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Schlossturm in Nöthnitz wieder mit Krone

Eine goldene Kugel und eine neue Wetterfahne schmücken das frisch sanierte Dach. Der Schlossherr plant bereits Neues.

Sicher in einer Holzkiste verpackt schwebt die goldene Kugel in Richtung Turmhaube von Schloss Nöthnitz.
Sicher in einer Holzkiste verpackt schwebt die goldene Kugel in Richtung Turmhaube von Schloss Nöthnitz. © Karl-Ludwig Oberthuer

Sicher verwahrt in einer Holzkiste wartet am Freitagmorgen die goldene Kugel mit etwa 60 Zentimetern Durchmesser auf ihren großen Auftritt. Rund 2,50 Meter misst die Stange der Wetterfahne mit den Initialen J.H. und der Jahreszahl 2020. Das erste Stück auf dem Weg nach oben bis zum Dach geht schnell mit Motorenkraft über eine Leiter. Von dort aus ziehen Michael Huhn und sein Kollege die beiden Schmuckstücke per Seil auf den Turm.

Zufrieden beobachtet ihr Chef Uwe Ostmann von der Ostmann und Hempel Restaurierung und Handwerk GmbH die Arbeiten. „Mit Ausnahme von ein paar Fotos hatten wir nichts. Dann haben wir im Landesamt für Denkmalpflege recherchiert, konstruiert und nun die Wetterfahne, die Ziergitter und die goldene Kugel originalgetreu gefertigt“, erzählt der Diplomrestaurator. Dabei haben sie auch alte Techniken angewandt, nachempfunden, wie es die Handwerker seinerzeit gemacht haben. So ein Auftrag sei schon etwas Besonderes.

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In der Werkstatt von Uwe Ostmann wurden Kugel und Wetterfahne angefertigt. Als Vorlagen dienten einige wenige alte Fotos.
In der Werkstatt von Uwe Ostmann wurden Kugel und Wetterfahne angefertigt. Als Vorlagen dienten einige wenige alte Fotos. © Karl-Ludwig Oberthuer

Die Wetterfahne, die zu DDR-Zeiten demontiert wurde, hatte einst die Initiale RvF und die Jahreszahl 1872. Rudolf Carl Freiherr von Finck, ein Rittergutsbesitzer, Politiker und Kammerherr, kaufte 1871 das um 1630 errichtete Schloss und baute es um. „Der Denkmalschutz war dafür, dass nun meine eigenen Initialen darauf stehen“, betont Jan David Horsky. Um seine Füße wuselt dabei die kleine Jack-Russel-Terrier-Hündin Sophie. Das Schloss ist sein Privatbesitz. Sein Vater hatte es von Viktor von Finck erworben.

Strenges Auge des Denkmalschutzes

Dieser war 1991 aus Westdeutschland nach Sachsen zurückgekehrt, er hatte das Schloss, das bis 1945 im Familienbesitz war, zurückgekauft. Er wollte es als Arbeitsort von Johann Joachim Winckelmann, dem Begründer der klassischen Archäologie und Wegbereiter der modernen Kunstwissenschaften, herrichten. Doch am Ende fehlte ihm das Geld für die Sanierung und er verkaufte das Kleinod kurz vor seinem Tod wieder.

Nun hat es sich der 24-jährige Horsky zur Aufgabe gemacht, das Schloss zu sanieren. Ohne Hilfe sei das nicht zu stemmen. Deshalb dankt er auch zur Turmbekrönung für die Förderung durch die Bundesregierung und den Freistaat. 430.000 Euro habe die Dachsanierung gekostet. „Plus Eigenmittel, die sich während der denkmalgerechten Sanierung immer wieder deutlich erhöht haben“, sagt er. Den konkreten Förderanteil mag er nicht nennen.

Zwei kleine Kapseln, gefüllt mit historischen Fotos und Bildern vom Baugeschehen, je einem Zeitungsartikel aus dem Bannewitzer Amtsblatt und der Sächsischen Zeitung, Visitenkarten und Münzen, stecken nun in der Kugel. Bevor diese in die Höhe gezogen wird, dankt Pfarrer Wolf-Jürgen Grabner von der Kirchgemeinde Bannewitz in einem Segensgebet allen Beteiligten. Die Idee dazu sei vor einem Monat entstanden, als Horsky gemeinsam mit dem Pfarrer aufs Dach gestiegen ist. „Segen von oben ist immer gut.“

Eigentlich lebt Horsky in Prag und ist nur zeitweise im Schloss Nöthnitz. Doch angesichts der Grenzschließung wegen der Corona-Pandemie entschied er sich, am 13. März in Bannewitz zu blieben, um die Bauarbeiten zu beaufsichtigen. Das mit Schiefer gedeckte Dach, samt Erkertürmchen und Schlossturm entspricht nun wieder dem Originalzustand. In Abstimmung mit dem Denkmalschutz wurden langgestreckte Gauben, die zu DDR-Zeiten eingebaut worden waren, beseitigt.

Trödelmarkt und Gedenkkonzert

Am Schlossbau gibt es noch sehr viel zu tun. „Wir möchten gern weiterbauen und müssen jetzt sehen, was am dringendsten erforderlich ist“, sagt Horsky. Es hänge auch von einer möglichen Förderung ab.

Im vergangenen Jahr hatte er zum Tag des offenen Denkmals sein Schloss für die Öffentlichkeit geöffnet. In diesem Jahr ist das Corona-bedingt nur virtuell möglich. Der Förderverein Freunde Schloss Nöthnitz will auf seiner Internetseite einen Film zeigen mit Aufnahmen über das Baugeschehen, die auch aus einer Drohne gemacht wurden, sowie mit Fotos von den Innenräumen. „Wir haben zudem vereinbart, im nächsten Jahr vier kulturelle Veranstaltungen im Schloss anzubieten“, sagt Vereinsschatzmeister Fritz Kuhlmann.

Spielt das Wetter mit, lädt Horsky am 6. September ab 10 Uhr zu einem Hauströdelmarkt in den Schlosshof ein. Verkauft werden Porzellan, Bilderrahmen und Glas, aber auch Werkzeug, die frühere Besitzer oder Mieter im Schloss hinterlassen haben.

„An den 100. Geburtstag von Viktor von Finck wollen wir mit einem Konzert im Festsaal am 10. Oktober erinnern“, kündigt Horsky an. Dabei wird auch die Sopranistin Kerstin Doelle singen. Sie sei eine gute Freundin der Familie, bei der Jan Horsky vor elf Jahren Gesangsunterricht genommen hat, es sei zudem geplant, Persönlichkeiten einzuladen, die Viktor von Finck gekannt haben. Näheres könne er aber wegen der Corona-Beschränkungen noch nicht sagen. Der Freundesverein kündigt für diesen Tag öffentliche Führungen an, für die sich Interessenten per E-Mail anmelden können.

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