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Schiff nur noch Schrott

Mit der einstigen Schiffsgaststätte verschwindet ein historischer Wert aus der Stadt. Das sorgt auch für Trauer und Frust.

© hübschmann

Von Harald Daßler und Dieter Hanke

OSTRALE Biennale O19

Die zweite Biennale und 12. OSTRALE widmet sich ab dem 11. Juni bis zum 1. September dem Leitgedanken „ismus“.

Schade, schade! In diesem Tenor urteilen viele in Meißen über das Verschwinden der einstigen Schiffsgaststätte „Meißen“ an der Siebeneichener Straße. Das seit Jahren am Elbufer vor sich hin rostende Wrack wird jetzt demontiert. Die Einzelteile werden zum Verschrotten vorbereitet. Der Beginn dieser Arbeiten bewog viele, sich in der SZ-Lokalredaktion und in den sozialen Netzwerken zu melden.

Neben dem historischen Wert des Elbkahns für Meißen kommen immer wieder persönliche Erinnerungen zur Sprache. Sandra Lantzsch zum Beispiel hat in der ehemaligen Schiffsgaststätte mal gekellnert – „war eine schöne Zeit“. Susanne Erler war als Kind oft mit der ganzen Familie hier. Es sind vor allem Andenken an die Geschichte der Elbschifffahrt oder Aquarien mit Elbfischen, die im Innern des Elbkahns zu sehen waren, oder legendäre Treidelwettkämpfe, die der damalige Besitzer Klaus Junghans in den 90er Jahren aus der Taufe gehoben hatte, an die sich viele gern erinnern. Und immer wieder wird die Frage aufgeworfen: Hätte es keine andere Lösung gegeben – etwa den Elbkahn in ein Museum zu holen oder in eine einfache Unterkunft für Radfahrer zu verwandeln, wie es Ingo Kaiser vorschlägt? Vor mehr als einem Jahr, im November 2013, hatten die Stadträte das Ende der ehemaligen Schiffsgaststätte besiegelt. Sie hatten der Stadtverwaltung grünes Licht gegeben, einen im Jahr 2005 geschlossenen Erbbaurechtsvertrag aufzulösen. Mit dem einstimmig gefassten Beschluss beauftragten sie das Rathaus zugleich, die Verschrottung der ausgedienten Motorschute zu veranlassen.

Der Vertragspartner, der die im Jahr 2001 geschlossene Schiffsgaststätte „Meißen“ später übernommen hatte, sei seinen vereinbarten Verpflichtungen nicht nachgekommen, hieß es zur Begründung. So sei die Schiffsgaststätte niemals wiedereröffnet worden. Lediglich ein Biergarten wurde auf dem umliegenden Gelände betrieben, aber nur für einige Monate.

Die frei werdende Fläche am Elbufer soll zunächst in eine Wiese umgestaltet werden. Als die Meißner Stadträte vor mehr als einem Jahr der Beseitigung des Schiffswracks zustimmten, hatten sie eine Nutzung des Areals für Pkw-Stellflächen angeregt.

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