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Schiller war in Görlitz der Erste

Am 23. Juni des Jahres 1861 geschah in Görlitz etwas, das die Einwohner bisher nicht kannten: Ein Denkmal wurde enthüllt, das einen bedeutenden Mann ehrte und auf einen Sockel hob – und das war noch nicht mal ein Görlitzer.

Von Hans Schulz

Am 23. Juni des Jahres 1861 geschah in Görlitz etwas, das die Einwohner bisher nicht kannten: Ein Denkmal wurde enthüllt, das einen bedeutenden Mann ehrte und auf einen Sockel hob – und das war noch nicht mal ein Görlitzer.

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Die Ehre, als Erster einen Görlitzer Gedenkstein erklommen zu haben, fiel Schiller zu, dem deutschen Dichterfürsten. Das geschah jedoch nicht, um das Andenken des berühmten Schreibers zu ehren. „Eines solchen Zeichens bedarf Schiller nicht, um fortzuleben im Herzen des Volkes“, erläuterte das 50 Jahre später ein Kommentar im „Neuen Görlitzer Anzeiger“. In der Tat standen Namen wie Schiller oder Goethe damals wesentlich höher im Kurs als heute. Kein Wunder, dass Dr. Blau bei der Enthüllung als Begründung nannte: „Es soll ein Denkmal der allgemeinen Begeisterung sein für den Sänger des Schönen, Wahren und Guten.“

In das Jahr 1859 fiel der 100. Geburtstag Schillers. Bei diesem trug sich so mancherlei zu, was man heute nicht mehr für möglich hält. Während der größte Teil der Bevölkerung dem Tag als einen Freudentag entgegensah, schien man in den „oberen“ Regionen eine gewisse Besorgnis vor dem Tag zu haben. Es wurde befürchtet, dass es zu unliebsamen Demonstrationen kommen könnte. Eine öffentliche Feier war deshalb nicht vorgesehen. Es sollte lediglich ein Vortrag über Schiller in einem Saal gehalten werden. Dr. Blau als Mitglied des Denkmalskomitees sorgte dennoch für eine öffentliche Feier. Er bat Görlitzer Fabriken und Innungen um Unterstützung. Die Eingeladenen kamen alle und unterstützten auch die Denkmals-Idee. Am Tag der Grundsteinlegung versammelten sich deshalb tausende Festteilnehmer auf der Elisabethstraße. Nach einer Ansprache begaben sich alle nach dem Obermühlenberg, wo die Grundsteinlegung stattfand. Die spätere Aufstellung des Denkmals aber ging nicht ohne Hindernisse vonstatten. Durch Beschädigungen musste sie verschoben werden und wurde schließlich auf den 23. Juni 1861, einen Sonntag, früh um 6 Uhr gelegt. Gleichzeitig wurde das Denkmal dem Magistrat der Stadt als Eigentum überlassen. Dr. Blau sagte als Grund dafür: „Eine besondere Bedeutung gewinnt ein Denkmal dadurch, dass es das erste öffentliche Denkmal ist, das in unserer an herrlichen Bauwerken aus alter und neuer Zeit so reichen Stadt errichtet wurde. Es steht auch als Zeichen eines tatkräftigen Gemeinsinns.“ Die Stadtverwaltung hörte diese Worte vielleicht mit gemischten Gefühlen, denn wohl bei keinem der später zahlreich in Görlitz Einzug gehaltenen Gedenksteine und Denkmäler hatte die Verwaltung der Ausführung solche Schwierigkeiten entgegen gesetzt wie gerade beim Schiller-Denkmal.

Heute hat die Stadt Görlitz und auch die Umgebung eine sehr große Anzahl von Denkmälern, die alle ihre Geschichte haben. Nach den Maßstäben von Dr. Blau und dem Schiller-Komitee zeigen die Denkmale mit den Porträts den „Stolz auf die ruhmreichen Herrscher und Geistesheroen“, und sie stehen auch, um „die kommenden Generationen auf die Taten unserer großen Männer durch einen mehr oder wenigen prunkvollen Stein aufmerksam machen.“

Das Schillerdenkmal ist noch immer in Görlitz zu finden. Es steht an der Kreuzung von Blockhausstraße und Dr.-Kahlbaum-Allee.