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Schlangestehen wegen des Kita-Streiks

Frühes Erscheinen sichert einen Platz in der Notbetreuung. Die Erzieher wollen auch nächste Woche streiken.

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Von Juliane Richter

Wer auf Nummer sicher gehen will, steht möglichst zeitig vor der Kita „Alaunkids“ am Alaunplatz. Normalerweise öffnet die Einrichtung um 6 Uhr morgens. Wegen des unbefristeten Streiks der Erzieher ist in den vergangenen Tagen ein Notbetrieb eingerichtet worden. Der startet um 8 Uhr.

Die Alleinerziehende Magdalena und ich stehen nun schon den zweiten Morgen in Folge für die Notbetreuung an. Meine Schicht als Altenpflegerin geht aber eigentlich um 7 Uhr los. Mein Chef ist zum Glück sehr kulant und lässt mich erst 8.30 Uhr anfangen. Für
Die Alleinerziehende Magdalena und ich stehen nun schon den zweiten Morgen in Folge für die Notbetreuung an. Meine Schicht als Altenpflegerin geht aber eigentlich um 7 Uhr los. Mein Chef ist zum Glück sehr kulant und lässt mich erst 8.30 Uhr anfangen. Für
Der Mann einer Erzieherin Ich kann beide Seiten verstehen – die verärgerten Eltern, aber auch die Forderungen der Erzieher. Meine Frau arbeitet selbst als Erzieherin in einer städtischen Kita. Sie brauchen mehr Gehalt, weil sie wirklich viele Kinder in ei
Der Mann einer Erzieherin Ich kann beide Seiten verstehen – die verärgerten Eltern, aber auch die Forderungen der Erzieher. Meine Frau arbeitet selbst als Erzieherin in einer städtischen Kita. Sie brauchen mehr Gehalt, weil sie wirklich viele Kinder in ei

Schon eine halbe Stunde vorher hat sich Constanze Vogel mit ihrer vierjährigen Tochter Magdalena vor das verschlossene Tor gestellt. „Gestern waren wir auch die Ersten. Aber es sind auch so alle reingekommen, haben mir die Erzieherinnen erzählt“, sagt die 38-Jährige. Die alleinerziehende Mutter hat kaum Alternativen, um ihre Tochter betreuen zu lassen – sie könnte höchstens Urlaub nehmen.

Wie sie stehen gestern Morgen etwa 25 weitere Eltern mit ihren Sprösslingen in der Schlange. Man kennt sich, die Stimmung ist gut. Da wissen die Erwachsenen aber auch noch nicht, dass der Streik fortgesetzt wird. Wie Jörg Förster, Sprecher der Gewerkschaft Verdi, auf Nachfrage bestätigt, sollen die Kitas heute und am Freitag normal öffnen. Für Montag und Dienstag rufen die Gewerkschaften in Dresden jedoch wieder zum Streik auf. „Wir warten noch immer auf ein ernsthaftes Angebot der Arbeitgeberseite“, sagt Förster. Käme das, würde der Streik sofort beendet. Über den neuen Ausstand werden die Eltern in Briefen informiert, die über die Kitas verteilt werden. Darin steht, dass die kommunalen Arbeitgeberverbände auf Zeit spielen würden, was zur „Fortsetzung des Erzwingungsstreiks“ führt.

Die Gewerkschaften fordern eine höhere Eingruppierung der Mitarbeiter, die zehn Prozent mehr Gehalt einbringen soll. Für dieses Ziel haben gestern in Dresden rund 750 Erzieher aus 42 Einrichtungen die Arbeit niedergelegt. Das waren zehn Einrichtungen weniger als am Montag sowie achtzehn weniger als noch am Freitag. Laut Mitteilung der Stadt waren gestern insgesamt etwa 9 000 Kinder in städtischen Kitas und Horteinrichtungen von dem Streik betroffen. Wie schon bei den vorherigen Ausständen haben viele Eltern das Informationsangebot der Stadt genutzt. Mehr als 2 300-mal wurde die speziell eingerichtete Internetseite aufgerufen. Zudem nutzten fast 100 Eltern die Telefonhotline und erkundigten sich nach einem Ersatzbetreuungsplatz in einer anderen Dresdner Kita. Allen hätte geholfen werden können, heißt es aus der Stadtverwaltung.

Diese rechnet bereits heute mit ersten Informationen zu den Streiktagen nächste Woche. Diese sind erneut über die Internetseite abrufbar. Am Montag gibt es ab 6.15 Uhr wieder Telefonauskünfte.

www.dresden.de/kitas-streik