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Schlachter dürfen auch gut essen

Nach Corona-Ausbrüchen in Schlachthöfen nimmt die Regierung die Branche ins Visier. Genügt das? SZ-Redakteur Georg Moeritz hat Zweifel.

SZ-Redakteur Georg Moeritz erwartet, dass Fleischfabrikanten auch künftig jede Möglichkeit nutzen werden, die Produktion billig zu halten.
SZ-Redakteur Georg Moeritz erwartet, dass Fleischfabrikanten auch künftig jede Möglichkeit nutzen werden, die Produktion billig zu halten. © dpa/SZ

Wird jetzt alles besser? Die Bundesregierung will in Schlachthöfen Werkverträge und Leiharbeit verbieten, der Unternehmer Clemens Tönnies hat Neubauwohnungen für seine künftig angestellten Arbeiter versprochen. Wenn dort die Miete nicht zu hoch wird, können sich die Schlachter bald ein Steak mehr leisten, und Gewerkschafter müssen keine Ausbeutung mehr beklagen.

Nur der Schreck über massenhafte Corona-Erkrankungen hat es möglich gemacht, schnell neue Arbeitsschutzregeln aufzustellen. Vorher wollte kaum jemand etwas von den Fleischzerlegerkolonnen im Kühlhaus hören. Sie schienen so weit weg wie die Textilarbeiterinnen, deren Arbeit längst aus Deutschland ins Billiglohnland Bangladesch verlagert wurde.

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Die Fleischfabriken sind hiergeblieben, nutzen aber vielfach billige Arbeitskräfte aus Osteuropa, die sich auf nachteilige Vertragskonstrukte einließen. Nachdem Scheinselbstständigkeit in dieser Branche bekämpft wurde, wichen die Personalchefs auf Werkverträge aus.

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Die Fleischfabrikanten werden auch künftig gerade noch erlaubte Wege suchen, um die Produktion billig zu halten. Wer bessere Arbeitsbedingungen unterstützen will, muss sich zum Beispiel nach Bioprodukten durchfragen. Doch die Erfahrung zeigt, dass beim Bezahlen oft die Solidarität – ein selten gewordenes Wort – mit den Erzeugern endet. Über sie wird am liebsten nicht nachgedacht, so wenig wie über Erntehelfer, Schiffsbesatzungen, Minenarbeiter und Reinigungskräfte.

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