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Schlammlawine überrollt Neundorf

Zum wiederholten Mal wird der Pirnaer Ortsteil Neundorf vom Unwetter heimgesucht. Mehrere Grundstücke erwischt es heftig.

Bauhofmitarbeiter bei Aufräumarbeiten am Dienstag neben der Bäckerei Engelhardt in Neundorf: Der eingetrocknete Schlamm musste mühsam weggeschaufelt werden.
Bauhofmitarbeiter bei Aufräumarbeiten am Dienstag neben der Bäckerei Engelhardt in Neundorf: Der eingetrocknete Schlamm musste mühsam weggeschaufelt werden. © Daniel Schäfer

Als sich das Gewitter am Montagabend über Pirna zusammenbraute, blitzte und donnerte es zwar mächtig, der angekündigte Regen blieb aber zunächst aus. Doch wenig später ergoss sich das Nass aus den Wolken geballt über der Stadt, den Ortsteil Neundorf erwischte es zum wiederholten Mal besonders heftig.

Bis 80 Liter Wasser je Quadratmeter sollen in einer Stunde über dem Ort niedergegangen sein – eine Menge, die weder die Böden noch die Kanäle auffangen konnten. Kurz vor 22 Uhr wälzte sich eine mächtige Wasser- und Schlammlawine die steile Vorwerkstraße hinunter bis zur großen Kreuzung im Dorfzentrum. Mitgespülter Kies und Schlamm verstopften Gullys und drang in Garagen, Geschäftsräume und Wohnhäuser ein. „Diesmal war es besonders schlimm“, sagt Rita Werner von der Firma „Farbnuance“, die direkt an der Ecke Vorwerkstraße/Alt Neundorf ihren Sitz hat.

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Erst über die sozialen Netzwerke, schildert Rita Werner, hätten die Mitarbeiter von dem Unwetter und seinen Folgen erfahren. Gegen 22.15 Uhr trafen fünf Beschäftigte vor Ort ein, wo sich ihnen das ganze Ausmaß der Lawine offenbarte: Der Schlamm hatte sich gleich von zwei Seiten – sowohl von der Vorwerkstraße als auch von der Straße Alt Neundorf – auf das Firmengrundstück geschoben. Doch dabei war es nicht geblieben. Der mitgespülte Unrat hatte sich durch die Haustür an der Vorwerkstraße sowie durch die Bürotür an der Straße Alt Neundorf ins Gebäudeinnere gedrückt, auf dem Boden standen Wasser und Schlamm. In anderthalb Stunden beseitigten die Mitarbeiter die gröbsten Schäden und schaufelten den Schlick aus den Räumen. Aus dem Grundstück muss er aber noch raus. „Zumindest waren wir am Dienstagmorgen wieder arbeitsfähig“, sagt Rita Werner.

Die Bäckerei Engelhardt traf es ebenso, zudem noch weitere Grundstücke. Noch in der Nacht schaufelten Anwohner – teilweise barfuß – Schlamm aus den Grundstücken, mithilfe von Wasser, Schaufeln und Besen beseitigten sie den Dreck von den Fußwegen.

Nach Aussage der Stadt waren die Wassermassen von den Feldern und den Waldgebieten an den Hängen zwischen Neundorf und Krietzschwitz dann über die Vorwerkstraße talwärts geschossen. „Die Lawine brachte viel Schlamm, Kies und Äste mit“, sagt Stadtsprecherin Jekaterina Nikitin. Insgesamt zehn Kameraden der Pirnaer Feuerwehr-Hauptwache sowie der Ortswehr Neundorf waren ausgerückt, um die Schäden zu beseitigen. Zunächst widmeten sie sich dem größten Problem: Unter der Vorwerkstraße gibt es oberhalb von Neundorf einen größeren Durchlass, über den das Wasser üblicherweise abläuft. Doch die heftigen Niederschläge konnte der Kanal nicht fassen. Zudem hatten Holz und Schlamm den Durchlass verstopft. Die Feuerwehrleute legten den Durchlass eilig wieder frei, damit nicht noch mehr Wasser über die Vorwerkstraße zu Tale schießt.

Danach öffneten die Einsatzkräfte mehrere Gullys, spülten die Kanäle frei, säuberten Schnittgerinne und befreiten die Straßen soweit vom Schlamm, dass sie zumindest wieder befahrbar waren und der Verkehr nicht mehr beeinträchtigt war.

Nächtlicher Feuerwehreinsatz in Neundorf: Wasser und Schlamm hatten Gullys und Kanäle verstopft. 
Nächtlicher Feuerwehreinsatz in Neundorf: Wasser und Schlamm hatten Gullys und Kanäle verstopft.  © Foto: Bernd März

Mitarbeiter des Pirnaer Bauhofes erledigten am Dienstag die Restarbeiten. Sie befreiten die restlichen Gehwege vom Schlamm, weil der aber schon eingetrocknet war, musste er mühsam weggeschaufelt werden. Zudem spülten sie die Abflüsse, zum Schluss reinigte die Kehrmaschine die vormals überspülten Straßen.

Nach Abschluss der Arbeiten stellten die Bauhof-Mitarbeiter fest, dass das Wasser einige Stellen am Eichbuschweg, am Eichgrundweg und an der Weinleite ausgespült hatte. Nach Auskunft des Rathauses werden diese Schäden jetzt vom Bauhof schrittweise beseitigt.

Es war nicht das erste Mal, dass Wasser den Ortsteil Neundorf überflutete. Schon im Mai 2018 und auch 2017 ergossen sich Schlammlawinen in das Dorf. Die Anwohner fordern daher erneut einen besseren Schutz.

Der Stadt ist die Problematik schon seit geraumer Zeit bekannt. Im Bereich des Krietzschwitzer Berges, so das Rathaus, werde der Krietzschwitzbach bei Unwetterereignissen häufig überlastet. Die Folge sei wild abfließendes Wasser, dass Straßen, Fußwege und Grundstücke überschwemme. Pirna strebt daher eine Lösung an, das vom Krietzschwitzer Berg abfließende Wasser künftig schadlos in den Bach einzuleiten. Eine Studie zur Entwässerung des Bereichs Krietzschwitz, erarbeitet von einem Ingenieurbüro, liegt bereits vor.

Doch bis zu einem wirksamen Schutz dauert es noch: Die Studie werde derzeit mit weiteren zuständigen Behörden abgestimmt, um gemeinsam nächste Schritte festzulegen. Neben den technischen Lösungen müsse aber zunächst auch die Finanzierung – beispielsweise über Fördermittel – geklärt werden.

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