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Wird das nun noch was mit dieser Ruine?

Sie gilt als Ostsachsens größtes Gut, aber die Riesenscheune in Großhennersdorf verfällt seit Jahren. Eine Geschichte zwischen Insolvenz und neuem Lichtblick.

Andreas Schönfelder, Matthias Schulz und Hermann Kulzer vor der Mammut-Aufgabe: Der Rettung der Scheune im Großhennersdorfer Gut.
Andreas Schönfelder, Matthias Schulz und Hermann Kulzer vor der Mammut-Aufgabe: Der Rettung der Scheune im Großhennersdorfer Gut. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Beängstigend riesig ist diese Scheune gleich neben der neuen Großhennersdorfer Grundschule und vis-a-vis der Disko im Dorf. 90 Meter fast durchgehend verfallene Bausubstanz, dreifach unterteilte Dachböden. Nur der Westflügel ist saniert und genutzt. Seit Jahren schon geht es hier weder vor noch zurück. Es ist ein Drama um große Pläne, Pech, Insolvenz und viel Historie. Denn das Gut gehörte einst zu den Besitztümern derer von Gersdorff und damit der Großmutter des Grafen Zinzendorf. Nun gibt sogar der Bund Geld, um dieses Gebäude zu retten. Der Freistaat öffnet ebenfalls seine Kasse, sodass am Ende bestenfalls rund 350.000 Euro für dringende Sicherungsmaßnahmen bereitstehen. Ist das nun der Anfang der Rettung?

Der Dresdner Insolvenzanwalt Hermann Kulzer hofft das. Er ist seit drei, vier Jahren mit der Sache betraut und hat die Voraussetzungen schaffen können, damit es weitergehen kann: "Der Freistaat stand mit einer Sicherungshypothek im Grundbuch, diese Last von 120.000 Euro ist inzwischen gelöscht", erklärt er. Das war ein wichtiger Schritt, denn mit Schulden öffnen sich keine Türen. Ausschlaggebend war aber auch die Eintragung des Gutes nicht nur auf die Landes-, sondern auch auf die Bundesdenkmal-Liste vor rund zwei Jahren.

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Andreas Schönfelder (links) erklärt SPD-Bundestagsabgeordneten Thomas Jurk Geschichte und Bedeutung des Gutshofes. Jurk hat sich für frisches Geld eingesetzt.
Andreas Schönfelder (links) erklärt SPD-Bundestagsabgeordneten Thomas Jurk Geschichte und Bedeutung des Gutshofes. Jurk hat sich für frisches Geld eingesetzt. © Andreas Herrmann

Dass nun das Geld - 173.000 Euro vom Bund - zugesagt wurde, war dann vor allem Glück: Der Haushaltsausschuss hatte den Denkmal-Fördertopf um 20 Millionen Euro überraschend aufgestockt, weil so viele Projekte auf der Liste waren. Mit dem SPD-Bundestagsabgeordneten Thomas Jurk, der auch im Haushaltsausschuss sitzt, hatten die Großhennersdorfer zudem einen Mann aus dem Kreis vor Ort, der sich für das Projekt stark gemacht hat - ebenso wie für Großschönaus Bahnhof. "Der Einsatz des sächsischen Landesamtes für Denkmalpflege hat den Bund überzeugt", erinnert er sich. Jurk ist froh, dass man nun das fortsetzen könne, was nötig ist, noch vor Kurzem hat er selbst nicht an so raschen Fortschritt geglaubt. Dabei ist es so nötig, denn das Denkmal sei in einem "traurigen Zustand", sagt er.

Wie aber konnte es so weit kommen? Die Scheune ist das letzte Puzzleteil, das noch fehlt, um den Hof komplett zu beleben. "Dabei sollte sie einst die Initialzündung sein", erinnert sich Andreas Schönfelder, Chef der Großhennersdorfer Umweltbibliothek. Zur Jahrtausendwende, als Großhennersdorf noch eigenständig war, wollte man sich mit einem Projekt an einem viel versprechenden Förderprogramm beteiligen. "Um optimale Voraussetzungen zu haben, sollten drei Vereine im Boot sein", erinnert sich Schönfelder. Die fanden sich auch: Neben der Umweltbibliothek verschrieben sich das Begegnungszentrum und der Speicher e. V. der Sache. Die Vereine hatten sogar schon Förderbescheide in den Händen, das erste Geld floss, der Westflügel wurde hergerichtet. Dann kam die Flut von 2002. "Die hat im Freistaat zugesagtes Geld weggespült", formuliert Schönfelder. Einer der Vereine konnte zudem nicht mehr agieren. Der Freistaat forderte außerdem 120.000 Euro Fördergelder zurück, weil das Projekt nicht alle Kriterien erfüllen konnte und mit der dann folgenden Insolvenz eines Vereines stand alles still.

Der Blick ins Innere der Scheune offenbart, wie viele Chancen es gibt - aber auch, wie viel Geld nötig ist.
Der Blick ins Innere der Scheune offenbart, wie viele Chancen es gibt - aber auch, wie viel Geld nötig ist. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de
Eindringende Nässe - durch das marode Dach - ist eines der Hauptprobleme des denkmalgeschützten Gebäudes.
Eindringende Nässe - durch das marode Dach - ist eines der Hauptprobleme des denkmalgeschützten Gebäudes. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de
Als erstes soll der Ostgiebel gerettet werden. Hier hatte ein Notdach eher Schaden als Nutzen gebracht.
Als erstes soll der Ostgiebel gerettet werden. Hier hatte ein Notdach eher Schaden als Nutzen gebracht. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Nun schlägt erst einmal die Stunde der Bauarbeiter - und die von Bauingenieur Matthias Schulz, der sich seit Jahren für die Scheune engagiert. In den nächsten Wochen werde man sich an den besonders maroden Giebel an der Ostseite wagen. Hier war 2008 bereits ein Notdach installiert worden, das aber mehr Schaden als Nutzen brachte. Dafür gibt es vom Land nun rund 50.000 Euro. Danach geht es an die weitere Dachsanierung: "Bis zum ersten Schornstein werden wir es sicher nicht ganz schaffen", vermutet Schulz. Aber man wolle vom Geld des Bundes, das der Freistaat nochmals aufstocken werde, sodass am Ende knapp 350.000 Euro zur Verfügung stehen könnten, so weit wie möglich die Löcher stopfen. Die Nässeschäden sind jetzt schon deutlich zu erkennen.

Hoffnung auf Weltkulturerbe-Titel

Dass es dann in den nächsten Jahren auch neues Geld für den Mittelteil des 90-Meter-Kolosses geben wird, da sind alle guter Hoffnung. Dort werde es aber besonders schwer, weil hier nicht nur das Dach, sondern vor allem die Statik Probleme machen. "Da wäre es aber gut, zu wissen, wie dieser Teil nachher genutzt werden soll", sagt Anwalt Kulzer. Barrierefreies Wohnen, ein Café oder ein Weinkeller - vieles sei denkbar. Und vielleicht findet sich für dieses so zentral gelegene Kleinod ja auch ein interessierter Investor, der einsteigen will? "Zumal ja Herrnhut vielleicht bald Weltkulturerbe sein könnte", schaut Kulzer voraus. Das alte Gut wäre dann auch ein idealer Ausgangspunkt für Touristen, die nach Großhennersdorf kommen.

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Selbst die Sache in die Hand nehmen wollen die beteiligten Vereine und Initiativen die Sache aber auch: Crowdfunding - also die Finanzierung durch die Mithilfe vieler - sei eine Option, die man prüfe. "Wir sind froh, dass wir auch in der Stadt Herrnhut einen interessierten Partner haben", sagt Schönfelder. In der Tat ist Bürgermeister Willem Riecke (Herrnhuter Liste) froh über die neue Hoffnung. Städtebaulich habe man als Stadt da nichts verplant, sei offen für vieles, sagt er. Fehlen eben noch die Investoren.

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