsprozess immer begleitet hat, ist Wirtschaftsförderer und Chef der Europastadt GmbH, Lutz Thielemann. „Ich möchte mich an Gerüchten und Spekulationen nicht beteiligen“, sagt er. „Wenn es so wäre, dann wäre das für Görlitz natürlich bedauerlich.“ Solange Nettekoven an Görlitz festhält, werde man ihn auch weiter unterstützen, so Thielemann. Allerdings räumt er ein, dass das Projekt Einkaufszentrum auf der oberen Berliner Straße im Zweifelsfall auch übertragbar sei. Auch andere Interessenten, die in Deutschland große Einkaufszentren bauen, seien in Görlitz gewesen. Nur seien deren Bedingungen vermutlich noch schwerer umzusetzen als die von Nettekoven.