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Schläger von Ostrau erhalten Bewährungsstrafen

Die drei jungen Männer aus Bad Schandau müssen nicht ins Gefängnis. Sie sollen aber 3 500 Euro Schmerzensgeld zahlen.

© Marko Förster

Von Jörg Stock

Im Prozess um den Überfall auf die Jugendherberge Ostrau vorigen September sind gestern am Pirnaer Amtsgericht die Urteile gefallen. Die drei Angeklagten wurden der gefährlichen Körperverletzung für schuldig befunden und erhielten Haftstrafen zwischen acht Monaten und einem Jahr und drei Monaten, die jedoch zur Bewährung ausgesetzt wurden. Während der Bewährungszeit, die zwei bis drei Jahre beträgt, sollen sie monatlich zehn Stunden gemeinnützig arbeiten oder 50 Euro zahlen. Außerdem müssen die Verurteilten insgesamt 3 500 Euro Schmerzensgeld an das Opfer der Prügelattacke zahlen, einen Hamburger Schüler mit taiwanesischen Wurzeln.

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Ausdrücklich nicht festgestellt hat das Gericht einen fremdenfeindlichen Hintergrund der Tat. Man habe keine rechten Überzeugungstäter vom Format der NSU vor sich, soll es sinngemäß in der Urteilsbegründung geheißen haben. Gerichtssprecher Andreas Beeskow erklärte, das Motiv für den Übergriff seien wohl Streitigkeiten auf dem Ostrauer Dorffest sowie Auseinandersetzungen unter Fußballfans gewesen.

Verhandelt wurde wie schon beim Auftakt vor einer Woche unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Grund: In dem Prozess ging es auch um eine Polizistenbeleidigung, bei der einer der Angeklagten, Felix K., noch nicht volljährig war. Die Aussperrung der Zuschauer hatte große Enttäuschung ausgelöst und war von der Opferberatung für Betroffene rechter Gewalt RAA in Dresden als ungerechtfertigt kritisiert worden. Gerichtssprecher Beeskow verteidigte gestern noch einmal das Vorgehen. Es sei dem Gericht um die Sachaufklärung gegangen. Bei einer Befragung der Angeklagten vor vollem Saal hätte man schwerlich etwas über ihre Motive erfahren, sagte er.

Das Motiv bleibt auch nach Abschluss des Prozesses weitgehend im Dunklen. Die Angeklagten hatten sich ihr Tun in der Verhandlung angeblich selbst nicht erklären können. Anwalt Björn Elberling, der den verletzten Jungen als Nebenkläger vertrat, nannte das Fußball-Motiv „hanebüchen“. Die Hamburger Schüler seien auf dem Dorffest bewusst den Fragen nach ihren bevorzugten Fußballvereinen ausgewichen, um Krawall zu vermeiden. Warum stürmten die Täter dann trotzdem eine halbe Stunde später entschlossen in die Herberge und prügelten einen asiatisch aussehenden Jungen unvermittelt krankenhausreif? Anwalt Elberling ist nach wie vor überzeugt: So eine Gewalttat muss mit fremdenfeindlicher Gesinnung zu tun haben.

Staatsanwaltschaft erwägt Berufung

Marianne Thum von der Opferberatung RAA schließt sich Elberling an. Für das fremdenfeindliche Motiv sprächen neben Zeugenaussagen die Aktivitäten der Angeklagten im Internet. Tatsächlich findet man unter den Facebook-Freunden der drei lokale Mandatsträger der NPD wie Carmen Steglich, den Chef des Bad Schandauer Szeneladens „Nordic Flame“, Martin Bubsch Hering, Personen aus dem Dunstkreis der einstigen SSS, der Skinheads Sächsische Schweiz sowie Leute, die als Hooligans gelten. Dazu käme die Auswahl des Opfers. „Was braucht es noch, damit die Staatsanwaltschaft von einem rassistischen Motiv ausgeht?“, fragt Marianne Thum.

Der Sprecher der Dresdner Staatsanwaltschaft Lorenz Haase schließt nicht aus, dass die Angeklagten rechtes Gedankengut hegen. Das bedeute jedoch nicht automatisch, dass darin das Motiv liege. Der Nachweis von Motiven sei schwierig und in diesem Fall eben nicht gelungen. „Ich kann ja in keinen Kopf reingucken“, sagt Haase. Vorwürfe, die Polizei habe nicht intensiv genug in der rechten Ecke ermittelt, weist Haase zurück. Ausdrücklich lobt er die Arbeit der Polizisten, und dass es ihnen überhaupt gelungen sei, die Täter zu ermitteln.

Als Erfolg wertet der Staatsanwalt auch, dass alle drei Angeklagten verurteilt wurden. Dennoch denke man über eine Berufung nach, weil einer der Verurteilten, David K., statt der geforderten zwei Jahre Freiheitsstrafe nur ein Jahr und drei Monate Haft auf Bewährung erhalten hatte. Die Entscheidung, ob man das Urteil anfechten wolle, werde in den nächsten Tagen fallen, sagte Haase.