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Wie 18 Millionen Euro dem Schloss nützen

Die TU Dresden will das Ensemble in Grillenburg wiederbeleben. Im Frühjahr wird das Projekt konkret.

Von Verena Schulenburg
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Diese Idylle in Grillenburg wird bald ein neues Zentrum für die TU Dresden.
Diese Idylle in Grillenburg wird bald ein neues Zentrum für die TU Dresden. © Daniel Förster

Davon geträumt haben sie genug. Jetzt können die Grillenburger auch tatsächlich darauf hoffen, dass in das leerstehende Schlossensemble in ihrem Ort wieder Leben einzieht. 18 Millionen Euro sind dem Jagdschloss sicher. Diese Finanzspritze hat der Bundestag kürzlich in seinem Haushaltsausschuss für das Denkmal im Tharandter Wald zugesichert. Davon werden die ersten 300.000 Euro im kommenden Jahr locker gemacht. Die Millionen fließen in den Folgejahren. 

Die große Stange Geld wird auch von Nöten sein. Das Renaissance-Schloss mit Neuem Jägerhaus und Nebengebäuden bröckelt nicht nur seit Jahren dahin und macht eine Sanierung dringend erforderlich. Vor allem die neuen Zukunftspläne um das Areal sind gewaltig. Für insgesamt 36 Millionen Euro will die TU Dresden inmitten der Grillenburger Teichlandschaft ein Konferenz- und Tagungszentrum errichten. 

Veranstaltungen sind vor allem im repräsentativen Jagdschloss geplant. Hier sollen auch ein Restaurant und ein Raum für Trauungen eingerichtet werden. Neben Räumlichkeiten für Veranstaltungen wird es im Obergeschoss des Neuen Jägerhauses Gästezimmer geben. Darüber hinaus plant die TU unmittelbar daneben im Schlossgelände einen Hotelneubau. Allein dieser soll rund zehn Millionen Euro kosten. Zusammen mit der Aufbettung im Neuen Jägerhaus soll in Zukunft auf der Schlossinsel Platz für 140 Übernachtungsgäste sein. 

Lange Suche nach Investor

Mehr als zehn Jahre schon steht das Jagdschloss leer. Der letzte Mieter, die Landesstiftung für Natur und Umwelt, verließ 2008 das Denkmal, das sich im Besitz des Freistaates befindet. Trostlos ist auch die Situation am Neuen Jägerhaus, das die Stadt Tharandt 2006 aus der Not heraus kaufte. Rechtsextreme interessierten sich damals für das Gebäude, weil dieses vom NSDAP-Gauleiter Martin Mutschmann in den 30er-Jahren errichtet worden war. Dass sich rechtsextremes Gedankengut in dem Haus breitmacht, konnte die Stadt mit dem Kauf verhindern. Geld zur weiteren Sanierung und Nutzung fehlte jedoch. 

Gemeinsam mit der Stadt Tharandt bemühten sich die Grillenburger um eine Zukunft des Schlosses, forderten sogar in einer Petition die gesamtheitliche Entwicklung des insgesamt 36 Hektar großen Areals beim Freistaat Sachsen ein. Ein erster Schritt in Richtung Zukunft wurde 2016 gemacht. In einer gemeinsamen Vermarktungsinitiative wurde für Jagdschloss und Neues Jägerhaus ein Investor gesucht - mit Erfolg. Die TU Dresden wurde auf das Ensemble aufmerksam und sieht nun darin eine Chance, ihren zunehmenden Bedarf an Konferenzen und Projekten neuen Raum geben zu können.

Nachdem sich der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) Ende Juli in Grillenburg einen Überblick über das millionenschwere Projekt verschaffte, unterzeichneten daraufhin die Vertreter von Freistaat, TU Dresden und der Stadt Tharandt eine gemeinsame Interessenbekundung für Grillenburg. 

Ein erstes Startgeld für die Investitionspläne sicherte die Sächsische Aufbaubank diesen Sommer zu. Von den insgesamt 878.000 Euro, die sich die drei Kommunen Tharandt, Dorfhain und Klingenberg in einem gemeinsamen Förderprojekt geangelt haben, fließt auch ein Teil nach Grillenburg. Wirklich realistisch macht dieses Vorhaben aber nun erst der beschlossene Geldsegen vom Bund in Höhe von 18 Millionen Euro.

Naturschützer im Verdruss

Bevor jedoch die ersten Handwerker aufs Schlossgelände ausrücken, muss noch allerhand Papierkram bewältigt werden. Bis März kommenden Jahres muss die TU Dresden einen konkreten Kosten- und Finanzplan erstellen sowie mit dem Freistaat das Nutzungskonzept abstimmen. 

Erst danach sollen die Kaufverträge mit der Universität abgeschlossen werden, bestätigt TU-Sprecherin Kim-Astrid Magister. Diesen Prozess wird auch die Stadt Tharandt begleiten. Voraussichtlich im Dezember soll der Tharandter Stadtrat einen Bebauungsplan für Grillenburg anschieben, so Bürgermeister Silvio Ziesemer (parteilos). Er freue sich, dass das Projekt nun Fahrt aufnehmen kann und dieses von verschiedenen Seiten unterstützt werde.

Wenig erfreut sind allerdings die Naturschützer. Die Landesstiftung für Natur und Umwelt (Lanu), die derzeit ein Büro in Dresden hat, soll wieder zurück nach Grillenburg ziehen. So verlangt es ein Gesetzesbeschluss. Als die Stiftung 2008 die Räume im Jagdschloss verließ, arbeitete sie zwischenzeitlich vom Nobbe-Bau in Tharandt aus, bevor sie sich 2016 endgültig von der Forststadt verabschiedete. 

Zurück nach Grillenburg wollen die Naturschützer nun eigentlich nicht mehr - und wenn, dann nur zurück ins repräsentative Schlossensemble. Doch diesen Vorstellungen will der Freistaat wohl nicht nachkommen. Stattdessen wird favorisiert, die Naturschützer etwa 200 Meter weiter in der ehemaligen Forstschule unterzubringen, sobald das Haus frei wird. Hier wohnen zurzeit noch Flüchtlinge, für die bereits eine anderweitige Unterbringung angedacht ist.