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Großenhain

Schlechte Nachricht für die TV-Familie

Erstmals hat ein Gericht zur RTL-Sendung „Zuhause im Glück“ entschieden: Die Renovierung ist steuerpflichtig.

Da war die Welt noch in Ordnung: Als Juliane und Alexander Thiere im Beisein von Architektin Eva Brenner im März 2017 den Schlüssel zum umgebauten Haus erhielten, ahnten sie nicht, welche Entwicklung die Dinge nehmen.
Da war die Welt noch in Ordnung: Als Juliane und Alexander Thiere im Beisein von Architektin Eva Brenner im März 2017 den Schlüssel zum umgebauten Haus erhielten, ahnten sie nicht, welche Entwicklung die Dinge nehmen. © Anne Hübschmann

Nun ist es amtlich: Zwei Jahre, nachdem Deutschlands beliebtestes Handwerkerteam das Haus von Juliane und Alexander Thiere aus Bauda umgebaut hat, fiel jetzt erstmals eine Entscheidung darüber, ob derlei Arbeiten einkommenssteuerpflichtig sind.

Der erste Senat des Finanzgerichtes in Köln plädiert eindeutig auf Ja. Alle angefallenen Renovierungs- und Sanierungskosten müssten als zusätzliches Einkommen versteuert werden. Bitter für eine Familie aus Nordrhein-Westfalen, die gegen ihren Einkommenssteuerbescheid vom August 2018 juristisch zu Felde gezogen war. Und bitter für alle anderen Teilnehmer des inzwischen eingestellten Fernsehformats, die noch Hoffnungen hegten.

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Hoffnungen, die sich nun zerschlagen haben. Wie Gerichtssprecherin Bettina Berghoff am Montag im SZ-Gespräch erklärt, sei entscheidend, dass sich die Teilnehmer an der Sendung „Zuhause im Glück“ vertraglich gegenüber der Produktionsgesellschaft verpflichtet hätten, unterschiedliche Leistungen zu erbringen. 

Sie überließen etwa dem Fernsehteam ihr Haus zum Zwecke des Umbaus und der Dreharbeiten, stünden für Interviews zur Verfügung und räumten Verwendungsrechte der Dokumentation gegenüber dem Sender RTL II ein. Im Gegenzug müssten betreffende Familien wie Thieres aus dem Großenhainer Ortsteil Bauda zwar nicht die anfallenden Kosten für den Umbau, das Malern oder verschiedene Einrichtungsgegenstände bezahlen. 

„Was jedoch absolut nichts daran ändert, dass die Leistungen als geldwerter Vorteil bei der Steuererklärung angegeben und schließlich auch versteuert werden müssen“, sagt Bettina Berghoff.

In welcher Höhe habe das Gericht in seinem Beschluss noch nicht festgelegt. Denn der Senat habe die Vollziehung der Steuer – festgelegt waren satte 65 Prozent – zunächst einmal überwiegend ausgesetzt. Das zuständige Finanzamt habe nicht klar zwischen den Kosten der Renovierung und den allgemeinen Produktionskosten des Senders unterschieden. Doch genau das sei eben der springende Punkt. 

Nur die tatsächlichen Renovierungsleistungen wären steuerpflichtig. Deshalb müsse das Amt nun nachbessern und erst danach werde über die genaue Höhe der Zahlung entschieden. Fakt sei indes aber schon jetzt, drumherum käme keiner der mitwirkenden Familien.

Ein Beschluss, der deshalb nicht nur für die Klagenden aus dem Raum Köln wegweisend ist. Denn was die Eltern eines schwerbehinderten Kindes mit Thieres aus Bauda und den Meyers, Schulzes und Lehmanns aus der ganzen Bundesrepublik verbindet: Sie alle haben im Quotenrenner „Zuhause im Glück“ mitgewirkt. 

Ein seit 2005 auf RTL II ausgestrahltes Doku-Format, welches seinerzeit als die erfolgreichste Renovierungssendung von sich reden machte. Immerhin mehr als 200 Häuser hat die werkelnde Mannschaft um die Architekten Eva Brenner, John Kosmalla oder Mario Bleiker bis zur Einstellung im Januar 2019 hergerichtet. 

Und getreu dem Motto des Formates nach eigenem Bekunden ebenso viele Menschen glücklich gemacht. Durch einen Schicksalsschlag in Not geratene Familien, die keine Kraft dafür haben, selbst den notwendigen Umbau ihres Eigenheims zu stemmen.

Menschen wie Juliane und Alexander Thiere. Im Frühjahr 2017 hatte das Fernsehteam in nur acht Tagen ihr sanierungsbedürftiges Heim umgebaut. Mit ihrem Sohn war das Paar zunächst in das Haus aus den 1930er-Jahren eingezogen. 

Schon bald kam Tochter Zoe zur Welt – leider unter großer Sauerstoffarmut. Bereits mehrfach operiert, kämpft das kleine Mädchen angesichts vieler schwerer, gesundheitlicher Beeinträchtigungen bis heute immer wieder ums Überleben.

 Eine berührende Geschichte, aus denen die Macher von „Zuhause im Glück“ jene Sendung kreierten, die nicht nur gut drei Millionen Zuschauer vor dem Bildschirm fesselte – sie hätten vor allem den Menschen helfen wollen.

Hilfe, die für die ohnehin Sorgengeplagten jetzt auch noch existenziell bedrohlich werden könnte. Nachdem eine Wirtschaftsprüfung bei der UFA GmbH – sie produzierte im Auftrag von RTL II „Zuhause im Glück“ – im März 2018 ein steuerliches Problem zutage gefördert hatte, geriet nicht nur die Fernsehwelt ins Wanken. 

Bereits ein paar Wochen später erhielten die ersten Familien Post vom Finanzamt und wurden zur Zahlung von 65000 bis 68000 Euro aufgefordert. Für problembeladene Leute wie Thieres ein finanzielles Desaster. 

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Thieres sind zum Warten auf einen Bescheid des Finanzamtes verdammt. Und hoffen noch immer auf eine Lösung.

Zwar seien alle Teilnehmer im Vorfeld der Dreharbeiten darauf aufmerksam gemacht worden, dass die Zahlung einer Steuer möglich sein könne. Auf Nachfrage wäre jedoch stets versichert worden, so etwas habe es bisher noch nie gegeben.

Nun aber doch. Und seit dem Beschluss von Köln schwinden die Chancen auf eine Portion Glück im Unglück. Auch in Bauda.