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Schläger gerät an den Falschen

Aus heiterem Himmel hat ein 28-Jähriger in Dresden einen Mann verletzt. Einen plausiblen Grund für den Gewaltausbruch nennt er vor Gericht nicht.

© Symbolbild: dpa/Arno Burgi

Das war wirklich Pech. Seinen grundlosen Kopfstoß verpasste ein 28-Jähriger ausgerechnet einem angehenden Kommissar der Bundespolizei. Der Verletzte und sein Kollege sorgten dafür, dass der Täter wenig später gestellt werden konnte.

Für sein Alter ist David D. recht justiz- und hafterfahren. Er hatte ganz offensichtlich früh massive Drogenprobleme, weshalb er schon als Teenager quer durchs Strafgesetzbuch vagabundierte. Die Justiz, auch das zeigt der Blick in das Vorstrafenregister, hatte es lange gut mit dem renitenten Jugendlichen gemeint. 

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Viele, teils heftige Vorwürfe wurden nach Jugendgerichtsgesetz eingestellt oder es wurde aus anderen Gründen von einer Strafverfolgung abgesehen. Es ging um Drogen, Waffen und auch schon um Körperverletzung.

Als 17-Jähriger erhielt D. seine erste zehnmonatige Jugendstrafe wegen räuberischer Erpressung. Irgendwann landete er tatsächlich wegen eines ganzen Straußes an Gewalttaten für mehr als zwei Jahre im Jugendknast. Als Erwachsener machte er gerade so weiter. Er hat mindestens zwei weitere mehrjährige Strafen abgesessen und wurde zuletzt im Juni 2017 „auf Bewährung“ aus der Haft entlassen. Nun droht ihm der Widerruf der offenen Bewährung von einem Jahr, denn der 28-Jährige hat wieder zugeschlagen. Er stand nun vor dem Amtsgericht Dresden.

Laut Anklage hat sich die Tat im August 2018 in einer Straßenbahn in der Neustadt zugetragen. D. habe dort gegen 3 Uhr morgens ohne erkennbaren Anlass einem 34-Jährigen mit einem massiven Kopfstoß die Nase gebrochen. Der Mann musste operiert werden, ein weiterer Eingriff, um seine Nase zu richten, steht noch immer aus. 

„Der Vorwurf stimmt“, erklärte Katja Reichel, D.s Verteidigerin. Ihr Mandant sei angetrunken gewesen, wie auch das Opfer. Die Männer in der Bahn hätten herumgegrölt und D.s Begleiterinnen „angemacht“. Selbst wenn das tatsächlich so gewesen wäre, entgegnete der Vorsitzende Richter Roland Wirlitsch, sei das kein Grund, dem Mann die Nase zu brechen.

Von wegen herumgegrölt

Die Fotos der Überwachungskamera in der Bahn bezeugen ein anderes Geschehen. Erkennbar ist, wie der Kommissar in spe und sein Kumpel in der Bahn sind, es wird offensichtlich weder gegrölt noch gesprochen. Plötzlich kommt D. auf den Geschädigten zu und stößt unvermittelt mit seinem Kopf zu. Der Begleiter des Verletzten, auch angehender Bundespolizist, geht dazwischen, schützt seinen Kumpel vor weiteren Schlägen. 

An der Haltestelle Stauffenbergallee verlässt D. die Bahn, die Männer folgen ihm. D. soll getan haben, als habe er eine Pistole dabei. „Wir haben uns daher sicherheitshalber zurückgezogen“, sagte der Freund des Opfers. Doch die Polizei war längst alarmiert und stellte den Täter.

Das Schöffengericht verurteilte den Angeklagten zu zehn Monaten haft ohne Bewährung: D. sei vorbestraft bis unter die Hutkrempe, habe unter Bewährung gestanden und habe aus heiterem Himmel massiv Gewalt ausgeübt.

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