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Schließt der Kulturpalast doch nicht?

Nach dem Auftritt der Kinderrevue „Brückenmännchen“ sollen im Sommer im Kulturpalast die Lichter ausgehen. Aber das wollen die Linken jetzt mit einem Eilantrag verhindern. Einen gemeinsamen Antrag haben...

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Von Bettina Klemm

Nach dem Auftritt der Kinderrevue „Brückenmännchen“ sollen im Sommer im Kulturpalast die Lichter ausgehen. Aber das wollen die Linken jetzt mit einem Eilantrag verhindern. Einen gemeinsamen Antrag haben auch Grüne und Bürgerfraktion gestellt, um angesichts der Absage von Fördermitteln das gesamte Projekt noch zu retten. Bis gestern Abend war allerdings unklar, ob der Erste Bürgermeister Dirk Hilbert die Themen auf die Tagesordnung der heutigen Stadtratssitzung stellt.

Vorschlag 1: Kulturpalast

bis zum Jahresende nutzen

Noch hofft der Liedermacher Herman van Veen, im November zwei Konzerte im Dresdner Kulturpalast geben zu können. „Erst wenn der Kulturpalast definitiv im Sommer geschlossen wird, suchen wir einen Ausweichstandort. Das wird nicht die Messe Dresden sein“, sagt sein Konzertveranstalter Rodney Aust.

Die Fraktion Die Linke will eine Schließung verhindern. „Es besteht eine Betriebserlaubnis bis zum Jahresende. Solange nicht verbindlich geklärt ist, wann was mit dem Kulturpalast geschieht, wäre eine vorzeitige Schließung aberwitzig“, sagt Linken-Fraktionschef André Schollbach. Ein weiterer Betrieb des Kulturpalastes über den Sommer 2012 hinaus sei sinnvoll.

Dafür setzt sich auch Jens Eichler ein. Der Betriebsratsvorsitzende der Konzert- und Kongressgesellschaft mbH Dresden (KKG) sagt, dass bis zum Jahresende viele Veranstaltungen, wie die Konzerte von van Veen, weiterhin als Option gebucht seien. „Die Stadt könnte so mindestens 400000 Euro einnehmen, statt das Haus ungenutzt stehen zu lassen“, sagt er. Noch seien 37 Mitarbeiter der KKG nicht gekündigt, damit der Kulturpalast uneingeschränkt bespielbar, sagt er.

Vorschlag 2: Zusätzliche

Veranstaltungen organisieren

Es müsse schnell Klarheit über das weitere Vorgehen geschaffen werden. Das sieht Konzertveranstalter Dieter Semmelmann ebenso. Er könne sich locker vorstellen, im zweiten Halbjahr acht bis zehn Konzerte im Kulturpalast zu veranstalten – allerdings zulasten der umgebauten Messehalle 1. Trotz Investitionen von 3,7 Millionen Euro für den Umbau der Halle, hält Semmelmann diese nur für einen schlechten Ersatz. Er ärgere sich zudem über die Preise. „Bei etwa gleicher Platzkapazität verlangt die Stadt fast die doppelte Miete für die Messehalle.“ Die Stadt wolle offensichtlich die Unterhaltungskunst aus Dresden vertreiben.

Nutzt die Stadt den Kulturpalast weiterhin, müsse sich die Dresdner Philharmonie nach der Sommerpause nicht nach einer Ausweichspielstätte umsehen. Gastspielproduktionen könnten problemlos eingekauft werden und die Eigenproduktionen der KKG dazukommen, sagt Betriebsrat Eichler.

Vorschlag 3: Neues

Finanzierungskonzept vorlegen

Grüne und Bürger fordern von der Stadt einen neuen Finanzierungsvorschlag. Damit soll dargestellt werden, wie der Umbau auch bei Wegfall der Fördermittel in Höhe von 35 Millionen Euro zu sichern ist. „Wir wollen allerdings keine bloße Sanierung. Die Dresdner Philharmonie braucht einen hochwertigen Saal, das haben wir schon 1994 einstimmig beschlossen“, sagt Grünen-Sprecherin Christiane Filius-Jehne. Spätestens seit 2007 hätte der Kulturpalast saniert und die Akustik im Saal verbessert werden können. Doch das habe Finanzbürgermeister Hartmut Vorjohann (CDU) verhindert und die große 70 Millionen Euro teure Variante vorgeschlagen. Obwohl Vorjohann seit spätestens 6. Dezember weiß, dass des für das Projekt keine EU-Fördermittel gibt, habe er im Stadtrat noch Mitte Dezember erklärt, es gebe noch keinen Bescheid. Christiane Filius-Jehne fühlt sich belogen: „Wir fordern den Rücktritt von Herrn Vorjohann. Mindestens muss ihm aber die Verantwortung für das Projekt entzogen werden.“

Das sieht die CDU ganz anders. „Bei den Eilanträgen geht es den Fraktionen nicht um die Sache, sondern um einen Heiligenschein für sie“, sagt Fraktionschef Georg Böhme-Korn. Auf Antrag der SPD hat der Stadtrat ohnehin schon beschlossen, ein neues Finanzierungskonzept vorzulegen.

Vorschlag 4: Plan B

mit externen Fachleuten

Grünen-Stadtrat Thomas Löser bezweifelt die städtischen Planungen und die Aussage von Hochbauamtsleiter Roland Müssig, dass eine Sanierung des Kulturpalastes genauso teuer wie der komplette Umbau samt modernem Konzertsaal sei. „Wir wollen deshalb, dass externe Fachleute in die Planung einbezogen werden“, fordert Löser.