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Hainewalder Schloss ist wieder gekrönt

Viele Schaulustige verfolgen, wie das "Sanssouci der Oberlausitz" sein Wahrzeichen erhält - trotz Regen. Manche nehmen dafür eine lange Anreise in Kauf.

Die Krönung des Hainewalder Schlosses verfolgten am Mittwoch viele Interessierte.
Die Krönung des Hainewalder Schlosses verfolgten am Mittwoch viele Interessierte. © Matthias Weber/photoweber.de

Weithin sichtbar ist der riesige Kran in Hainewalde, dessen Ausleger noch viele Meter über dem Schlossturm ragt. Scharenweise zieht es am Mittwoch nicht nur die Hainewalder zum "Sanssouci der Oberlausitz", wie der Barockbau auch genannt wird. Nach 25 Jahren erhält das Schloss nun seine Turmhaube zurück. Die alte musste 1996 samt Kugel, Spitze und Wetterfahne abgenommen werden, weil sie baufällig war und einzustürzen drohte.

Ruhig und gelassen sitzt Karsten Gutsche in seinem 90-Tonnen Koloss. Über Funk wird er vom Turm aus von einem Kollegen seine Anweisungen erhalten. "Das wird schon. Das schwierige hier war eigentlich am Dienstag die Anfahrt zum Schloss durch die enge Lindenallee und das Aufstellen des Kranes", sagt er. Denn dort, wo vor dem Nordanbau des barocken Gebäude-Ensembles der Kran steht, ist das Gelände abschüssig. Zudem weiß niemand so genau, wie standfest der Boden ist. 

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Doch am Dienstag zeigte sich, dass der Kran sicher steht. Denn neben den Vorbereitungsarbeiten für das Aufsetzen der Turmhaube, sind auch mehrere Hebe-Proben gemacht worden. 

Gegen 10.15 Uhr ist es dann am Mittwoch soweit. Der etwa sechs Meter große Unterbau der Turmspitze hängt an den Seilen des Kranes. Auf 52 Meter hat Karsten Gutsche erst einmal den Ausleger seines Kranes ausgefahren. Damit ist er aber noch längst nicht an seiner Leistungsgrenze angekommen. Rings um das Schloss stehen Menschen und halten das Schauspiel mit ihren Handys und Fotoapparaten fest. Die Kinder von der Hainewalder Kita "Mandauspatzen" freuen sich unten im Schlossgarten.

Auch an der Linden-Allee verfolgen dutzende Menschen das Schauspiel, ebenso auf der Wiese neben dem Nordanbau. Überall haben die Mitglieder vom Schlossverein Stände aufgebaut und bieten Speisen und Getränke an.

Von all den Schaulustigen dürfte wohl Roland Dittrich den längsten Anfahrtsweg gehabt haben. Der 70-Jährige gebürtige Hainewalder wohnt in Crailsheim. Das liegt bei Schwäbisch Hall im Nordosten von Baden-Württemberg. "Ich habe im Internet gelesen, dass heute hier die Turmhaube aufgesetzt wird und zu meiner Frau gesagt, da muss ich hin", sagt er. 

Als Kind im Schloss Fußball gespielt

"Was willst du da unten?", hatte ihn seine Frau gefragt. Und da erzählte er ihr von seiner Kindheit im Schloss. Roland Dittrich hatte damals bei der Schlossbrücke gewohnt. Als Kinder sind sie viel im Schloss und in seinem Garten spielen gewesen. "Im Winter haben wir immer oben im großen Saal Fußball gespielt. Rechts und links davon sind Wohnungen gewesen. Aber das hatte uns nie gestört", erzählt er. 

Und noch etwas verbindet ihn ganz persönlich mit dem Hainewalder Schloss. Sein Ur-Ur-Großvater war Pferdekutscher bei den Schlossherren gewesen. Davon ist in der Familie immer mit Stolz berichtet worden. Roland Dittrichs Klassenkameradin von einst, Maria Seibt, ist heute Mitglied im Förderverein zur Erhaltung des Kanitz-Kyaw’schen Schlosses. Immer, wenn der Kranfahrer eine Pause macht, weil die nächste Hebung vorbereitet werden muss, führt sie Besucher durch den Nordanbau. 

Der ist nämlich seit Anfang des Jahres wieder zugänglich. Und so kommt es, dass am Mittwoch, so wie einst von Kyaws vom Balkon schauten, das nun auch Gäste können. Im Balkonzimmer im ersten Stock sind neue Fenster und ein Fußboden eingebaut worden. Der bröckelnde Putz vom Kreuzgewölbe und den Wänden ist ab. Auch im überdachten Balkonzimmer eine Etage darüber befinden sich jetzt sieben neue Fenster. Hier ist der Fußboden sogar schon gedielt. Auch Dachstuhl und Dach sind neu.

Kurz vor 13 Uhr sind der Unterbau fest montiert und die Vorbereitungsarbeiten auf dem Schlossturm für den nächsten Kranhub erledigt. Fünf Minuten später blickt wieder alles nach oben. Jetzt hängt die Spitze der Turmhaube an den Seilen. Monteure erklimmen zeitgleich eilig die Treppen des Gerüstes an der Fassade nach oben. 

Dach der Turmhaube sitzt perfekt

Um 13.12 Uhr gibt es Beifall von unten. Hoch oben sitzt nun auch das Dach der Turmhaube perfekt. Aber noch ist die Krönung längst nicht vollzogen. Dreimal noch sind die Bedienkünste von Karsten Gutsche im Kran gefragt.  

Bis dahin ist Zeit für Grußansprachen, den Richtspruch und einen Dank an alle am Bau Beteiligten. Bundestagsabgeordneter Thomas Jurk (SPD) sprach von einer Sitzung im Bundestag im November 2016, in der 400.000 Euro aus einem Denkmalschutz-Sonderprogramm für das Hainewalde Schloss bewilligt wurden. Das war gleichzeitig die Voraussetzung dafür, dass auch das Land Sachsen noch einmal die gleiche Summe zur  Verfügung stellte. 

Die noch nötigen rund 50.000 Euro, die die Gemeine Großschönau als Eigentümer mit aufbringen musste, sind durch das Engagement des Schlossvereines zusammengekommen. Mit dem Geld konnten im Nordanbau und in Teilen des Südportales die Sanierungsarbeiten durchgeführt und eine neue Turmhaube gebaut werden. Thomas Jurk verlas auch eine Grußbotschaft von Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU). Auch Bürgermeister Frank Peuker (SPD) dankte allen Unterstützern und am Bau Beteiligten. 

Viele sind sichtlich bewegt

Sichtlich bewegt verfolgt um 13.45 Uhr der Vorsitzende des Schlossvereins, Jan Zimmermann, wie der Richtkranz nun an einer Stange des Baugerüstes hängt. Der Richtkranz ist von der Freimaurerloge, die es auch in Zittau gibt, gespendet worden. Denn die Freimaurer haben einen ganz besonderen Bezug zum Kanitz-Kyaw’schen Schloss. Schlossherr Samuel Friedrich von Kanitz war Freimaurer und ließ das Gebäude-Ensemble nach freimaurerischen Gesichtspunkten bauen. 

Die Turmkugel und die Wetterfahne müssen noch hoch. Um 14.10 ertönt das Oberlausitzlied. Um 14.20 Uhr hievt der Kran eine Gondel zur Turmspitze. Die Seile müssen ausgehangen werden, bevor die Wetterfahne als letztes eingesetzt werden kann. 

Kathleen Spitalny steht mit in der Gondel. Die Mitarbeiterin der AIZ Bauplanungsgesellschaft Zittau ist die Projektkoordinatorin und hat das Projekt Turmhaube von Anfang an mit begleitet. "Der Blick von da oben ist herrlich. Auch bei diesem Regenwetter", sagt sie. 

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Gegen 15.45 Uhr schwebt die Wetterfahne hoch oben über dem Schloss. Aber das Einfädeln ist von der Gondel aus bei dem Regen nicht so einfach. Doch zehn Minuten später ist es geschafft. Das "Sanssouci der Oberlausitz" hat mit einer original nachgebauten Turmhaube, samt Kugel und Wetterfahne sein Wahrzeichen wieder zurück. 

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