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Schinden für den sicheren Job

Kamenz. Wie dreizehnArbeitslose mit Hilfe derBildungs-Gesellschaft auf Wachdienst umsteigen.

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Von Reiner Hanke

Sven Kaspar packt den Arm seines Gegners, und im Handumdrehen liegt Thomas Jentsch auf dem Bauch. „Das ist eine Wurftechnik“, erklärt Kaspar. Er ist einer von 13 künftigen Sicherheitsleuten, die sich zurzeit bei der Kamenzer Bildungsgesellschaft (Kabi) fit machen für einen neuen Job in der Sicherheitsbranche.

Eine bunte Truppe im Alter zwischen 24 und 55Jahren trainiert im Übungsraum der Kabi auf blauen Gymnastikmatten. Sie kommen aus Nebelschütz, Radeberg oder Königsbrück – sind Koch, Lehrerin, Maler oder Hochbauer. So unterschiedlich ihre Berufe sind, haben sie doch drei Dinge gemeinsam: In ihrem Beruf finden sie keinen Job, sie haben es satt, von HartzIV zu leben und sind fest entschlossen, in den Wachschutz einzusteigen.

Mit ähnlichen Gedanken hatte auch Bundesverkehrsminister Tiefensee im Sommer für Diskussionen gesorgt. Er wurde teilweise belächelt. Die Kabi fühlt sich aber bestärkt und zeigt, was mit einem professionellen Konzept möglich ist. Die Kamenzer Schüler haben am Ende der viermonatigen Ausbildung ein Papier der Industrie- und Handelskammer in der Tasche. Die praktische Schulung hat Velislav Donev übernommen. Der Bulgare bringt Erfahrungen aus dem Kampfsport mit. Bei ihm lernen die angehenden Wachleute den Umgang mit dem Tofa, einem Schlagstock, Tricks und Griffe, um Hitzköpfe oder Diebe zur Vernunft zu bringen. „Es geht nicht darum jemanden zu verletzen oder aggressiv zu sein, sondern eine brenzlige Situation unter Kontrolle zu bringen“, so Donev. Deeskalation sagt Kiba-Chef Peter Friedrich. Die erfordert aber noch mehr, als ein paar flinke Griffe: Den Umgang mit Menschen, den Einblick in rechtliche Grundlagen, den Umgang mit Schusswaffen, auch einige Brocken Englisch und viele andere Details rund um den Wachdienst.

Weiße Weste ist wichtig

Peter Friedrich: „Der Sicherheitsdienst ist an keine Berufserfahrung gebunden, und der Bedarf steigt ständig.“Ein paar Fähigkeiten müssen die Interessenten aber mitbringen: Zuverlässigkeit und Verantwortungsbewusstsein gehören dazu. Außerdem sollte ihr Vorstrafenregister sauber sein. Hinter diesem und vielen anderen Bildungsprojekten der Kiba (Kasten) steht der Landkreis Kamenz. An die 30000Euro fließen allein in diesen Lehrgang, einer Gemeinschaftsaktion mit Bautzen und Hoyerswerda: „Es ist für die Leute aber eine gute Chance, den beruflichen Neuanfang zu schaffen und hat Perspektive“, so Friedrich.

Das bestätigt Wolfgang Krügel von der Sicherheit Nord, einem großen deutschen Wachdienst mit 2500 Leute. Er hat auf der Suche nach Mitarbeitern den Kontakt zu den Kamenzern geknüpft. Die Terrorangst lasse die Branche zum Beispiel wachsen. Verschärfte Warenkontrollen seien deshalb ein Einsatzgebiet. Genauso seien die Wachleute auf Messen und Veranstaltungen oder im Objektschutz auf Achse. Für die Bildungsgesellschaft ist die Partnerschaft nicht weniger wichtig, sagt Peter Friedrich. So könne die Kiba gezielt nach den Wünschen der Praktiker ausbilden. Wolfgang Krügel verspricht sogar: Alle 13 Sicherheitsschüler könnten allein bei ihm unterkommen. Mobil sollten sie aber sein, fordert der Mann aus Berlin. Das ist für die meisten keine Hürde. So wäre auch Sven Kaspar bereit, dem Job hinterher zu ziehen. Einige nicken, andere wollen erstmal die Angebote abwarten.

Henri Koslowski ist inzwischen außer Atem vom Training: Er habe sich schon mal in einem Schloss als Wachmann beworben, aber einen Korb bekommen. Jetzt verspricht er sich bessere Chancen. Dafür lohne sich die Schinderei. Die gelernte Kauffrau Claudia Pech will künftig bei Konzerten oder in der Disco für Ordnung sorgen und sagt sogar: „Das ist mein Traumjob.“