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Schlechte Zeiten für illegale Grenzgänger

Für eine Woche setzt der Bundesgrenzschutz jetzt auf Probe eine Reiterstaffel an der Grenze zu Tschechien ein. Die Berliner Beamten werden mit ihren Pferden vorwiegend im Bereich Ebersbach, Taubenheim und Sohland den Streifendienst verstärken.

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Von Holger Gutte

Es ist windig und nasskalt, als die Frühschicht der Reiterstaffel des BGS ihre Pferde vom Transporter holt. Wenigstens regnet es bis jetzt noch nicht. Aber auch das hätte Andreas Pape und Christian Wolf nicht davon abgehalten, ihre Pferde zu satteln. Schließlich sind sie nicht auf einen Wanderritt aus, sondern im Dienst. Gestern waren die Polizisten den ganzen Tag bei Regen im Grenzabschnitt in Ebersbach unterwegs. Sollte es heute noch schlechter werden, können sie sich notfalls noch den Dienstmantel überziehen. Der ist so geschneidert, dass er Ross und Reiter Schutz bietet.

Heute, an ihrem zweiten Einsatztag in der Oberlausitz, starten sie ihre Patrouillen in Ebersbach vom Hainberg aus. Es ist ein Test des Bundesgrenzschutzes, der bereits jetzt gut ankommt. Wo eine Fußstreife nur langsam und schwer vorankommt, haben sie mit ihren Pferden keine Schwierigkeit. „So hoch sitzend können wir tief in den Wald hineinsehen“, sagt Andreas Pape. Der 37-jährige Polizeioberkommissar gehört bereits seit elf Jahren der Reiterstaffel an. „Ich wollte zur Polizei und eigentlich auch was mit Tieren machen“, sagt er. Eine Ausbildung zum Hundeführer kam für ihn nicht in Frage. „Dann hätte ich mich wahrscheinlich zwischen meinem privaten und einen Diensthund entscheiden müssen.“ Und die Arbeit mit Pferden liegt ihm.

Hier entlang der Staatsgrenze könnten wir sicher gut gebraucht werden, sind sich die beiden sicher. Dieses Fazit für ihren Abschlussbericht können sie jetzt schon ziehen. Aber als Polizisten gehen sie halt dorthin, wo man sie einsetzt. Darunter zählen Castro-Transporte genauso wie Bundesligaspiele. Schon allein die Präsenz einer Reiterstaffel bewirkt manchmal mehr als die von Polizisten mit Gummiknüppeln, sagt Polizeioberkommissar Andreas Pape.

„Wir werden sie auf jeden Fall wieder anfordern“, sagt der stellvertretende Leiter der BGS-Inspektion Ebersbach, Jens Mittasch. Er erhofft sich von der Reiterstaffel zwar nicht mehr Aufgriffe, aber auf jeden Fall eine abschreckende Wirkung. Zwischen 20 bis 25 Kilometer legen Andreas Pape und Christian Wolf täglich in fünf Stunden im Sattel mit den 15- und 13-jährigen Wallachen „Konsul“ und „Merkur“ zurück.

Mit den Anwohnern sind sie am ersten Tag noch nicht in Kontakt gekommen. Aber das wird schon noch, sind sich beide sicher. Der Erfolg ihrer Arbeit hängt zum Teil davon ab. Zumal sie bisher die Erfahrung gemacht haben, dass sie zu Pferde eher angesprochen werden, als eine herkömmliche Streife. Aber auch ohne die Hinweise ihrer Ebersbacher Kollegen oder aus der Bevölkerung haben sie schon einige illegale Trampelpfade von Pilzsuchern, Paschern oder wem auch immer entdeckt. Zu Fuß werden sie hier bei einer Flucht vor den Reitern keine Chance haben.

Bis zum Wochenende sind Andreas Pape und Christian Wolf mit ihren Pferden und ihre zwei Kollegen von der Spätschicht noch zwischen Ebersbach, Taubenheim und Sohland entlang der tschechischen Grenze im Einsatz. Sprechen Sie sie ruhig an, wenn Sie die Reiter sehen. Sie sind für Hinweise dankbar.