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Schloss Grillenburg wird Konferenz-Zentrum

Die TU Dresden will das Ensemble künftig nutzen. Neue Impulse gibt es auch für den Tourismus im Tharandter Wald.

Noch steht das Jagdschloss in Grillenburg leer. In Zukunft soll darin ein Zentrum für die TU Dresden, aber auch für Besucher entstehen.
Noch steht das Jagdschloss in Grillenburg leer. In Zukunft soll darin ein Zentrum für die TU Dresden, aber auch für Besucher entstehen. © Andreas Weihs

So viel Aufmerksamkeit haben die historischen Gemäuer lange nicht erlebt. Alle Augen waren an diesem Freitagmittag auf das Schlossensemble gerichtet. 

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) kam nach Grillenburg, um mit Tharandts Bürgermeister Silvio Ziesemer (parteilos), dem sächsischen Innenminister Roland Wöller (CDU) und dem Rektor der TU Dresden, Hans Müller-Steinhagen, zu vereinbaren, wie es mit den leerstehenden Denkmälern inmitten der Teichlandschaft weitergeht. Lange wurde um die Pläne geschwiegen. Nun ist das Geheimnis gelüftet.

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Das gesamte Ensemble, zu dem im Wesentlichen das Jagdschloss und das Neue Jägerhaus gehören, soll zu einem Tagungs- und Konferenzzentrum für die TU Dresden und die TU Bergakademie Freiberg werden. Dazu gibt es bereits erste Vorstellungen. 

Das Jagdschloss selbst, dessen Ursprünge im 16. Jahrhundert liegen, soll maßgeblich als Konferenzstätte für die Universitäten und deren Kooperationspartner genutzt werden. Das gilt auch für den Fachbereich Forstwissenschaften der TU Dresden, der in Tharandt ansässig ist. Auch das Neue Jägerhaus wird in das Konzept eingebunden. 

Es wäre toll, schwärmt Hans Müller-Steinhagen, Rektor der TU Dresden, wenn hier das große wissenschaftliche Tagungszentrum von Sachsen entstehe. Der Bedarf seitens der TU Dresden, die jüngst wieder die Auszeichnung als Exzellenz-Uni erhielt, sei zweifelsfrei da. Konferenzen, Workshops und Diskussionsrunden seien gefragt. Bisher fehle dafür eine zentrale Stelle.

Im Neuen Jägerhaus wird besprochen, wie die Sanierung und künftige Nutzung aussehen soll.
Im Neuen Jägerhaus wird besprochen, wie die Sanierung und künftige Nutzung aussehen soll. © Andreas Weihs

Die Denkmäler sollen in Zukunft aber nicht allein universitär genutzt werden. Vorgesehen ist auch eine breite öffentliche Nutzung. So soll ein Raum im Jagdschloss erstmals als Trauungsort hergerichtet werden. 

Das gesamte Schlossensemble soll Gästen auch für private Feiern zur Verfügung stehen. Sowohl im Jagdschloss als auch im Neuen Jägerhaus sind Restaurants geplant. Damit nicht genug: Auf dem insgesamt 36 Hektar großen Gelände ist darüber hinaus auch ein Hotelneubau geplant. Für insgesamt 140 Übernachtungsgäste sollen im Hotel und im Dachgeschoss des Neuen Jägerhauses Betten zur Verfügung stehen. 

Zudem soll Platz für Ausstellungen und Veranstaltungen geschaffen werden und neue Parkplätze sollen entstehen, die für Besucher besonders wichtig sind. Kooperationen sind auch mit den Akteuren um den neuen Geopark Sachsens Mitte geplant, der künftig die Region prägen soll.

So schnell wie möglich, waren sich die Akteure einig, wolle man die Pläne umsetzen. Ministerpräsident Kretschmer schlug vor, eine gemeinsame Absichtserklärung zu unterzeichnen, um das Projekt voranzubringen. Das Papier werde in den kommenden Tagen vorbereitet. Ziel ist es, schon in drei bis vier Jahren die neue Konferenz- und Tagungsstätte zu eröffnen. Erste Maßnahmen würden in der aktuellen Haushaltsplanung bereits Berücksichtigung finden. Die komplette Finanzierung solle im nächsten Doppelhaushalt gesichert werden. 

Insgesamt 36 Millionen Euro sollen den aktuellen Planungen zufolge in das Schlossareal investiert werden. Der größte Anteil wird in das Neue Jägerhaus fließen. Der Hotelneubau, der auf der großen Wiese neben dem Jägerhaus errichtet wird, ist mit knapp zehn Millionen Euro angesetzt. Für die weitere Sanierung des Jagdschlosses sind 6,5 Millionen Euro vorgesehen.

Hand drauf: Ministerpräsident Michael Kretschmer (l.) im Gespräch mit Tharandts Bürgermeister Silvio Ziesemer.
Hand drauf: Ministerpräsident Michael Kretschmer (l.) im Gespräch mit Tharandts Bürgermeister Silvio Ziesemer. © Andreas Weihs

Am Jagdschloss selbst, das sich bisher im Eigentum des Freistaates befand, wurde zuletzt lediglich das Dach erneuert, um weitere Schäden an der Bausubstanz zu vermeiden. Mehr ist nicht geschehen, auch nichts am Jägerhaus, dessen Eigentümer die Stadt Tharandt ist.

Abgesehen von der Finanzierung, die noch konkretisiert werden muss, sei auch noch zu klären, wer genau der künftige Eigentümer aller Gebäude ist. Da sich die TU Dresden maßgeblich um die Nutzung bemüht, werde entweder die TU oder eine TU-nahe Einrichtung neuer Eigentümer, heißt es. Damit wird auch die Stadt Tharandt entlastet, die das Neue Jägerhaus aus der Not heraus im Jahr 2006 kaufte, um zu verhindern, dass sich Rechtsextreme das Gebäude sichern, das in den 30er-Jahren vom Unternehmer und NSDAP-Gauleiter Martin Mutschmann gebaut wurde.

Das braune Image, das deshalb bisher auf dem Denkmal lastete, könne niemand anderes besser löschen als die TU Dresden, erklärt Innenminister Roland Wöller. Grillenburg habe das Potenzial zum Leuchtturm für die Region. Auch Tharandts Bürgermeister freut sich über die Entwicklung, die das Schlossareal nehmen soll. 

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Jahrelang habe man sich um eine Zukunft der Bauten bemüht. 2016 gingen Stadt und Freistaat endlich gemeinsam in eine Vermarktungsoffensive. Mit einer Hochglanzbroschüre wurde das Schlossensemble auf der Expo-Real in München angeboten. Insgesamt 45 Bewerber hätten sich darum bemüht, darunter auch die TU Dresden.


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