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Schleusen aus Geldmangel

Zum zweiten Mal stand Patrick W. aus dem Landkreis Löbau-Zittau diese Woche wegen gewerbsmäßigen Einschleusens von Ausländern vor dem Löbauer Amtsgericht. Im Grunde genommen war dem Gericht der Fall längst...

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Von Rolf Hill

Zum zweiten Mal stand Patrick W. aus dem Landkreis Löbau-Zittau diese Woche wegen gewerbsmäßigen Einschleusens von Ausländern vor dem Löbauer Amtsgericht.

Im Grunde genommen war dem Gericht der Fall längst bekannt, hatte doch der Angeklagte bereits während seines ersten Verfahrens freiwillig auch jene beiden Schleuserfahrten zugegeben, um die es diesmal ging. „Es ist schon lange her“, sagte der 29-jährige Tourismus-Student, „aber ich kann ohnehin nur das wiederholen, was ich bereits damals gesagt habe. Mir war aufgefallen, dass mein Bruder, der vorher nie mit Geld umgehen konnte, plötzlich ,flüssig´ war.“ Nach langem Bohren habe der Bruder ihn eingeweiht, dass er mit zwei anderen jungen Männern, ebenfalls aus dem Landkreis Löbau-Zittau, illegal nach Deutschland eingereiste Personen gegen Bezahlung ins Landesinnere beförderte.

Da habe er beschlossen mitzumachen, vor allem deshalb, sagt er, weil er seinen Eltern helfen wollte, die zu dieser Zeit in finanziellen Schwierigkeiten steckten. So brachte er mit seinem Opel dreimal je zwei Mazedonier nach Leipzig bzw. Berlin, wobei er jeweils pro Kopf 500 DM erhielt. Vermittelt wurde das ganze durch seinen Bruder und dessen Mittäter M. und St., die alle drei bereits in früheren Verfahren rechtskräftig abgeurteilt wurden. Er habe einfach keine andere Möglichkeit mehr gesehen, seinen Eltern zu helfen, beteuerte der Angeklagte, anderenfalls hätte er sich nie auf so etwas eingelassen.

Nach diesem freimütigen und umfangreichen Geständnis war keine aufwendige Beweisaufnahme mehr nötig. So konnten auch die beiden geladenen Zeugen ungehört vom Gericht entbunden werden.

Der Staatsanwalt würdigte das Geständnis und die Tatsache, dass sich Patrick W. im Verlaufe der Bewährungszeit aus der ersten Verurteilung tatsächlich bewährt hatte. So beantragte er eine Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr, unter Einbeziehung der sechs Monate aus dem ersten Urteil, ausgesetzt zur Bewährung von vier Jahren.

Richter Linhardt entschied im Hinblick auf alle Aspekte noch etwas milder. Sein Urteil lautete auf zehn Monate Freiheitsentzug, ausgesetzt auf zwei Jahre zur Bewährung. Von Auflagen finanzieller Art sah er ab.