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Schließungspläne für die Poppitzer Kita

Die Stadt reagiert auf sinkende Kinderzahlen. Dem Träger und manchen Stadträten erscheint der Schritt trotzdem widersinnig.

Von Eric Weser

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Die Stadt Riesa plant offenbar, die Poppitzer Kita „Grashüpfer“ im August 2016 zu schließen. Bereits im Dezember habe die Amtsleiterin für Bildung, Kultur und Soziales ihn über diese Absicht informiert, sagte Michael Schönfelder gestern der SZ. Schönfelder ist Geschäftsführer des Kita-Trägers, der SC Riesa gGmbH. Er hat etwas gegen die Pläne des Rathauses und sagt: „Wir werden uns das nicht gefallen lassen.“ Gemeinsam mit den Eltern will er für den Erhalt der Kita kämpfen.

Publik wurde das Thema diese Woche im Kulturausschuss. CDU-Rätin Heike Stenzel hatte sich nach den Schließungsplänen erkundigt. Von der Verwaltung hieß es daraufhin, es handele sich nur um Überlegungen. Entschieden sei noch nichts.

Der Chef des Kita-Trägers ist da anderer Auffassung. „Im Amt hält man an der Schließung fest.“ Und das, obwohl es aus Schönfelders Sicht vieles gibt, was dagegen spricht. So zweifle er daran, dass der Stadt dadurch große Einsparungen gelingen. Die Entlastung belaufe sich auf einen „niedrigen fünfstelligen Betrag“, so Schönfelder. Aber auch abseits nackter Zahlen gebe es gute Gründe, die Kita zu erhalten: So handle es sich um eine untypische Einrichtung, in der Zwei- bis zum Siebenjährige gemeinsam in Gruppen betreut werden. „Eltern wählen die Kita deswegen bewusst aus“, ist Schönfelder überzeugt. Außerdem sei die seit 2007 vom SC geführte Einrichtung ein kulturelle Institution in Poppitz. „Obwohl die Stadt bemüht sein sollte, das Leben in den Orten zu erhalten, spielt so eine Überlegung für das Amt keine Rolle. Es wird rein kostenmäßig gedacht“, klagt der SC-Geschäftsführer.

Argumente, die in ähnlicher Form auch von Stadträten gegen ein mögliche Schließung ins Feld geführt werden. Der Standort sei wichtig für das gesamte Umland, sagt etwa Linken-Fraktionschefin Uta Knebel. „Wenn die Schulen sollen in der Fläche erhalten werden, warum dann nicht auch die Kitas?“, fragt sie. Und auch der Fraktionschef der Freien Wähler/Bürgerbewegung, Stefan Schwager, sähe eine Schließung kritisch. „Wir müssen versuchen, dezentrale Strukturen zu erhalten.“ Von den Plänen der Stadt habe er bis zur Ausschusssitzung nichts gewusst, sagt Schwager.

Ein Umstand, der für Uta Knebel von einer falschen Herangehensweise des Rathauses zeugt. „Die Stadt zäumt das Pferd wieder einmal von hinten auf“, ätzt die Linken-Fraktionschefin. Aus ihrer Sicht hätten die Stadträte früher in die Überlegungen der Verwaltung einbezogen gehört.

Ein Schuh, den man sich im Rathaus nicht anziehen will. „Das Thema wird nach wie vor intern beraten und ist auch noch gar nicht endgültig ausdiskutiert und entschieden“, so Stadtsprecher Uwe Päsler gestern auf SZ-Nachfrage. Den Träger habe man über die Planungen zuerst informiert, „damit er sich seriös darauf einstellen kann.“ Warum die Stadt ausgerechnet den SC Riesa und die Poppitzer Einrichtung zu schließen gedenkt, blieb gestern offen. Päsler betont jedoch: „Eine endgültige Entscheidung über einen wie auch immer gestalteten Vorschlag der Verwaltung trifft selbstverständlich der Stadtrat.“ Entscheidungsreif sei das Vorhaben aber noch nicht, so Päsler. Damit es das wird, arbeiten die Behörden derzeit weiter. Unter anderem stimmt sich die Stadt mit dem Landkreis ab, der für die Bedarfsplanung der Kita-Plätze verantwortlich ist. Es hänge von verschiedenen Kriterien ab, ob Kitas geschlossen werden, so Kreissprecherin Kerstin Thöns. Vom inhaltlichen Konzept und vom Einzugsgebiet zum Beispiel. Aber auch vom Geld: „Wenn Fördermittel in die Einrichtung investiert wurden, gibt es eine Zweckbindungsfrist. Wenn eine Kita vor deren Ablauf geschlossen wird, muss das Geld zurückgezahlt werden.“

Genau das könnte der Poppitzer Kita auf die Füße fallen. Denn laut Michael Schönfelder habe der SC hier zuletzt ohne öffentliche Zuschüsse investiert. „Wenn uns das jetzt als Nachteil ausgelegt wird, wäre das eine böse Angelegenheit.“ Zumal die Anmeldezahlen für die Poppitzer Kita optimistisch stimmen: Bis 2018 seien alle 23 Plätze ausgebucht.

Und dennoch: Bei derzeit 69 Prozent Krippen-, 93 Prozent Kindergarten-, und 95 Prozent Hortplatz-Auslastung über alle zwölf Riesaer Einrichtungen hinweg und der Aussicht auf sinkende Kinderzahlen in den nächsten Jahren müsse eine Schließung zumindest geprüft werden, heißt es vom Landkreis. Diese Prüfung sei ergebnisoffen, wird betont. Nächste Woche wollen sich die Stadtverwaltung, der Landkreis und sämtliche Träger der Riesaer Kitas treffen, um über den künftigen Bedarf an Kita-Plätzen zu sprechen.

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