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Dippoldiswalde

Schleichweg radikal gesperrt

Sogar Lkws sind durchs Wohngebiet in Dippoldiswalde gekurvt. Warum sich die Belastung weiter zugespitzt hat.

Drei Blumenkübel und eine Sperrscheibe, obendrein noch ein Absperrgitter am Straßenrand, damit auch niemand die Sperrung auf dem Rasen umfährt.
Drei Blumenkübel und eine Sperrscheibe, obendrein noch ein Absperrgitter am Straßenrand, damit auch niemand die Sperrung auf dem Rasen umfährt. © Egbert Kamprath

Früher war die Friedrich-Engels-Straße hinter dem Bahnhof in Dippoldiswalde eine Sackgasse. 

Mit dem Bau des Wohngebiets Wolframsdorfer Straße bekam sie aber einen Anschluss an die dortigen Anliegerstraßen. So entwickelte sich etwas, was nie so gedacht war: eine Abkürzung zwischen der Bundesstraße B 170 und der Reichstädter Straße. Diese hat Durchgangsverkehr ins Wohngebiet gebracht. Am Rande der Ausschusssitzung am Mittwoch diskutierten Stadträte heftig darüber, denn die Situation hat sich jetzt zugespitzt.

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Das Problem: Wegen der Baustelle am Museum nimmt hier der Verkehr zu

Seit im vergangenen Herbst die Abfahrt von der B 170 am Museum vorbei gesperrt wurde, nehmen immer mehr Autofahrer den Schleichweg über das Wohngebiet und die Friedrich-Engels-Straße in Richtung Reichstädt. Selbst schwere Lkws haben sich schon durchgequält, wie Peter Antoniewski berichtete, der Beigeordnete der Stadt Dippoldiswalde. Autofahrer nutzen die Abkürzung, weil die reguläre Umleitung über den Obertorplatz gerade in Stoßzeiten überlastet ist. „Ich selbst habe dort im Berufsverkehr schon fünf Ampelphasen lang gewartet“, berichtete Sten Scannewin (Freie Wähler), Ortsvorsteher von Ulberndorf. Betroffene Anwohner haben sich wegen dem Durchgangsverkehr an Polizei und Stadtverwaltung gewandt. „Es gab massive Beschwerden“, sagt Antoniewski.

Die schnelle Lösung: Konsequente Vollsperrung des Schleichwegs

Der Beigeordnete stellt aber fest: „Für uns steht die Sicherheit der Bürger, gerade der Kinder an erster Stelle.“ Deswegen hat sich die Stadtverwaltung mit der Polizei auf eine radikale Lösung verständigt. Seit dieser Woche ist die Friedrich-Engels-Straße an ihrem Ende, wo es zum Wohngebiet geht, voll gesperrt. 

© SZ-Grafik

Rechtlich würde ein Sperrschild reichen, der rote Kreis auf weißem Grund. Aber die Stadt hat mit aller Konsequenz gehandelt. Sie hat drei Blumenkübel auf die Straße gestellt und ein Sperrgitter auf die Wiese daneben. Hier ist nur noch für Fußgänger oder Radler ein Durchkommen. Schon vorher verlangte die Stadt von Edeka bei seinen Bauplänen am Firstenweg ein Konzept, damit er ohne Lieferverkehr durchs Wohngebiet auskommt.

Alternativvorschläge: Einbahnstraße oder Tonnagebegrenzung

Viele Autofahrer, die sich an den Schleichweg gewöhnt haben, ärgern sich über die Sperrung. Sie haben sich an die Sächsische Zeitung gewandt wie Siegfried Stienert aus Ulberndorf. Sein Vorschlag wäre, ein anderes Gerüst am Museum zu errichten, damit der Verkehr dort weiter in beiden Richtungen fließen kann. Andere sind direkt an Stadträte herangetreten, wie Michael Triller (Freie Wähler) berichtete. „Warum hat die Verwaltung uns nicht vorher über die Sperrung informiert?“ fragte er. Auch im Wohngebiet wollen manche Anwohner die Abkürzung nutzen, „Dort herrscht heller Aufruhr“, sagte Jens Mücklich (CDU).

Stadträte brachten weitere Lösungsvorschläge in die Diskussion, eine Tonnagebegrenzung im Wohngebiet und eine Änderung der Einbahnstraßenregelung am Museum. Beide haben Für und Wider. Die Tonnagebegrenzung würde den Schwerverkehr fernhalten, aber nicht den Durchgangsverkehr mit Pkw. Eine andere Verkehrsrichtung am Museum hätte den Vorteil, dass es zwei Verbindungen zur B 170 gäbe, die Straße am Busbahnhof und den Obertorplatz, argumentierte Scannewin.

Die jetzigen Pläne: Neuer Vor-Ort-Termin im Mai

Antoniewski kündigte an, dass er einen Vor-Ort-Termin mit der Polizei noch im Mai ansetzen wird. Dort sollen dann weitere Entscheidungen getroffen werden.