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Schifferverein Rathen wird 100

Kurort Rathen. Mit einem großen Umzug feiert der Verein am Sonnabend sein Jubiläum und blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück.

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Von Thomas Möckel

Manchmal fühlt sich Margit Oster-Friedrich wie in einem Familienbetrieb. Schon ihr Vater Walter leitete in den 1950er und 1960er Jahren den Schifferverein des Kurortes Rathen. Seit 2001 hat sie nun selbst die Fäden in der Hand. Damit ist sie die einzige Frau, die die Geschicke eines Schiffervereins im Landkreis Sächsische Schweiz leitet. Und auch ihre ältestes Tochter Romy ist bereits fest im Verein verankert: Sie ist Schriftführerin.

So wie Familie Oster hielten schon viele Generationen die Schiffer-Tradition im Kurort Rathen am Leben, sodass sich der Verein nun auf ein besonderes Jubiläum freuen kann: Am 2. Februar wird er 100 Jahre alt. Mit einem großen Umzug feiern Mitglieder und Gäste am Sonnabend der Ehrentag eines Vereines, dessen Existenz trotz wechselvoller Geschichte nie erlosch.

Schiffer und Steinbrecher aus Rathen gründeten den Verein am 9.Februar 1908. Er diente dem Zweck, bei Hochwasser auf der Elbe oder Gefahr durch Eisgang ein „Hilfeleistungs-Komitee“ einzuberufen, um in Not geratene Einwohner und Schifferkollegen zu unterstützen sowie deren Frachtkähne und Schaluppen vor dem Untergang zu bewahren. Die Berufe, die sich mit dem Elbstrom verbanden, waren von alters her in Rathen sehr zahlreich vertreten. In der Stammrolle des Vereins finden sich Bootsmänner, Kiesschiffer, Schiffseigner, Steinbruchbesitzer, Steuermänner und Kapitäne. Auch Fähr- und Bademeister waren Mitglieder im Verein. Zudem schrieb sich der Verein in die Satzung, „alljährlich ein Schifferfest abzuhalten“. Denn die Schiffer waren im Winter ohne Beschäftigung. Der bald kommende Eisaufbruch und der damit verbundene Unterhaltserwerb sollten daher gefeiert werden.

In den Jahren des Ersten Weltkrieges fanden allerdings keine Schifferfeste statt. Danach lebte die Tradition bis 1939 wieder auf, 1945 ging der Verein zunächst vollends unter. Erst im Januar 1954 wurde er neu gegründet und konnte sich auch zu DDR-Zeiten als Teil des Kulturbundes behaupten. Seit der Wende existiert er wieder als selbstständiger Verein. „Und diese Tradition soll noch lange fortleben“, sagt Margit Oster-Friedrich.

Sorgen muss sie sich darum nicht. 86 Mitglieder zählt der Verein derzeit. Damit ist fast jeder fünfte Rathener in der Schiffergilde verankert. Einige Mitglieder kommen sogar aus Magdeburg und Berlin. Und auch um den Nachwuchs steht es nicht schlecht. „Wir haben auch viele jugendliche Mitglieder“, sagt die Vereinschefin.

Gemeinsam hegen sie auch weiterhin einen wichtigen Schatz – elf Schiffsmodelle, die auf den Ursprung des Vereins verweisen. Der älteste im Bestand ist der sogenannte Schnapskahn „Otto“. Er wurde dem Verein 1908 gestiftet. Zum Umzug am Sonnabend werden Matrosen die Modelle durch den Ort tragen.

Als weiteres sichtbares Zeichen der Tradition wird am Sonnabend anlässlich des Jubiläums ein Sandsteinrelief am Fährberg eingeweiht.

Mittlerweile ist die Geschichte des Verein auch in Schriftform festgehalten. Zum 100. Geburtstag erscheint nun die Chronik „Tradition am Elbestrom“, die für 11,70 Euro beim Schifferverein bestellt werden kann.

www.schifferverein-rathen.de; [email protected]