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Schild und Karte schicken Fremde auf gefährliche Tour

An der Straße zwischen Meinsberg und Ziegragibt es keinen Radweg. Trotzdem weist seit einiger Zeit ein Schildauf einen solchen hin.

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Von Cathrin Reichelt

Die meisten Menschen, die auf dem Dorf wohnen, sind sehr naturverbunden. Deshalb legen viele von ihnen kürzere Entfernungen lieber mit dem Rad als mit dem Auto zurück – wenn sich die Möglichkeit bietet. Doch die ist nicht überall gegeben, so wie auf der Straße zwischen Meinsberg und Ziegra. Dort existiert kein Radweg. Trotzdem hängt am Ortsausgang von Meinsberg ein Schild, dass auf einen Radwanderweg verweist. „Es ist unverantwortlich, dass ahnungslose Touristen – womöglich noch mit Kindern – auf diese viel befahrene Straße geschickt werden“, sagt Gemeinderätin Brigitte Thomas am Lesertelefon des Döbelner Anzeigers. Denn auf der Straße ist es für Fußgänger und Radfahrer lebensgefährlich.

Karte weist Verbindung aus

Das Schild ist auch nicht das einzige, dass Radtouristen Glauben macht, dass sie auf der Kreisstraße gefahrlos von Meinsberg nach Ziegra kommen. Auch auf der Rad- und Wanderkarte Döbeln und Umgebung ist die 3,4 Kilometer lange Straße als Radroutenverbindung angegeben. „Dabei gibt es wegen der Übersicht keine Klassifizierung zwischen richtigen Radwegen und anderen Radverbindungen auf der Straße. Alle sind mit einer gepunkteten Linie ausgewiesen“, erklärt ein Mitarbeiter des Verlages Dr. Andreas Barthel aus Borsdorf. Dort wurde die Karte gedruckt. Die Zuarbeiten habe der Verlag von Landratsämtern, Wanderwegewarten und Tourismusverbänden bekommen.

Projekt liegt in der Schublade

Trotz Schild und Karte bleibt das Radfahren zwischen Meinsberg und Ziegra weiter gefährlich. Um diesen Zustand zu entschärfen, bemüht sich die Gemeinde Ziegra-Knobelsdorf schon seit Jahren um Fördermittel für den Bau eines Radweges neben der Kreisstraße – bisher jedoch vergeblich. Das Projekt liegt immer noch in der Schublade. „Wir haben aber Geld dafür in den Haushaltsplan eingestellt“, sagt Helga Busch, Bürgermeisterin von Ziegra-Knobelsdorf.

Erst im Frühsommer vergangenen Jahres kam ein Mitarbeiter des Regierungspräsidiums Leipzig in die Gemeinde – mit dem Zug und dem Fahrrad. Er trat kräftig in die Pedale, um zu erforschen, ob denn der Bau des Radweges tatsächlich notwendig sei. „Sein Fazit war, dass er kaum Autos getroffen habe und man auf der Straße locker Radfahren könne, weil ja fast kein Verkehr sei“, erzählt Annemarie Paul vom Bauamt.

Am meisten befahrene Straße

Ihr hat es damals ebenso die Sprache verschlagen, wie den Mitarbeitern des Straßenverkehrsamtes und den Planern, die sich mit dem Leipziger vor Ort getroffen haben. Denn eine offizielle Verkehrszählung hat ergeben, dass die Straße zwischen Meinsberg und Ziegra die am meisten befahrene Kreisstraße in der Region Döbeln ist. Auf ihr sind im Durchschnitt täglich 4200 Fahrzeuge unterwegs. Das bestätigt auch Thomas Kranz, Leiter des Straßenverkehrsamtes, auf nochmalige Nachfrage des Döbelner Anzeigers. Außerdem wird auf der schmalen Straße sehr schnell gefahren.

Der Mitarbeiter des Regierungspräsidiums hatte sich für seinen Ausflug aufs Land allerdings die verkehrsarme Zeit zwischen 8 und 10 Uhr ausgesucht. Deshalb bekam er einen anderen Eindruck als jene, die die Straße täglich nutzen. Seine Aussage trug jedenfalls mit dazu bei, dass die beantragte Förderung abgelehnt wurde.

Doch die Gemeinde gibt nicht auf. Jetzt hat sie das Projekt beim neuen Programm für integrierte ländliche Entwicklung zur Förderung eingereicht. „Denn der Radweg würde zur Verbesserung der ländlichen Struktur, speziell in unserer Großgemeinde beitragen“, so Annemarie Paul.

Der Radweg wird außerdem immer wichtiger. Und das hat drei Gründe: Zum ersten könnten die Kinder und Jugendlichen aus Meinsberg auf ihm sicher zum Gebersbacher Freibad gelangen. „Das heißt, man könnte diesen Radweg bis zur Kaiserburg benutzen, dann auf die Kirschallee abbiegen, und kommt von dort fast bis zum Bad. Nur das Stück zwischen der Firma Dischinger und der Gebersbacher Straße fehlt noch. Aber das soll ja in diesem Jahr auch gebaut werden – einschließlich eines Radweges“, erklärt Brigitte Thomas.

Sicher zur Kindertagesstätte

Die zweite Bedeutung bekommt der Radweg für die neu entstehende Kindertagesstätte in Ziegra. Dorthin würden einige Eltern ihre Kinder gern auf dem Rad bringen. Doch das ist im Moment viel zu gefährlich. Schon, wenn sich auf der Straße zwei Autos begegnen, wird es sehr eng. Ein Radfahrer hätte in solch einer Situation keine Chance, auszuweichen.

Zum dritten sieht der Landkreis Döbeln die Situation scheinbar anders als das Regierungspräsidium. „Es gibt ein Radwegekonzept für den gesamten Kreis, das auch schon im Kreistag beschlossen wurde“, erklärt Annemarie Paul. Das sieht auch einen straßenbegleitenden Radweg von Meinsberg nach Ziegra vor, der später nach Forchheim weitergezogen und letztendlich in den Muldentalradwanderweg münden soll.