merken
PLUS

Schleichweg zur A 4 für Laster bald tabu

Die Strecke von Niederwartha nach Wilsdruff wird gesperrt. Doch reicht das aus, um die hohe Verkehrsbelastung zu mindern?

© Andreas Weihs

Von Dieter Hanke

Marita Kaps hat Angst. „Der Weistropper Berg ist ja lebensgefährlich für Fußgänger oder Radfahrer“, sagt die Weistropperin. Ihr Junge fährt deshalb mit dem Moped über Oberwartha. Ihre 13-jährige Tochter bringt sie mit dem Auto zur Schule. „Eng ist die Straße, hat Dellen und Löcher. Der Unterbau sackt ab. Ein Fußweg fehlt. Zwei Laster haben kaum Platz, aneinander vorbeizukommen“, kritisiert die Einwohnerin.

Anzeige
Einkaufsnacht am 1. Oktober in Dresden
Einkaufsnacht am 1. Oktober in Dresden

Das City Management lädt am 1. Oktober 2021 zum Late Night Shopping in die Dresdner Innenstadt ein. Viele Geschäfte haben bis 23 Uhr geöffnet.

Zumindest einen kleinen Erfolg hat jetzt die Weistropper Bürgerinitiative erreicht. Sie will die enormen Verkehrsbelastungen auf dieser Strecke mindern. Die Kreisstraße 8034, die von Niederwartha über den Berg nach Weistropp und Hühndorf zur Staatsstraße 177 in Wilsdruff verläuft, soll in dieser Richtung für Laster über 7,5 Tonnen gesperrt werden. „Wenn alles klappt, wird das noch in diesem Jahr erfolgen. Die Verkehrsschilder sind bestellt“, sagt Andreas Herr, Beigeordneter und Leiter des Dezernats Technik im Landratsamt Meißen.

Er hofft, dass mit dieser Sperrung der Kreisstraße in einer Richtung die Verkehrsbelastungen für die Bürger abnehmen. „Unser Angebot steht auch, mit künstlichen Engstellen, Geschwindigkeitsbegrenzungen oder anderen Dingen den Verkehr weiter zu beruhigen“, sagt der Beigeordnete. Er bezieht sich da auf eine Studie, die im Auftrag des Landkreises von einem Planungsbüro angefertigt wurde. Durch die Sperrung der Kreisstraße in Niederwartha können die Laster nicht mehr die Abkürzung über Weistropp und Hühndorf nehmen, wenn sie zur Autobahn wollen. Bisher nutzen nicht wenige Fahrzeuge aus Radebeul, Coswig oder Weinböhla nach der Überquerung der neuen Brücke in Niederwartha diese sechs Kilometer lange Verbindung, statt über die B 6 durch Cossebaude zum Anschluss der A 4 in Dresden-Altstadt zu fahren.

„Ich denke, diese einseitige Sperrung wird aber nicht reichen“, befürchtet Marita Kaps. Der meiste Verkehr käme doch aus der anderen Richtung aus dem Raum Wilsdruff. Auch die Gemeinde Klipphausen sieht das so. „Diese Verkehrslösung ist eine halbe Sache. Generell wird damit das Problem nicht gelöst“, sagt Klipphausens Bürgermeister Gerold Mann. Besser wäre es nach seiner Ansicht, beide Richtungen der Kreisstraße für den Lasterverkehr zu sperren. „Auch sollte in absehbarer Zeit eine Umgehung für Weistropp geschaffen werden. Der Kreistag Meißen hat ja schon im Jahr 2002 dazu einen Beschluss gefasst“, bemerkt er.

Die Situation bei dieser Kreisstraße ist kompliziert. Mit der neuen Brücke in Niederwartha hat dort der Verkehr enorm zugenommen. Hinzu kommt, dass für die Strecke gleich drei Kommunen zuständig sind. Die Landeshauptstadt Dresden für den Weistropper Berg, der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge für den Abschnitt im Wilsdruffer Raum und eben der Landkreis Meißen für die anderen Straßenteile. Das erschwert eine generelle Lösung, denn jeder sieht in erster Linie nur seine Interessen. Dresden hat es lieber, wenn der Verkehr über die Dörfer geht, statt durch die enge B 6 in Cossebaude. Die Stadt Wilsdruff im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge befürchtet, dass mit einer Sperrung dieser Kreisstraße auch in der Gegenrichtung dem Gewerbegebiet Hühndorfer Höhe Nachteile entstehen „Kraftfahrer könnten irritiert werden, was die Zufahrt zu diesem Gewerbegebiet anbelangt“, sagt Wilsdruffs Bauamtsleiter André Börner.

Ursprünglich sollte auch der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge mit den anderen Kommunen hier eine Verkehrslösung erarbeiten. Die Behörde in Pirna lehnte dies aber ab, sodass Meißen nun diese Aufgabe auf dem Tisch hat. Für eine Umgehung von Weistropp, die mehrere Millionen Euro kosten würde, fehlt aber offensichtlich das Geld. Auch müsste dann für Hühndorf eine solche Entlastung geschaffen werden, da sich sonst der starke Verkehr nur in diesen Ort verlagern würde.

Auf Wilsdruffer Seite gibt es übrigens schon Baupläne: Der Landkreis möchte die Straße grundhaft sanieren. Zumindest der Abschnitt bis Hühndorf dürfte danach als Schleichweg noch attraktiver werden.