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„Schlaue Krähen suchen neue Heimat“

Große Krähenschwärme fliegen morgens über der Stadt. Der Ornithologe Markus Ritz sagt, was es damit auf sich hat.

© Pawel Sosnowski/80studio.net

Von Ines Eifler

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Der NeißePark in Görlitz hat sich für den 14. September etwas ganz Besonderes ausgedacht.  Verwöhnprogramm inklusive.

Kurz vor Sonnenaufgang sitzen die schwarzen Vögel noch in den Bäumen am Klinikum. Im Morgengrauen fliegen sie in riesigen Formationen über die Stadt in Richtung Neiße, zum Stadtpark, mit dem typischen Geräusch eines Krähenschwarms.

Herr Ritz, sind in diesem Winter mehr Saatkrähen als sonst in Görlitz? Oder warum fallen die Schwärme so auf?

Mehr sind es vermutlich nicht. Aber wir haben bemerkt, dass die Krähen aus dem Norden und Osten, die ihren Winter bei uns verbringen, ihren früheren Schlafplatz südlich von Hagenwerder verlassen haben. In den vergangenen zwei Jahren hatten sie sich dort zu Tausenden versammelt.

Und jetzt haben sie ihren Schlafplatz ans Klinikum verlegt?

Das ist vermutlich nur eine Zwischenstation für einen Teil der Vögel, für ein paar Hundert vielleicht, sie sind schwer zählbar. Wir haben etwas recherchiert, aber den großen diesjährigen Übernachtungsort haben wir noch nicht ausfindig gemacht. Hinweise sind deshalb gern willkommen.

Warum ändern die Krähen überhaupt ihren Schlafplatz?

Weil sie sich gestört fühlen, zum Beispiel durch Krach machende Anwohner. Oder auch durch natürliche Ursachen wie einen Habicht, der die Krähen bedroht. Es ist nicht ungewöhnlich, dass sie den Ort hin und wieder wechseln.

Wie können so viele Vögel gemeinsam entscheiden, wo sie übernachten?

Krähen sind sehr schlau und haben eine ausgefeilte Kommunikation durch Laute und Gesten. Deshalb „sprechen“ sich Gefahren oder auch gute Futterplätze schnell herum, und die Tiere reagieren flexibel.

Wo sind die Krähen am Tag unterwegs?

Sie teilen sich in kleinere Gruppen auf, in denen sie im Umkreis von etwa 30 Kilometern unterwegs sind. Wird irgendwo ein Feld umgegraben oder etwas ausgesät, bemerken sie das, geben die Information weiter und fliegen dahin. Man sieht sie auch auf Wiesen, zum Beispiel im Stadtpark, oder auch auf der Elisabethstraße, wo sie aufpicken, was Menschen fallen lassen.

Richten sie auch mal Schaden an?

Früher wurden sie als Feldschädlinge verfolgt, aber inzwischen weiß man, dass Krähen eher nützlich sind, weil sie auch Engerlinge und Mäuse fressen.

Und wie lange bleiben sie bei uns?

Die ersten Krähen fliegen etwa Mitte März wieder heim nach Russland oder ins Baltikum, in Höhen von bis zu 1 000 Metern, sodass wir es kaum bemerken. Die den weitesten Weg haben, brechen als Erste auf. Heimische Saatkrähen gibt es in Görlitz nicht mehr, die nächsten Kolonien leben in Zittau und Löbau. Sie sind aber wesentlich kleiner als die Schwärme der Wintergäste.

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