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Schleifer Schulbaustelle auf der Zielgeraden

Drinnen wird eingerichtet, draußen das Gelände weiter gestaltet. In den Winterferien steht der Umzug an.

Ende des Monats finden in den einzelnen Gebäuden des hochmodernen deutsch-sorbischen Schulkomplexes in Schleife die ersten technischen Abnahmen statt.
Ende des Monats finden in den einzelnen Gebäuden des hochmodernen deutsch-sorbischen Schulkomplexes in Schleife die ersten technischen Abnahmen statt. © Foto: Joachim Rehle

Schleife. Zum Schuljahresbeginn am Montag werden zwar noch keine Kinder die Klassenräume des neuen deutsch-sorbischen Schulkomplexes in Schleife betreten, doch lange dauert das nicht mehr. Nach drei Jahren Bauzeit befindet sich der Neubau quasi auf der Zielgeraden. Bis Ende Oktober, so der Schleifer Bauamtsleiter Steffen Seidlich, sollen die Baumaßnahmen „im großen und ganzen abgeschlossen sein“. Dann wird noch die Elektronik wie die digitale Heizungssteuerung getestet. Danach stehen bis Jahresende Abnahmen durch Behörden wie die Bauaufsicht, das Landesjugendamt, Hygiene und andere an. Ende August kommt der Prüf-Ingenieur zur Abnahme des Tragwerks. Brandschutz- und weitere technische Abnahmen folgen.

Steffen Seidlich hat nach eigener Aussage „ein gutes Gefühl“. Er befürchtet nicht, dass es noch gravierende Probleme geben könnte. Bei strittigen Fragen habe man die Behörden immer gleich mit an den Tisch geholt. „Um am Ende keine bösen Überraschungen zu erleben“, begründet er. Auch deshalb hat er – „bevor es am ersten Schultag richtig Ärger gibt“ – vorsichtshalber mal testen lassen, ob der zwölf Meter lange Schulbus in die Haltestelle kommt. Dafür berechnet sind die Kurven ja. Es sei eng, aber bei angepasster Geschwindigkeit zu schaffen, so das Ergebnis der drei Testrunden. Der Bauamtsleiter ist froh, dass es funktioniert hat und er auch dahinter einen Haken setzen kann. Das Bushaltestellenschild wird zweisprachig beschriftet wie das gesamte Wegeleitsystem im neuen Schulkomplex. Selbiges habe man mit dem Sorbischen Institut in Bautzen abgestimmt.

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Die Grundschule ist zu 95 Prozent fertig: Fußbodenbelag und Lampen drin, Tapeten an der Wand. Möbel werden nur zum Teil neu angeschafft. „Die Ausstattung von zwei Klassenzimmern und drei Gruppenräumen sowie Schränke aus dem Lehrerzimmer gehen aus der alten Schule mit“, erklärt Annett Dreißig von der Bauverwaltung der Gemeinde, die intensiv mit dem Schulneubau befasst ist. Im Sinne der Nachhaltigkeit und mit Blick auf die Kosten habe man das so entschieden, sagt sie.

Zahl der Hortplätze aufgestockt

In der Oberschule sind Maler und Elektriker durch. Die Fachkabinette werden nach neuestem Stand der Technik ausgestattet. In der Turnhalle sind Sportboden, Tribüne und Prallwand drin, die Markierungen auf dem Boden bereits aufgebracht. Es fehlen noch der Trennvorhang und die Sportgeräte. Auch der Sportplatz ist weitgehend fertig. Eine Herausforderung sei die digitale Schließanlage beispielsweise bei der Nutzung der Turnhalle durch Schulen und Vereine. Für den gesamten Komplex werden alle Schlüssel für die Zugangsberechtigten jeweils individuell programmiert.

Im Hort waren zunächst 100 Plätze vorgesehen. Wie sich zeigte, sei der Bedarf wesentlich höher. Deshalb wurde auf 120 aufgestockt. „Der Hort bekommt eine komplette Erdgeschossfläche. Das ist ein Quantensprung und nicht zu vergleichen mit den drei Räumen jetzt“, so Steffen Seidlich.

Ende nächster Woche beginnt der Rückbau der Baustelleneinrichtungen. Dann kann es an den Zuwegungen weitergehen. Auf der Rückseite des Schulkomplexes baut die Gemeinde außerhalb des Budgets am Wäldchen einen kombinierten Rad- und Gehweg für die Erreichbarkeit von der Schulstraße aus. Der Hauptzugang erfolgt über den Kreisverkehr Spremberger Straße. Der Parkplatz ist für 78 Fahrzeuge angelegt. Deren Zahl sei bei der Größe des Objekts gesetzlich so vorgeschrieben wie auch die 120 Fahrradparkplätze. Im Herbst wird auf dem Mutterboden eingesät und gepflanzt. Noch nicht erledigt ist der Bau der geplanten Lärmschutzwand.

Alte Schule wird abgerissen

Bis Mai 2020 soll die alte Schule zurückgebaut werden. Den Abriss übernimmt die Lausitz Energie Bergbau AG (Leag). Jedoch muss die Gemeinde das Objekt besenrein übergeben. Vorher müssen sämtliche Versorgungsleitungen für Telekommunikation, Strom, Erdgas, Trink- und Abwasser ausgebaut werden. Das gilt auch für die Heizungsanlage in der Turnhalle. Für die Gaststätte und die Turnhalle gibt es bereits einen Kaufinteressenten.

Im Rahmen des Gesamtbudgets ist zusätzlich zu den 24 Millionen Euro Baukosten Geld für den Rückbau vorgesehen sowie für die Anlaufphase in den ersten zwei Jahren. „Die Bewirtschaftungskosten sind nicht vergleichbar mit der jetzigen Schule“, weiß Seidlich. Das reiche bis zu den Wartungsverträgen mit Fachfirmen. Etwa gibt es grüne Tafeln nur noch für die 1. und 2. Klasse der Grundschule. Im neuen Schulkomplex werde die Digitalisierung umgesetzt: digitale Tafeln und tageslichtabhängige Beleuchtung. Die viele neue Technik bedeute jedoch, dass eventuelle Probleme, etwa mit der Heizungssteuerung, nicht alleine vom Hausmeister zu bewältigen sind.

In den Winterferien wird umgezogen. Den Auftrag dafür schreibt die Gemeinde Schleife noch aus. Auch hat der Gemeinderat im September darüber zu befinden, wer in der neuen Schulküche kochen wird. Der Auftrag für die Ausstattung der Küche ist bereits vergeben. Steffen Seidlich verweist auf die intensive Zusammenarbeit mit der Bauconzept Planungsgesellschaft mbH aus Lichtenstein als Generalplaner. Und als Projektsteuerer hatte die PST Planung Bauleitung und Projektsteuerung GmbH aus Werder Zeitplan und Kosten fest im Blick. Ohne dem wäre man lange nicht so weit, sagt er.

In dem neuen Schulkomplex können 570 Schüler lernen – 220 in der Grund- und 250 in der Oberschule. So viele sind es bisher nicht. Doch die Kitas in der Gemeinde sind voll und bei Bauanfragen junger Familien zeige sich, dass der Schulneubau als Standortvorteil gesehen wird. Wegen des Angebots, die sorbische Sprache zu erlernen, kamen schon jetzt Schüler aus umliegenden Gemeinden und sogar aus Brandenburg. Man strebe einen Bürgerbus für Schulkinder aus Brandenburg an, so der Schleifer Bürgermeister Reinhard Bork (parteilos). Er hat bereits den Ministerpräsidenten zur Einweihung eingeladen. Michael Kretschmer (CDU) sagte spontan zu. Im Frühjahr 2020 wird der Festakt stattfinden.

Auf der Rückseite des Schulkomplexes baut die Gemeinde Schleife jetzt auch noch einen kombinierten Rad- und Gehweg. Die Zufahrt für Fahrzeuge erfolgt über den Kreisverkehr Spremberger Straße.
Auf der Rückseite des Schulkomplexes baut die Gemeinde Schleife jetzt auch noch einen kombinierten Rad- und Gehweg. Die Zufahrt für Fahrzeuge erfolgt über den Kreisverkehr Spremberger Straße. © Foto: Constanze Knappe

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