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Schlechte Aussichten für Seyde

Dem Ort drohen hohe Kosten für die Abwasserentsorgung. Damit wollen sich die Bürger aber nicht abfinden.

© Matthias Schumann

Von Regine Schlesinger

Seyde. Der Wasserzweckverband Freiberg wird einen Antrag auf Fördermittel für den Kauf eines Entsorgungsfahrzeuges stellen, sagt Sylvia Braune, die Geschäftsführerin des Verbandes. Der Verband ist auch für Hermsdorf und dessen Ortsteil Seyde sowie Hartmannsdorf-Reichenau zuständig. Der Fördermittelantrag ist das Ergebnis einer Beratung beim Wasserzweckverband, an der in der vorigen Woche auch die Bürgermeister von Hermsdorf/E. und Hartmannsdorf-Reichenau teilgenommen haben. Dieses zusätzliche Fahrzeug brauchen die Freiberger, da künftig viel häufiger als bisher das Abwasser aus den Klärgruben in Seyde und dem Gimmlitztal zu entsorgen ist. Ein Großteil der Grundstückseigentümer muss seine Abwasserentsorgung auf abflusslose Gruben umstellen. Vollbiologische Kleinanlagen scheiden aus, weil der Erzgebirgsort in einem Trinkwasserschutzgebiet liegt und zudem ein Brunnendorf ist. Da ist das mit dem Versickern selbst des geklärten Abwassers schwierig. Die Entsorgung der abflusslosen Gruben kommt die Einwohner aber sehr teuer. 21,07 Euro kostet derzeit der Kubikmeter. Deshalb bemüht sich eine Bürgerinitiative schon seit Längerem um eine Entlastung der betreffenden Grundstückseigentümer.

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Solidarpreis gefordert

Die Bürgerinitiative von Seyde fordert einen Solidarpreis – quasi als Ausgleich, weil sonst der Ort wegen seiner Lage im Trinkwasserschutzgebiet einen unverhältnismäßig hohen Nachteil in Kauf nehmen müsste. Sie verweist darauf, dass es dafür sogar entsprechende gesetzliche Regelungen gibt. Doch bislang gibt es seitens des Freistaates keine Signale, die die Betroffenen hoffen lassen könnten. Der Fördermittelantrag fürs neue Fahrzeug samt Garage – sollte er denn bewilligt werden – scheint bislang das einzig greifbare Ergebnis. „Eine wesentliche Gebührensenkung ist damit allerdings nicht verbunden“, bedauert Reinhard Pitsch (parteilos), der Bürgermeister von Hartmannsdorf-Reichenau. Ein bisschen könnte die Gebühr aufgrund der Förderung zwar runtergehen, aber das hilft weder den Anwohnern von Seyde noch den Gimmlitztalern wirklich, die ebenfalls aufgrund des Trinkwasserschutzes abflusslose Gruben bauen müssen. Weitere Möglichkeiten, auf die Gebühr Einfluss zu nehmen, sieht der Verband laut Reinhard Pitsch nicht.

Es sei denn, durch eine höhere Gebühr auch für alle anderen im Gebiet der Freiberger Wasserzweckverbandes. Doch das dürfte schwer durchzusetzen sein. Geschäftsführerin Sylvia Braune verweist darauf, dass für den gesamten Verband die Gebühr 2017 neu kalkuliert werden muss. Dann werde man sich sicher auch dazu positionieren müssen, sagt sie. Für die betroffenen Grundstückeigentümer ist das alles nicht befriedigend. Zwar können sie aufgrund einer neuen Richtlinie auch noch in diesem Jahr Fördermittel für den Bau der abflusslosen Gruben beantragen, obwohl das eigentlich nur bis Ende 2015 möglich war. Doch trotz der Förderung sind die Investitionskosten kein Pappenstiel. Und zu denen würden dann Jahr für Jahr noch die hohen Entsorgungskosten dazukommen. Für eine vierköpfige Familie können das bis zu 2 000 Euro pro Jahr sein. „Wenn in unserem Ort jemand von den Leuten wohnen würde, die das zu entscheiden haben, sähe es sicher anders aus“, bemerkt Falk Zimmermann von der Bürgerinitiative Seyde bitter. Da das aber nicht der Fall ist, wird die Bürgerinitiative weiter alles daran setzen, eine gerechte Lösung für die Abwasserentsorgung zu erreichen.