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Bund und Bahn im Schlamassel

Eine Reservierungspflicht für Züge der Deutschen Bahn kann nur die letzte aller möglichen Optionen sein: Ein Kommentar.

Wolfgang Mulke ist Wirtschaftskorrespondent der Sächsischen Zeitung.
Wolfgang Mulke ist Wirtschaftskorrespondent der Sächsischen Zeitung. © Stefan Sauer/dpa/SZ

Es ist schon einige Jahre her, als ein Sturm der Entrüstung durch das Land tobte. Grund war die Idee, für die Züge der Deutschen Bahn eine Reservierungspflicht einzuführen und die Bahncard abzuschaffen. Beides wurde zum Glück nicht verwirklicht. Die spontane Zugfahrt ist einer der großen Vorteile des Schienenverkehrs. Das sollten die Kritiker am Corona-Konzept der Bahn bedenken, wenn sie nun auf eine begrenzte Vergabe von Plätzen pochen.

Ausschließen sollte eine verpflichtende Platzreservierung dennoch niemand. Derzeit ist das Infektionsrisiko während einer Bahnfahrt gering. Das könnte sich im Herbst ändern, wenn überall weiter steigende Infektionszahlen zu verzeichnen sein sollten. Wenn zudem die Disziplin beim Tragen einer Maske zurückgeht, müssen sich Bund und Bahn die Frage der Sicherheit im Zug womöglich neu stellen.

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Beide stecken diesbezüglich im Schlamassel. In der Bevölkerung wird das Ansteckungsrisiko mit Covid-19 generell deutlich stärker wahrgenommen als es tatsächlich ist. So erscheint dann auch vielen Kunden schnell eine Bahnfahrt im vollen Zug als gefährliche Reise. Damit könnten die mühsamen Versuche scheitern, Vertrauen in den öffentlichen Personenverkehr zurückzugewinnen. Corona wird dann zur Gefahr für die Verkehrswende.

Was, wenn der Zug ausfällt?

Auf der anderen Seite ist die Bahn auf jeden zahlenden Passagier angewiesen. Wirtschaftlich ist die Krise für das Unternehmen aufgrund der schon entgangenen Einnahmen ohnehin ein Desaster. Kunden gewinnt die Eisenbahn in Deutschland jedoch nur zurück, wenn sich die Fahrgäste gut und sicher aufgehoben fühlen. Geht dieses Gefühl verloren, hilft wohl nur eine Koppelung des Tickets an einen Sitzplatz.

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Das kann nur die letzte Option sein. Immer wieder einmal fallen Züge aus, werden Anschlüsse verpasst. Die betroffenen Kunden dürfen heute selbstverständlich die nächste Verbindung nutzen. Einen Sitzplatz dafür haben sie naturgemäß nicht gebucht. Bei einer Pflicht dazu stranden sie folglich an irgendeinem Bahnhof. Eine funktionierende Lösung wird nicht leicht zu finden sein.

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