merken
PLUS

Schleusen auf für den Weißen Schöps

Vattenfall hat mit viel Geld einen Fluss neu verlegt. Nur so kann das Unternehmen an die Kohle. Das hilft nun der Natur.

© André Schulze

Von Doreen Hotzan

Es ist ein kleiner Akt mit großer Bedeutung. Durch ein paar Mal Drehen an der Kurbel des Schleusenrades öffnet sich gestern Vormittag im Rietschener Ortsteil Werda das Wehr einen Spaltbreit. Wenig später bahnt sich der dahinterliegende Weiße Schöps seinen Weg in sein neues Bett. Zentimeter für Zentimeter füllt der Fluss es langsam aus. Doch ein endgültiger Umzug ist es noch nicht. Vattenfall will das neue Flussbett erst gründlich prüfen. Daher darf der Weiße Schöps vorerst nur testweise hier entlang fließen. Erst, wenn feststeht, dass das Bett hält, was es verspricht, läuft hier alles normal.

Familie
Vater, Mutter und Kinder
Vater, Mutter und Kinder

sind eine wunderbare Kombination. Sie kann viel Spaß machen, aber auch Arbeit und Ärger. Tipps, Tricks und Themen zu allem, was mit Familie und Erziehung zu tun hat, gibts in einer besonderen Themenwelt von sächsische.de.

Nur fünf Zentimeter breit ist der Spalt in dem Wehr, durch das sich der Schöps seinen Weg bahnt.
Nur fünf Zentimeter breit ist der Spalt in dem Wehr, durch das sich der Schöps seinen Weg bahnt. © André Schulze
Fische statt Blumen: Helmut und Karsten Tusche von der Fischzucht Rietschen setzten anlässlich des Probebetriebs in das neue Bett vom Schöps vier Karpfen ein. Fotos (3): André Schulze
Fische statt Blumen: Helmut und Karsten Tusche von der Fischzucht Rietschen setzten anlässlich des Probebetriebs in das neue Bett vom Schöps vier Karpfen ein. Fotos (3): André Schulze

Dennoch ist der Start des Probebetriebs ein Moment, auf den Vattenfall über drei Jahre hingearbeitet hat, wie Ingolf Arnold, Leiter der Geotechnik bei dem Energiekonzern, betont. Wegen der geplanten Fortführung des Tagebaus Reichwalde war es notwendig, den Fluss über eine Gesamtlänge von zehn Kilometern teilweise neu zu verlegen. Zwischen den Rietschener Ortsteilen Hammerstadt und Neuliebel entstand eine fünfeinhalb Kilometer lange Neubaustrecke. Auch wurden Radwege, Brücken und andere Bauwerke gebaut. Selbst für den Probebetrieb entstand ein Regulierungsbauwerk, das einem Wehr ähnelt. Über das kann kontrolliert das Wasser in die Neubaustrecke fließen. „Derzeit ist das Wehr etwa fünf Zentimeter geöffnet. Der Schöps fließt vorerst mit 200 bis 300 Litern pro Sekunde in sein neues Bett“, erläutert Corina Fiskal. Sie leitet bei Vattenfall das Projekt „Umverlegung des Weißen Schöps“. Doch die Geschwindigkeit ist noch steigerbar. Während des Probelaufs, der bis spätestens Dezember abgeschlossen sein soll, werden zudem die Wasserstände überwacht und ein Auge auf die Begrünung am Ufer geworfen. Wenn nichts verrutscht und alles gedeiht, wird die Strecke freigegeben.

Insgesamt betrachtet ist die Umverlegung des Flusses ein Mammutprojekt – nicht nur für Vattenfall, sondern auch für alle daran beteiligten Firmen und Behörden. So plante Vattenfall das Vorhaben seit 2008 in enger Abstimmung mit der Landestalsperrenverwaltung (LTV) des Freistaates und mit der Landesdirektion.

Fakt ist: Die Umverlegung des Weißen Schöps hat sich in 85 einzelne Baumaßnahmen aufgesplittet. Der Großteil der Arbeiten ist abgeschlossen. Aber es bleiben offene Baustellen. Darunter fällt der Nebenfluss Raklitza. Dort wurde das Wehr zurückgebaut. Momentan entsteht dort eine sogenannte Sohlengleite. Das Bauwerk, das einer Fischtreppe ähnelt, erleichtert es Fischen und Kleinlebewesen, diese Stelle künftig leichter zu passieren. Zudem ist der Bau von drei Brücken in Planung.

Viele der Maßnahmen hat die Krauschwitzer Firma Nadebor im Auftrag des Energiekonzerns ausgeführt. Deren Geschäftsführerin Manja Nadebor ist daher ebenfalls bei dem Beginn des Probebetriebs mit vor Ort. „Für mich ist es ein Höhepunkt, hier zu sein“, sagt sie. Ihr ist aber bewusst, dass sich nicht alle mit der Umverlegung des Schöpses wegen dem Tagebau Reichwalde anfreunden können. „Die Kohle sorgt für viele Diskussionen. Denn zur Gewinnung des schwarzen Golds müssen Flüsse verlegt oder Dörfer umgesiedelt werden“, sagt die Geschäftsführerin. Doch es gebe auch positive Aspekte, die nicht außer Acht gelassen werden sollten. „Es werden Arbeitsplätze geschaffen“, hebt sie nur einen wichtigen Punkt hervor. Wie wichtig die Umverlegung des Schöpses für den Tagebau ist, betont auch Ingolf Arnold von Vattenfall: „Dort lagern über 300 Millionen Tonnen Braunkohle. Damit kann das Kraftwerk Boxberg für weitere drei Jahrzehnte versorgt werden.“ Sein Dank gilt zuletzt den Anwohnern, die all die Jahre die Bautätigkeiten ertragen haben.

Zu diesen gehören Helmut und Karsten Tusche von der Fischzucht Rietschen. Beide Unternehmer haben an den Tagebau einige Teiche verloren, dafür aber neue bekommen. Helmut und Karsten Tusche haben jetzt ihre ganz eigene Art gefunden, Vattenfall zum Probebetrieb zu gratulieren. So erkunden nun vier Karpfen aus einem der Teiche der Rietschener Fischzucht die neue Strecke des Weißen Schöps. „Wir dachten uns, Fische sind besser als Blumen“, so Helmut Tusche und lacht.