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Schloss Nöthnitz öffnet sich - ein bisschen

Eigentümer Jan Horsky und der Verein "Freunde Schloss Nöthnitz" schließen einen Vertrag. Dadurch werden Veranstaltungen im Schloss möglich.

Irmela Werner vom Verein "Freunde Schloss Nöthnitz" und Eigentümer Jan Horsky unterzeichneten eine Kooperationsvereinbarung.
Irmela Werner vom Verein "Freunde Schloss Nöthnitz" und Eigentümer Jan Horsky unterzeichneten eine Kooperationsvereinbarung. © Karl-Ludwig Oberthür

Der Schritt war überfällig. Jan Horsky, Privateigentümer von Schloss Nöthnitz, und der Verein "Freunde Schloss Nöthnitz" haben sich geeinigt. In einer sogenannten Kooperationsvereinbarung ist festgeschrieben, wie oft und in welcher Form im Schloss öffentliche Veranstaltungen stattfinden können. Bis die Unterschriften geleistet wurden, gab es allerdings einige Probleme zu klären. Der Verein verlor über den Verhandlungen gar seinen Vorsitzenden.

Seit September des vergangenen Jahres verhandelten die zwei Parteien über die Fragen: Auf welcher Grundlage und in welcher Form darf der Verein "Freunde Schloss Nöthnitz" in dem historischen Renaissance-Bau öffentliche Veranstaltungen anbieten? Und was will und kann Schlossherr und Eigentümer Jan Horsky zulassen?

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Dabei ging es nicht nur um nutzungs- und versicherungsrechtliche Regelungen, sondern auch um Detailfragen zu Gema-Gebühren und Catering. Herausgekommen ist eine Vereinbarung, die vieles regelt, aber auch Spielräume für Spontanität lässt. "Wir sind zufrieden und stolz, dass wir den Vertrag schließen konnten und haben jetzt Planungssicherheit", sagt die neue Vereinsvorsitzende Irmela Werner.

Der Festsaal von Schloss Nöthnitz wird mindestens viermal im Jahr wieder für Veranstaltungen geöffnet sein.
Der Festsaal von Schloss Nöthnitz wird mindestens viermal im Jahr wieder für Veranstaltungen geöffnet sein. © Karl-Ludwig Oberthür

Viermal im Jahr darf der Verein den Festsaal bespielen. Dort soll es kulturelle Veranstaltungen geben mit Lesungen, kleinen Konzerten und Vorträgen. 80 Besucher finden unter normalen Bedingungen im Saal Platz. Der Verein muss die Termine und den Inhalt allerdings jährlich im Voraus mit dem Eigentümer absprechen. Jan Horsky verspricht jedoch: "In der Regel werde ich problemlos zustimmen." Er wolle sich als Schlossbesitzer aber in jedem Fall ein Mitspracherecht erhalten.

Dasselbe gilt für einmalige Aktionen, die kurzfristiger geplant werden. Denn die Vereinbarung sieht ebenfalls vor, dass der Verein zusätzlich zu den vier Terminen im Jahr, weitere Veranstaltungen organisieren kann. "Das ist per schriftlicher Absprache mit mir möglich", sagt Horsky. Grundsätzlich gilt aber: Im Winter bleibt Schloss Nöthnitz zu. "Die Heizkosten sind einfach zu hoch", sagt der Eigentümer.

Denn auch das ist geregelt: Der Verein zahlt für die Nutzung des Festsaals pro Veranstaltung eine Betriebskostenpauschale von 30 Euro. Dafür stehen der Saal mit Bestuhlung und Flügel zur Verfügung, Künstlergarderobe, Toiletten und eine kleine Küche. Für Organisation und Ablauf ist der Verein verantwortlich, ebenso für das Kassieren eventueller Eintrittsgelder, um einen Teil der Unkosten zu decken. "Ich habe keine Einnahmen daraus", sagt Horsky.

Die Winckelmannstube ist im Blauen Salon eingerichtet. Hier darf der Verein interne Sitzungen und Veranstaltungen abhalten.
Die Winckelmannstube ist im Blauen Salon eingerichtet. Hier darf der Verein interne Sitzungen und Veranstaltungen abhalten. © Karl-Ludwig Oberthür

Auch für die Winckelmannstube im Blauen Salon gibt es eine Vereinbarung. Der Verein kann diese für seine internen Belange jederzeit nutzen - außer im Winter. Dafür wird eine monatliche Betriebskostenpauschale von 30 Euro fällig, rückwirkend ab 1. September 2019. Dafür bekommt der Verein nicht nur einen Schlüssel zu den Räumen, hat also jederzeit Zutritt, sondern kann dort Mitgliederversammlungen oder andere Vereinstreffen abhalten. 

Manche Kritiker halten die Vereinbarung in ihrer Form für nicht so gelungen. Dass der Eigentümer für alles ein Mitspracherecht behält und jede einzelne Veranstaltung gewissermaßen absegnen muss, empfinden sie als zu viel Abhängigkeit. Zudem zog sich der Verhandlungsprozess ziemlich in die Länge. 

Offenbar war die Verstimmung beim bisherigen Vereinsvorsitzenden Jürgen Voitel darüber immerhin so groß, dass er den Posten abgab. Er bleibt aber dem Verein als Mitglied erhalten und sagt: "Wir haben das Schloss jetzt auf den Weg gebracht und ich würde mich freuen, wenn wir auch mit Herrn Horsky in Zukunft eine gute Zusammenarbeit pflegen können." Zur neuen Vorsitzenden wurde die bisherige Stellvertreterin Irmela Werner gewählt.

Sie sieht das Ganze positiv und schaut nach vorn: "Wir arbeiten jetzt daran, die Vereinbarung mit Leben zu füllen." Erste Ideen gibt es natürlich schon, wenngleich die Corona-Zeit nicht nur den Vertragsabschluss verzögert hat, sondern natürlich auch den Start zur Öffnung des Schlosses hinausschiebt. So wird der "Tag des offenen Denkmals" - 2019 verbunden mit einem Ansturm auf Schloss Nöthnitz - dieses Jahr am 13. September "nur" ein virtueller sein. Der Verein hat dafür schon einiges vorbereitet. Unter anderem wird der Film von einem Drohnenflug online gehen. Perspektiven, die man sonst so nicht erleben kann.

Zurzeit wird das Dach von Schloss Nöthnitz saniert. Dafür fließen Fördergelder in sechsstelliger Höhe.
Zurzeit wird das Dach von Schloss Nöthnitz saniert. Dafür fließen Fördergelder in sechsstelliger Höhe. © Jan Horsky

Ebenfalls bereits in Planung ist eine Gedenkveranstaltung zu Ehren des letzten Schlosseigentümers Viktor von Finck. Er hätte am 22. Oktober 2020 seinen 100. Geburtstag gefeiert. Von Finck hatte das Schloss 2009 an die Familie Horsky verkauft. Der jetzige Eigentümer Jan Horsky jun. erbte es von seinem Vater. Der 24-jährige Tscheche mit österreichischem Pass steckt inzwischen einiges an Arbeit und auch Geld in die Sanierung des Schlosses.

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Zurzeit wird das Dach des Haupthauses und des Turmes erneuert. Dafür fließen Fördergelder von Land und Bund. "Darüber bin ich sehr froh und wirklich dankbar", sagt Horsky. Dennoch sei sein Eigenanteil beträchtlich und habe sich während der Sanierung durch unvorhergesehene Kostensteigerungen bereits verdoppelt. Über konkrete Zahlen möchte er dennoch nicht sprechen. 

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