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Schlesische Trachten für Reichenbach

Die Schau im Haus der Heimat wird mit vier Trachten aus Oberschlesien aufgewertet. Der Verein will das Haus zum Anlaufpunkt für Vertriebene machen.

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Von Steffen Gerhardt

Was eine Oberschlesierin einst trug, wird heute in Reichenbach gezeigt. Vier historische Trachten nimmt der Verein Erinnerung und Begegnung für sein Haus der Heimat in Reichenbach auf der Görlitzer Straße 4 entgegen. Damit, so der ehrenamtliche Leiter Professor Winfried Schirotzek, wird die Ausstellung weiter aufgewertet. „Die Trachten sind eine Schenkung an den Verein und kommen vom Kreisverband Dresden des Bundes der Vertriebenen und eine aus Privatbesitz“, sagt der Hausleiter. Dass die private Tracht auch nach Reichenbach kommt, dafür hat Gisela Lossack gesorgt. Die Vorsitzende des BdV-Stadtverbandes Hoyerswerda weiß, von wo sie stammt: „Sie wurde von einer Familie getragen und bewahrt, die in Pless lebte. Das ist eine Stadt im damaligen Regierungsbezirk Kattowitz.“ Zur Traditionspflege bekam der Stadtverband Hoyerswerda die Tracht, die nun in Reichenbach ein neues Zuhause hat.

Das Leben wird dokumentiert

Die Sammlung von Trachten ist dabei nicht die alleinige Aufgabe des Reichenbacher Vereins, betont sein 1. Vorsitzender, Friedrich Zempel. „Mit Seminaren und Vorträgen wollen wir nicht nur innerhalb des Bundes der Vertriebenen, sondern auch in der Öffentlichkeit über die Schicksale berichten, die mit Vertreibung und Verfolgung verbunden sind und waren. Aber auch das damalige Leben dokumentieren.“ Dabei sieht er das Betätigungsfeld des Vereins nicht nur auf Deutsche beschränkt. Auch zu polnischen und tschechischen Bürgern hat der Verein Kontakt und merkt das wachsende Interesse der jüngeren Generation an diesem Thema.

„Mein besonderes Anliegen ist die Integration von Vertriebenen, Aussiedlern und Ausländern“, sagt der in Freital wohnende Rechtsanwalt. Daher gründete er in diesem Jahr eine Stiftung mit, die sich „Erinnerung, Begegnung und Integration“ als Namen gab.

„Mit ihr wollen wir wissenschaftliche Arbeiten unterstützen, die dieses Stück Geschichte aufarbeiten“, sagt Friedrich Zempel zum Zweck der Stiftung. Sie wird auch das von der Erlebnisgeneration überlieferte Wissen und ihre Erfahrungen für nachfolgende Generationen bewahren.

Ein weiteres Bestreben des Vereins ist es, das Haus der Heimat in Reichenbach zu einem dauerhaften Anlaufpunkt für Betroffene und Interessierte zu machen. Derzeit ist der Reichenbacher Bernd Posselt der Mann vor Ort und betreut das Haus der Heimat und die Ausstellung im Nollau-Haus ehrenamtlich. Der Verein will einen Förderkreis gründen, aus dem heraus eine Stelle für dieses Haus geschaffen wird. „Sie gibt uns die Möglichkeit einer ständigen Betreuung vor Ort“, betont der Vereinsvorsitzende.

Informieren können sich Interessierte am Sonnabendnachmittag anlässlich der Übergabe der vier Trachten. Sie findet ab 14Uhr im Via-Regia-Haus, Große Kirchgasse 1, statt. Professor Winfried Schirotzek wird dabei das Haus der Heimat als zentrale Einrichtung der Vertriebenen und Spätaussiedler im Freistaat Sachsen vorstellen.

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