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Zauberschloss in Not

Schloss Kuckuckstein in Liebstadt drohte der Verfall - bis vor zwei Jahren die Besitzer wechselten. Dank neuer Finanzspritze wird nun weiter saniert.

Haben eine Herkulesaufgabe vor sich: Susanne und Jens Höhnel vor dem sanierungsbedürftigen Schloss Kuckuckstein.
Haben eine Herkulesaufgabe vor sich: Susanne und Jens Höhnel vor dem sanierungsbedürftigen Schloss Kuckuckstein. © Egbert Kamprath

Die DDR-Sendung mit Zauberer Peter Kersten machte es weit über Sachsen hinaus bekannt. So beliebt und belebt wie damals, so soll Schloss Kuckuckstein auch in Zukunft wieder sein. Das Wahrzeichen von Liebstadt, der wohl kleinsten Stadt in Sachsen, soll sich wieder zu einem touristischen Hotspot in der Sächsischen Schweiz entwickeln. Dafür wollen Susanne und Jens Höhnel sorgen. Die beiden Unternehmer, die selbst aus Liebstadt stammen, haben das Schloss vor zwei Jahren gekauft, um es vor dem weiteren Verfall zu retten.

Stützmauern drohen einzustürzen

Diesem Ziel kommen die Schlossherren und ihre Natur Romantik GmbH nun einen kleinen Schritt näher. Dafür sorgt eine Finanzspritze aus dem Sonderprogramm Denkmalschutz des Freistaates Sachsen. Insgesamt 400.000 Euro werden aus diesem Topf zur Verfügung gestellt. Das Geld wurde jetzt übergeben. Der Betrag - plus einem nicht unerheblichen Eigenanteil der Eigentümer - fließt in die Sicherung und Instandsetzung einsturzgefährdeter Burgmauern. Einige drohten in sich zusammenzufallen, andere waren schon heruntergerissen. Weite Teile sind inzwischen erneuert.

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Die linke Mauer stürzte 2008 auf ein Wohnhaus, jetzt wurde sie instand gesetzt.
Die linke Mauer stürzte 2008 auf ein Wohnhaus, jetzt wurde sie instand gesetzt. © Egbert Kamprath

Gebaut werden muss aber nicht nur an den Stützmauern. Im Schloss selbst besteht ebenfalls hoher Sanierungsbedarf. Wände und Außenmauern sind rissig oder ausgebrochen, Feuchtigkeit dringt ein. Der Zustand ist das Ergebnis über Jahrzehnte vernachlässigter Baupflege. Weder die Stadt Liebstadt, noch ein privater Schlossbesitzer, der den Kuckuckstein 2018 nach jahrelangem Rechtsstreit an die Kommune zurückgab,  konnten den Verfall aufhalten.

Dieser Herkulesaufgabe wollen sich Susanne und Jens Höhnel stellen - als Herzensprojekt. "Manchmal stecken wir schon zu viel Emotion ins Schloss", sagt Susanne Höhnel - trotz der vielen Baustellen. Aufgeben will das Unternehmerpaar dennoch nicht. Im Gegenteil. Die Finanzspritze des Freistaates spornt sie an. "Die Staatsregierung hat uns und unsere Aktivitäten jetzt im Blick. Das ist ein gutes Zeichen", sagt Susanne Höhnel. 

Dachstuhl konterminiert

Auf Finanzspritzen werden die Schlossherren auch in Zukunft angewiesen sein. Denn nicht nur die Mauern machen Probleme. Ein viel größeres schlummert unter dem Dach. Erst vor wenigen Wochen wurde entdeckt, dass der Dachstuhl mit einem DDR-Holzschutzmittel konterminiert ist. "Hylotox" heißt die Chemiekeule, die eigentlich Holzschädlinge vernichten soll. "Die Konzentration im Holz hier im Schloss ist aber ungewöhnlich hoch", erklärt Alf Furkert, Sächsischer Landeskonservator, der die Fördermittel persönlich übergeben hat. 

Die toxische Belastung ist so groß, dass sie auf andere Teile im Schloss ausstrahlen könnte. Ob die betroffenen Holzbalken komplett ausgetauscht werden müssen, steht laut Furkert noch nicht fest. Er hofft, dass eine intensive Reinigung ausreicht, um das Holzschutzmittel aus den Balken zu bekommen. Ob das gelingen kann, werden weitere Untersuchungen zeigen.

Familie Höhnel hofft, dass sie die größten Baustellen auf Schloss Kuckuckstein in den nächsten zehn Jahren abhaken kann. "Mit großer Finanzkraft wäre eine Sanierung auch in zwei Jahren schaffbar", rechnet Jens Höhnel vor. Ob zwei oder zehn Jahre, das mache in der mehr als 500 Jahre alten Geschichte des Kuckucksteins am Ende nicht viel aus. Die Hauptsache sei, dass sich kontinuierlich etwas tut. 

Die Fassade bröckelt, der Dachstuhl ist mit einem DDR-Holzschutzmittel konterminiert.
Die Fassade bröckelt, der Dachstuhl ist mit einem DDR-Holzschutzmittel konterminiert. © Egbert Kamprath

"Liebstadt wird seinen Beitrag dazu leisten", verspricht Bürgermeister Hans-Peter Retzler (Linke). Er bedankt sich bei den neuen Eigentümern für ihren Mut, so ein schweres Erbe anzutreten. Die Kommune selbst hätte das Schloss vor 13 Jahren an einen österreichischen Investor verkauft. "Finanziell hätten wir es als Stadt nicht anders  gepackt", sagt Retzler. Pro Jahr hätte Liebstadt aktuell zwischen 1,5 und zwei Millionen Euro im Haushalt zur Verfügung. Ziehe man die Pflichtaufgaben ab, blieben noch rund 100.000 Euro für Investitionen übrig.

 "Das Schloss war und ist für uns viel zu groß", meint der Ratschef. Man sei deshalb umso glücklicher, dass es nun engagierte Eigentümer gibt, die wirklich etwas bewegen wollen - für das Schloss und damit für die Stadt Liebstadt.

Zauberpeter plant weitere Shows

Zusammen mit dem extra gegründeten Verein "Schwarzes Kleeblatt" wollen Susanne und Jens Höhnel das Schloss aus dem Dornröschenschlaf holen. Eine Mischung aus Kultur, Natur, Musik und Theater ist geplant. "Das Schloss soll auch ein Treffpunkt für lokale Vereine sein", stellt sich Jens Höhnel die Idee vor. Touristen sollen hier her kommen und Geschichte schnuppern. Hochzeiten sind jetzt schon möglich, im ehemaligen Rittersaal. Der ist auch die Heimat von DDR-Magier Peter Kersten. Mit der Sendung "Zauber auf Schloss Kuckuckstein" war err Mitte der 80er-Jahre regelmäßig in Liebstadt zu Gast. 

Zurück im Zauberschloss: DDR-Magier Peter Kersten im Rittersaal von Schloss Kuckuckstein.
Zurück im Zauberschloss: DDR-Magier Peter Kersten im Rittersaal von Schloss Kuckuckstein. © Egbert Kamprath

"Der Kuckuckstein ist immer meine künstlerische Heimat gewesen", sagt der 76-Jährige. Nicht nur deshalb kam Kersten persönlich zur Fördergeldübergabe nach Liebstadt. Der "Zauberpeter", wie er gern genannt wird, zaubert weiter. "Die letzten zehn Shows auf dem Kuckuckstein waren allesamt ausverkauft", sagt er stolz. Am 26. und 27. September sind zwei weitere Auftritte mit ihm im Rittersaal geplant. 

Bereits dieses Wochenende öffnet sich der Kuckuckstein nach der Corona-Zwangspause erstmals wieder als Kulturstätte. Die Theatergruppe "Spielbrett" aus Dresden führt am Sonntag, dem 12. Juli, um 15 Uhr, das Grimmsche Märchen "Schneewittchen" auf, das für Kinder ab sieben Jahren geeignet ist. Mit Angeboten wie diesem soll es in naher Zukunft weitergehen. "Unser großer Wunsch wäre, auf dem Kuckuckstein wieder Gastronomie zu haben", sagt Jens Höhnel.

In Liebstadt selbst gibt es keine Einkehrmöglichkeit. 2011 schloss die Stadtschänke und fungiert seitdem nur noch als Gästehaus. Auch Übernachtungen sollen im Schloss irgendwann wieder möglich sein. 

Eine Vision, die auch Landrat Michael Geisler (CDU) unterstützt. "Der Kuckuckstein ist endlich in richtigem Fahrwasser", sagte er bei der Geldübergabe. 

Bürgermeister Hans-Peter Retzler, Landrat Michael Geisler, die Eigentümer Susanne und Jens Höhnel, Landeskonservator Alf Furkert und Magier Peter Kersten (v.l.) bei der Übergabe der Fördermittel.
Bürgermeister Hans-Peter Retzler, Landrat Michael Geisler, die Eigentümer Susanne und Jens Höhnel, Landeskonservator Alf Furkert und Magier Peter Kersten (v.l.) bei der Übergabe der Fördermittel. © Egbert Kamprath

Geisler hätte in den vergangenen Jahren viele Gespräche zum Sorgenkind Kuckuckstein geführt. Denn viele Krisen und Schwierigkeiten hätte es gegeben. Geisler ist jedoch optimistisch, dass es aufwärts geht. "Die geplanten zehn Jahre für die Sanierung sind sportlich", sagt er. Aber machbar - wenn es denn viele Unterstützer gibt. Wie in diesem Fall der Freistaat mit seiner Finanzspritze.   

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