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Schieritzer hoffen auf den Graf(en)

Ein Österreicher hat Schloss Schieritzersteigert. Was er mit der Immobilie vor hat, bleibt vorerst im Dunkeln.

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Von Jürgen Müller

Schieritz hat einen neuen Schlossherrn, aber offenbar weiß niemand in der Gemeinde, was aus der Immobilie werden soll. Diera-Zehrens Bürgermeister Friedmar Haufe (parteilos) hat schon mit dem Architekten des Käufers gesprochen, aber keine detaillierten Informationen erhalten. „Offenbar ist man dabei, das Projekt zu entwickeln, wie das Schloss genutzt werden kann“, sagt er. Nach Informationen der SZ soll es sich bei dem Käufer um einen Hannes Graf aus Wien handeln. Der Zehrener Zahnarzt Uwe Görlitz hat ihn schon zu Gesicht bekommen. „Er war einer von 20 Interessenten, die sich das Schloss angesehen haben, bevor es in die Internet-Auktion ging“, sagt Görlitz. Der Wiener sei eine Stunde vor Beginn der Führung in Schieritz gewesen. Da habe er ihm das Innere des Hauses gezeigt, sagt Görlitz, der ein Seitengebäude des Schlosses bewohnt und dort seine Praxis hat.

Es gibt noch kein Konzept

„Ich nehme an, dass der Käufer noch kein fertiges Konzept in der Tasche hat. Und das ist auch gut so. Andere Projekte sind gestorben, weil sie sich als nicht praktikabel erwiesen. Da ist es gut, wenn man für verschiedene Varianten offen ist“, sagt der Zahnarzt. Ein Projekt sei daran gescheitert, dass der Interessent den Renaissance-Dachstuhl wegreißen wollte, was aber der Denkmalschutz ablehnte.

Seit Jahren versuchte der Staatsbetrieb Immobilien und Baumanagement Sachsen, dem das Schloss gehörte, die Immobilie zu veräußern. Der Verkauf scheiterte aber immer wieder. Ein Interessent aus dem Raum Riesa wollte betreutes Wohnen einrichten, hatte seinen Kauf von Fördermitteln abhängig gemacht, die aber nicht bewilligt wurden.

Endlich Leben im Gemäuer?

Als auch dieser Verkauf platzte, wurde das Schloss auf der Internet-Immobilien-Auktion des Internet-Auktionshauses der Deutschen Grundstücksauktionen AG angeboten. Die potenziellen Käufer hatten Gelegenheit, das Schloss zu besichtigen. Es gab eine Vielzahl von Interessenten. Bis zur dynamischen Phase, die am 25. November vorigen Jahren begann, wurde das Schloss von 8 253 Besuchern virtuell besichtigt.Das Mindestgebot lag bei 49 000 Euro, raus ging es für 71 000 Euro. Zwei Bieter lieferten sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen, wobei letztlich der Österreicher den Zuschlag erhielt. Zahnarzt Uwe Görlitz ist zuversichtlich, dass er dem Schloss bald wieder Leben einhaucht: „Ich freue mich auf meinen neuen Nachbarn.“