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Scheren, Schnitte und viel Nähe

Die SZ zu Gast bei Dresdner Designern und Modemachern. Heute: Atelier Mallika Manuwald und Sandra Scharlau.

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Von Doreen Hübler

Manchmal fühlen sich Mallika Manuwald und Sandra Scharlau wie Frisöre. Nicht, weil ihre Arbeit etwas mit Scheren und Schnitten zu tun hat, es geht vielmehr um die psychologische Komponente.

Um den Kunden, der sich gern mitteilt, den man umsorgen muss, dem man manchmal ziemlich nah kommt. Vor allem beim Vermessen seiner Leibeskoordinaten. Künstlerische Arbeit am Menschen nennen die beiden ihren Job, nicht Modedesign oder Kostümgestaltung, wie es auf ihren Zeugnissen der Dresdner Hochschule für Bildende Künste steht.

Dort haben sich Mallika Manuwald und Sandra Scharlau kennengelernt und zusammengetan. Seit Frühjahr diesen Jahres arbeiten sie im gemeinsamen Atelier in Pieschen. Eine Partnerschaft, die einfach passt, sagen sie. Zum einen, weil sich ihre Lebensmodelle gleichen, eine ähnliche Flexibilität verlangen, denn beide Frauen haben kleine Kinder. Und zum anderen, weil das kreative Nebeneinander durchaus befruchtend sei. „Jede für sich ist eine Kleinstunternehmerin, aber ich verstehe uns als eine Gemeinschaft“, sagt Sandra Scharlau. Die Schneidertische stehen an gegenüberliegenden Ecken im Raum, man arbeitet Rücken an Rücken und trifft sich in der Mitte, wenn es denn passt. Gerade befinden sich beide Damen am selben Punkt: ein gefalteter Stoffballen liegt auf jedem Tisch, der Beginn eines neuen Projekts. Sandra Scharlau hat den Auftrag bekommen, einen Anzug zu schneidern. Mal wieder.

Maskuline Schnitte und historische Themen begleiten sie. Gerade hat sie wieder fürs Theater gearbeitet, dabei geholfen, „Die Bibel – Eine gesprochene Symphonie“ mit Ben Becker in der Hauptrolle auszustatten. Sie mag mutige, unverfrorene Kreationen und Kombinationen. Welche Harmonie ergibt sich aus der Paarung von unterschiedlichen Materialien? Kompliziert darf es auch für ihre Kollegin werden. „Ich arbeite gern mit Farben und Formen, versuche Linien aus der gewohnten Perspektive herauszulösen“, sagt Mallika Manuwald. Einmal habe sie monatelang an einem Rock ohne Seitennaht getüftelt. Irgendwann ist der Groschen gefallen, endlich. Demnächst will sie sich an einer anderen Herausforderung versuchen – einen Stoff mit Blattgold belegen.

Gedanken an die Zukunft gibt es viele. Bei Mallika Manuwald handeln sie manchmal von einer einsamen Schaffarm irgendwo in Norwegen, dann wieder von einem Atelier in Paris. Irgend etwas dazwischen ist die Realität, die zu Sandras Wunsch passt. Der wiederum dreht sich um Kunden, die einen Fetisch haben. Einen, der ziemlich viel mit ausgelassenen Modeexperimenten zu tun hat.

Das Atelier von Mallika Manuwald und Sandra Scharlau ist auf der Hartigstraße12.